Die Mainaugärtner sind derzeit aktiv mit Baumpflanzungen beschäftigt. Wie ein Lauffeuer sprach sich der Arbeitseifer in Litzelstetten herum. Manch besorgter Bürger stattete sofort den beliebten Parkbänken, von denen sich ein wunderbarerer Blick auf die Insel Mainau und den See eröffnet, einen Besuch ab, um nach dem Rechten zu schauen. Die große Sorge der nicht mit Seezugängen gesegneten Litzelstetter: Bleibt die Seesicht trotz der Pflanzungen erhalten oder werden sie künftig lediglich den Bäumen beim Wachsen zusehen können?

Markus Zeiler, Gartendirektor der Insel Mainau GmbH, gibt Entwarnung. „Litzelstetten ist uns wichtig. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt er. Dabei kommt er auf den beliebten Litzelstetter Aussichtspunkt unterhalb der Seeblickhalle zu sprechen, der derzeit von den Bürgern mit Skepsis betrachtet wird. Unterhalb der beiden und rege genutzten Sitzbänke erstreckt sich die etwa einen Hektar große Fläche der Insel Mainau, auf der nun Apfelbäume gepflanzt werden: „Wir werden Abstand zu den Bänken halten und nicht bis oben hin pflanzen“, sagt Markus Zeiler. Ein großes Problem sieht er nicht, was die mögliche Einschränkung der Seesicht anbelangt, denn: „Das Gelände ist abfällig.“

Das Gelände hat Hanglage

Seit vier Jahren erweitere die Mainau ihren Obstbau sukzessive von der Insel auf die eigenen Grundstücke auf dem Festland, berichtet Markus Zeiler. Auf der Fläche unterhalb der Seeblickhalle – wie auch an anderen Stellen – sei längst schon begonnen worden und würde jetzt ergänzt. „Es wird ein reines Apfelgebiet“, so Zeiler, der nochmals betont: „Wir achten darauf, dass die Leute von den Bänken und dem Weg den Blick auf den See und die Mainau haben.“ Die Apfelbäume würden zwar später eine Höhe von zweieinhalb bis drei Metern erreichen, doch das erachtet Markus Zeiler aufgrund der Hanglage nicht als Problem.

Dabei ruft er in Erinnerung, dass zu Zeiten, als die Insel Mainau das Gelände verpachtet hatte, schon Mais angepflanzt wurde, der ebenfalls zweieinhalb Meter hoch wachse.

Mainau testet auch neue Obstsorten

Ein kleines Versuchslabor richtet die Insel Mainau auf Litzelstetter Gemarkung ein. „Als Biolandbetrieb sind wird seit den 1990er Jahren im Obstbaubereich um neue Sorten bemüht, die zum einen robust und zugleich geschmacklich gut und lagerfähig sind“, erläutert Markus Zeiler. Aus diesem Grund beteilige sich die Mainau immer an bundesweiten Projekten und teste neue Sorten. „Wir sind schon lange in Sortenversuche involviert“, so Zeiler, der anfügt: „An Züchtungen muss man immer dranbleiben, weil sich Krankheiten anpassen.“

In der Bodenseeregion würden gute Lebensmittel produziert, stellt Zeiler fest. „Tolle Lagen und vom Kleinklima her ideal“, wertet er und fügt an: „Es wäre schändlich, wenn wir das nicht nutzen würden.“ Die Insel Mainau hat nicht nur zum Ziel, neue Apfelsorten zu testen, um den Menschen schmackhaftes Obst und Säfte direkt aus der Region zu bieten. Sie will zudem einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Nicht nur die blühenden Apfelbäume seien eine Nahrungsquelle für Insekten. Markus Zeiler spricht bewusst von Insekten, und schränkt nicht auf Bienen ein. Insekten per se – ob Käfer oder kleine Fliegen – seien unter anderem eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Artenvielfalt soll ebenfalls befördert werden

Um die Artenvielfalt zu befördern, will die Mainau ihr Engagement für Natur und Umwelt nicht auf den Obstbau beschränken. Die Freiflächen zwischen den Bäumen werden für Blütenstreifen genutzt. „Es sind spezielle Wiesenblumenaussaaten, so dass quasi das ganze Jahr etwas blüht“, berichtet Markus Zeiler im Hinblick darauf, dass Bienen und allen weiteren Insekten nur mit einem kurzzeitigen Nahrungsangebot nicht geholfen ist.

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