Die Corona-Krise hat den Tourismus wie im ganzen Land auch am Untersee komplett still gelegt. Da tun positive Nachrichten, die in die Zukunft weisen, besonders gut.

Und solche gab es dieser Tage vom Land: Die Gemeinde Reichenau erhält aus dem Tourismusinfrastruktur-Programm für die Neugestaltung des Klostergartens einen Zuschuss von 477 615 Euro, was die Hälfte der geplanten Kosten ist. In der Gemeinde Allensbach wird das neue Wanderwege-Projekt Naturkino mit 30 000 Euro gefördert, also knapp ein Viertel der anvisierten 125 000 Euro Gesamtkosten.

Ein positives Signal für die Branche

„Das ist ein positives Signal für eine gebeutelte Branche“, meint der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll, „ein Signal, das in die Zukunft gerichtet ist mit der Erweiterung der Tourismusinfrastruktur.“ Und für die Gemeinde sei es „die halbe Miete“. Nach Möglichkeit solle das gesamte Projekt über Fördermittel und Sponsoren finanziert werden.

Sabine Schürnbrand, die Leiterin des Allensbacher Kultur- und Tourismusbüros, erklärt: „Wir freuen uns sehr, dass es auch positive Nachrichten gibt in diesen Zeiten.“ Der Förderbetrag entspreche genau dem, was die Gemeinde habe beantragen können und sich erhofft habe. Den Rest finanziere die Gemeinde selbst.

Ein neuer Klostergarten

Auf der Insel Reichenau will die Gemeinde nördlich und östlich des Münsters einen neuen Klostergarten anlegen. In diesem Bereich, wo heute Wiese ist, hatte der Wanderbischof Pirmin im Jahr 724 das ursprüngliche Kloster gegründet.

Das schon viele Jahre geplante Projekt soll nun bis zum Jahr 2024 abgeschlossen werden, weil dann die große 1300-Jahr-Feier der Klostergründung ansteht, so der Bürgermeister. „Das ist ein zentrales, wichtiges Projekt. Das wird ein Ort sein, wo die Klostergeschichte wieder erfahrbar ist.“ Zugleich gehe es darum, dem Bereich mehr Aufenthaltsqualität zu geben, wovon sowohl Gäste wie Einheimische profitieren sollen, so Zoll. Die vorliegende Vorplanung sei mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der katholischen Kirche abgestimmt.

Kräuter und Gemüse im Zentrum

Das Planungsbüro hat sich an den beiden weltweit bedeutendsten Quellen der mittelalterlichen Gartenkultur orientiert, die im Reichenauer Kloster um das Jahr 820 entstanden sind: dem St.Galler Klosterplan und dem Kräutergedicht Hortulus des Abts Walahfrid Strabo. Vier Arten von Gärten in drei Bereichen sind vorgesehen.

Niedrige Hecken deuten den Standort des früheren Kreuzganges an.
Niedrige Hecken deuten den Standort des früheren Kreuzganges an. | Bild: Zoch, Thomas

Zum einen geht es um den Kreuzgang nördlich des Münsters, den bisher eine Stahlskulptur und ein paar Hecken andeuten sollen. Ins Zentrum gerückt werden sollen der eigentliche Kräuter- und Gemüsegarten. Und der Bereich des früheren Mönchsfriedhofs östlich des gotischen Chors des Münsters soll ein Baumgarten werden. Der ganze Klostergarten soll sowohl informativ wie sinnlich erfahrbar sein. Bänke und Schatten spendende Bäume sollen zum Verweilen einladen.

Bürgermeister Zoll erklärt:. „Ich bleibe weiter dabei, mich um die Co-Finanzierung zu kümmern.“ Nach Möglichkeit solle ein Großteil der restlichen Kosten durch Mittel des Bundes oder von Sponsoren gedeckt werden. „Ich habe verschiedene Kontakte“, so Zoll. Um das Projekt finanziell abzusichern, hat der Gemeinderat 400 000 Euro in der mittelfristigen Finanzplanung in den Jahren 2021 bis 2023 vorgesehen.

Auf Wanderwegen ins Naturkino

Beim neuen Wanderwege-Konzept „Naturkino„ gehe es um verschiedene Aspekte, erklärt Sabine Schürnbrand. Die Nutzer – sowohl Einheimische wie Gäste – sollen die Schönheit und die Stille der Natur erfahren können und dafür sensibilisiert werden. Und auf jedem Weg gebe es fünf besondere Naturschauplätze wie zum Beispiel den Aussichtspunkt Hochfürst bei Hegne mit entsprechenden Informationen, daher „Naturkino„.

Zudem gebe es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, um einer größeren Zielgruppe gerecht zu werden. Und: „Es geht darum, alle Ortsteile einzubinden“, so Sabine Schürnbrand. Nebenbei sollen auch veraltete Beschilderungen von Wegen abgeräumt werden. Das Naturkino sieht drei Rundwanderwege mit einer Gesamtlänge von 45 Kilometern vor. Zwei davon seien teilbar, so dass es fünf Wanderrouten gebe, erklärt Sabine Schürnbrand.

Straßen sollen gemieden werden

Die erste Tour verlaufe in und um Hegne, wobei auch der Walderlebnispfad nördlich von Allensbach einbezogen sei. Dieser Rundwanderweg sei so teilbar, dass eine Route auch gut für Familien geeignet sei. Mit rund 25 Kilometern führe der längste Rundweg von Kaltbrunn über den Wildpark nach Freudental. Auch dieser könne in zwei Etappen geteilt werden. Und schließlich gebe es eine Tour in und um Langenrain.

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Generell orientierten sich die Gemeinde und das Planungsbüro Tourspur an Kriterien für gute Wanderwege. So würden zum Beispiel Straßen und schlecht begehbarer Untergrund gering gehalten. „Wir gehen hauptsächlich auf bestehenden Wegen“, so die Tourismus-Chefin. Weil aber auch ein paar neue Abschnitte dazu kommen sollen, sei man in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde, den Förstern und dem gräflichen Haus Bodman. Im Idealfall sei eine Umsetzung des Projekts bis Frühjahr 2021 geplant.