Herr Friedrich, wenn Sie 25 Millionen Euro zur freien Verfügung für Ihre Gemeinde bekämen, was würden Sie damit machen?

Für 5 bis 10 Millionen die bekannten Projekte forcieren und statt alle nacheinander zu realisieren versuchen, mehr gleichzeitig zu erreichen. Und ich würde untersuchen lassen, ob es sinnvoller wäre, die Bodanrückhalle zu renovieren oder eine neue zu bauen. Für heute und morgen sind wir noch froh an der Halle, aber sind wir ehrlich: in einigen Jahren steht hier eine große Neuinvestition an. Mit der restlichen Summe würde ich erstmal haushalten, man muss ja nicht alles gleich ausgeben.

Welches finanzierbare Projekte brennt Ihnen am meisten unter den Nägeln, und warum?

Oh da gibt es mehrere: die beiden neuen Kindergärten (Höhrenbergstraße und Montessori-Neubau) haben derzeit Priorität und unsere vollste Aufmerksamkeit. Das gilt aber auch zum Beispiel für das Baugebiet Kaltbrunn. Warum, ist recht einfach – wir wollen allen Familien langfristig die Kinderbetreuungsplätze anbieten können, die am besten zu deren gelebten Familienmodell passen. Und weil Kinder heute früher in die Kita gehen und die Betreuungszeiten erheblich ausgeweitet wurden, braucht es einfach mehr Platz, darum bauen wir. Und warum wir Wohnraum schaffen wollen, bedarf glaube ich keiner Erklärung, es gibt einfach viel zu wenig.

Auf dem Gelände des Technologiezentrums an der Kaltbrunner Straße baut die neue Wohnbaugesellschaft der Gemeinde Allensbach und der Sparkasse Reichenau Wohnhäuser und Gewerberäume. Die Mieten sollen zwar möglichst günstig sein, doch sozialer Wohnungsbau ist nicht vorgesehen.
Auf dem Gelände des Technologiezentrums an der Kaltbrunner Straße baut die neue Wohnbaugesellschaft der Gemeinde Allensbach und der Sparkasse Reichenau Wohnhäuser und Gewerberäume. Die Mieten sollen zwar möglichst günstig sein, doch sozialer Wohnungsbau ist nicht vorgesehen. | Bild: Zoch, Thomas

Worauf sind Sie am meisten stolz in der Gemeinde, und was ärgert Sie am meisten?

Man spricht immer schnell von einer guten Gemeinschaft, doch in Allensbach wird das Miteinander wirklich sehr gut gelebt und gepflegt. Gerade im letzten halben Jahr mit Corona war dies wieder zu spüren. Ob bei „Allensbach hilft“ oder einfach so unter Nachbarn und Freunden – man hilft sich und steht zusammen. Das ist schön zu sehen und auf alle Helferinnen und Helfer, auch im Kleinen, bin ich sehr stolz. Ärgern? Da gibt es natürlich schon das ein oder andere. Aber das trübt meine Grundhaltung nicht wirklich, ich bin sehr zufrieden.

Auf drei Projekte warten Bürger und Gemeinderäte sehnlichst: die Wiederbegehbarmachung von Marienschlucht und Uferweg, ein Hotel auf dem Adler-Areal und das neue Kinderhaus. Was wird als erstes wahr?

Jedes Projekt ist für sich ein Multi-Millionenprojekt. Sicherlich ist eine gründliche Planung absolut notwendig, bevor das Geld ausgegeben wird. Und es reden viele mit – Naturschutz, Denkmalschutz, Verbände, Behörden… Aber schauen wir nach vorne, bei der Marienschlucht geht es voran, jedes Jahr werden nun Teilabschnitte geplant und realisiert. Auch für das Kinderhaus wurde in der letzten Sitzung der Zeitplan festgezurrt. Allein der Adler bleibt eine Wundertüte: Ist ein Hotel, so wie von Bürgern und Gemeinderat gewünscht, überhaupt möglich und gibt es jemanden, der es plant, baut und betreibt? Zumindest auf diese Fragen will ich dieses Jahr die Antwort haben – ja oder nein! Eine Sondersitzung gibt hoffentlich Klarheit und, wir können dann im letzten Quartal im Gemeinderat wieder darüber beraten.

In Allensbach, Hegne und Kaltbrunn plant die Gemeinde Neubaugebiete. Aber nirgendwo ist dabei bisher sozialer Wohnungsbau vorgesehen. Wollen Sie keine Bürger mit wenig Geld in der Gemeinde?

Wohnen ist nicht gleich Wohnen. In Kaltbrunn sind hauptsächlich Einfamilien- und Doppelhäuser geplant. Diese sind nicht zum sozialen Wohnungsbau vorgesehen, sondern um Familien im Ort halten zu können. Mit der Wohnbaugesellschaft bauen wir Geschosswohnungsbau auf dem früheren TZA-Gelände. Hier sollen Mietwohnungen entstehen, die etwas unterhalb des Mietspiegels liegen sollen. Aber das wird kein sozialer Wohnungsbau – das geht im Neubau am See nicht. Um überhaupt auf den Wohnungsmarkt Einfluss nehmen zu können, brauchen wir Wohnraum in eigener Hand. Der Bestand an gemeindeeigenen Wohnungen wurde in den letzten Jahren vergrößert und soll auch weiterhin ausgebaut werden. Dies ist ein langfristiges Projekt, aber auch hier sind schon einige Schritte gemacht, weitere folgen.

Allensbach aus der Vogelperspektive. Mehr als 7000 Menschen wohnen in der Gemeinde, die als Wohnort sehr beliebt ist. Mit Folgen: Auch dort steigen die Quadratmeterpreise.
Allensbach aus der Vogelperspektive. Mehr als 7000 Menschen wohnen in der Gemeinde, die als Wohnort sehr beliebt ist. Mit Folgen: Auch dort steigen die Quadratmeterpreise. | Bild: Hilser, Stefan

Bei der Gemeindereform in den 1970er-Jahren hatte die Stadt Konstanz Interesse an Allensbach. Wäre das gelungen, dann gäbe es heute vielleicht einen Ortsvorsteher Ludwig Egenhofer oder Pius Wehrle. Wären Sie dann in einer anderen Gemeinde Bürgermeister?

Das kann ich so nicht sagen. Ich hatte zuvor meinen Job im Landtag, der mir viel Spaß gemacht hat. Aber Allensbach hat mir gleich gefallen und ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass das hier passen könnte. Ich habe es probiert und heute bin ich hier und sehr glücklich damit.

Welchen Wunsch haben Sie an die Stadt Konstanz und/oder den Landkreis?

Wir arbeiten eng zusammen. Gerade die Stadt Konstanz ist in vielen Bereichen der Verwaltung wichtiger Ansprechpartner für uns. Das Landratsamt sowieso. Ich schätze sehr die handelnden Personen, auch auf Arbeitsebene. Ich denke, wir leben ein sehr gutes Miteinander, das darf gerne so bleiben.

Verträgt die Gemeinde noch mehr Touristen?

Wer ist denn Tourist? Feriengäste, Tagestouristen aus Baden-Württemberg, Besucher von unseren Bürgern, Nachbarn aus Radolfzell oder Reichenau, die zum Eis essen rüberkommen? Wenn auf dem Rathausplatz viel los ist, sehen Sie den Menschen nicht an, woher sie sind. Wir hatten sicher viele Phasen dieses Jahr, in denen es recht voll war in Allensbach. Aber wir sind eine Seegemeinde, das sind wir gewohnt. Ich sehe, dass man die Entwicklung beobachten sollte, aber Grund zur Panik sehe ich nicht.

Wie wichtig ist für Sie der Klimaschutz? Bereits unter ihrem Vorgänger hat sich der Gemeinderat hohe Ziele gesetzt bei der C02-Einsparung. Könnte dafür nicht mehr getan werden in der Gemeinde und wenn ja: was?

Klimaschutz wird als Oberthema immer mehr Entscheidungen begleiten. Der Jugendbeirat hat hier einen Schwerpunkt, die Agendagruppe ebenso. Auch im Gemeinderat nimmt das Thema immer mehr Platz ein. Seien Sie gespannt auf die November-Sitzung, dann werden einige Punkte beraten.

Ist der Ausbau der B33 da nicht eher kontraproduktiv, weil damit der Individual- und der Schwerlastverkehr auf der Straße gefördert werden?

Es heißt nicht entweder oder, sondern wie wir alle Arten des Verkehrs besser organisieren können. Die B33 war, ist und bleibt für den Bodanrück eine wichtige Verbindung.

Sie waren im Urlaub in der Provence und damit plötzlich in einem Corona-Risikogebiet. Wie ging es Ihnen, als Sie davon erfahren haben, und was waren die Konsequenzen nach der Rückkehr?

Wir waren mit dem Wohnmobil relativ autark unterwegs. Frankreich hat auch recht strikt die Hygieneregeln verfolgt. Als die Provence als Risikogebiet eingestuft wurde, hieß es aber, Abschied nehmen, wir haben Frankreich dann unverzüglich verlassen. Die Konsequenzen waren ein, zum Glück negativer, Coronatest am Klinikum Konstanz und dank der Woche Urlaub zu Hause eine so aufgeräumte Garage wie noch nie.

Fragen: Thomas Zoch

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