Trotz Corona-Krise und strengen Hygienevorschriften haben Olivia Hörmann und ihre Tochter Anna Anfang September ihren Unverpacktladen „S‘Gläsle“ eröffnet. Irgendwann habe es in ihrem Kopf Klick gemacht, erzählt Olivia Hörmann, die einen sicheren Job als Ergotherapeutin für die Selbstständigkeit aufgegeben hat.

Unverpackte Produkte und die Vermeidung von Plastikmüll sind im Trend: In Friedrichshafen eröffneten Anna (links) und Olivia Hörmann ihren Unverpackt-Laden.
Unverpackte Produkte und die Vermeidung von Plastikmüll sind im Trend: In Friedrichshafen eröffneten Anna (links) und Olivia Hörmann ihren Unverpackt-Laden. | Bild: Claudia Wörner

Anna Hörmann ist gelernte Köchin und ergänzt das Sortiment des Ladens mit vegetarischem oder veganen Mittagstisch, den sie jeden Tag frisch zubereitet. Alle Zutaten stammen aus dem Laden, sodass die Kunden mit gutem Gewissen ihr „zero waste“ Mittagessen genießen können. Ursprünglich wollten die Hörmanns „S‘Gläsle“ bereits im April eröffnen. Aber immer wieder habe sich der Start verzögert. „Aber jetzt ist es soweit und es läuft langsam an“, berichtet Olivia Hörmann.

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Jede Zange und jedes Schäufelchen wird nach dem Gebrauch heiß gespült

In den Unverpacktladen bringen die Kunden ihre Behältnisse selbst mit, wiegen sie leer, notieren das Gewicht und füllen sie anschließend zum Beispiel mit Nudeln, Reis, Hülsenfrüchten oder Müsli. Zum Backen kann man sich alle Zutaten von Agar Agar über Nüsse bis zum Backpulver abwiegen. Alle Waren sind ebenso bio wie Obst, Gemüse, Brot und Kuchen. „An der Kasse ziehen wir dann ganz einfach das Gewicht des Behälters ab“, erklärt die Inhaberin. Neben den üblichen Abstands- und Hygieneregeln achten die Hörmanns darauf, dass jede Zange und jedes Schäufelchen nach Gebrauch ausgetauscht und heiß gespült wird. Gut kommen auch Wasch- und Reinigungsmittel zum Abfüllen an. „Wir haben zum Beispiel auch Spülmaschinentabs ohne Plastikverpackung.“

Seit zwei Jahren gibt es in der Ailinger Straße mit der „Green Box“ einen weiteren Bioladen mit Unverpackt-Abteilung. Nudeln, Müsli, Hülsenfrüchte und mehr können die Kunden in ihre mitgebrachten Behälter füllen und auf diese Weise einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten. Zur „Green Box“ gehört der Imbiss „v2o“ am Buchhornplatz mit veganer und vegetarischer Küche.

„Tante Emma's Bruder„ braucht mehr Platz

Dass die Idee des unverpackten Einkaufs zumindest bei einer nennenswerten Anzahl von Häflern zu zünden scheint, lässt sich bereits in der Friedrichstraße erahnen. Dort hat Bernd Köhler vor etwas mehr als einem Jahr den Lieferdienst „Tante Emma's Bruder„ um den ersten Unverpacktladen in Friedrichshafen ergänzt. Inzwischen plant er einen Umzug in neue Räume. „Tante Emma's Bruder„ braucht mehr Platz.

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Seit 30 Jahren etabliert ist der Biosupermarkt „Bio am See“ in Friedrichshafen. „Ich freue mich immer noch jeden Tag, dass ich meinen Kunden etwas Gutes anbieten kann“, sagt Inhaber Michael Ganster. Zu Beginn der Corona-Pandemie habe er eine erhöhte Nachfrage festgestellt, da viele Leute wieder vermehrt selbst gekocht hätten. Dies habe sich inzwischen wieder normalisiert.

„Nichts ist schwieriger, als seine Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu verändern.“
Michael Ganster, Bio am See

Mit „Denns Biosupermarkt„ hat in der Rheinstraße jüngst ein Vollsortimenter eröffnet. Im Vergleich zu Ravensburg und Überlingen sei die Zahl der Biosupermärkte in Friedrichshafen immer noch klein. Lange war „Bio am See“ der einzige. „Die Jüngeren wollen sich zwar eher nachhaltig ernähren beziehungsweise haben das Bewusstsein von ihren Eltern übernommen“, stellt Michael Ganster fest. Nichtsdestotrotz sei Friedrichshafen eine Arbeiterstadt, in der Bio nicht den höchsten Stellenwert habe. Längst habe er es aufgegeben, die Leute überzeugen zu wollen. „Bio ist eine Lebenseinstellung und nichts ist schwieriger, als seine Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu verändern“, so Gansters Erfahrung.

30 Jahre „Bio am See“ in Friedrichshafen: Für Michael Ganster ist Bio eine Lebenseinstellung.
30 Jahre „Bio am See“ in Friedrichshafen: Für Michael Ganster ist Bio eine Lebenseinstellung. | Bild: Corinna Raupach

Sehr wenig hält er vom Bio-Angebot in konventionellen Supermärkten. „Die Leute müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie auch durch den Kauf eines Bio-Produkts Massentierhaltung und Milchpreisdumping fördern.“ Reine Bioläden hätten hier einen ganz anderen Anspruch. Bekannt ist „Bio am See“ auch für sein Bistro, in dem auch mit Corona-Einschränkungen täglich 140 bis 150 Mittagessen über die Theke gehen.

Einige Bio-Bauern liefern ihre Ware hier sogar selbst ab

In Immenstaad hat Ende 2017 der Bioladen „Kauf by Naturata“ eröffnet. „Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und ich habe den Eindruck, dass sich das Bewusstsein der Kunden verändert“, sagt Filialleiter Reda Doublali. Er setzt stark auf regionale Bio- und Demeter-Produkte sowohl bei Obst- und Gemüse als auch bei Milchprodukten. Einige Bio-Bauern würden ihre Ware sogar selbst nach Immenstaad liefern. Doublali stellt fest, dass die Kunden bereit sind, für besseres Essen mehr Geld auszugeben und dafür lieber etwas weniger konsumieren. „Bio-Produkte sind nicht teuer, sie kosten das, was sie wert sind.“

Das Bewusstsein der Menschen für Nachhaltigkeit nimmt zu: Das ist der Eindruck von Reda Doublali, Filialleiter des Bioladens „Kauf by Naturata“ in Immenstaad.
Das Bewusstsein der Menschen für Nachhaltigkeit nimmt zu: Das ist der Eindruck von Reda Doublali, Filialleiter des Bioladens „Kauf by Naturata“ in Immenstaad. | Bild: Claudia Wörner

Das Konzept des „Kauf by Naturata“ ist eine Kombination aus Essen und Einkaufen. So bietet der Bio-Laden sowohl Frühstück als auch ein täglich frisch gekochtes Mittagessen von Naturata in Überlingen – auch am Sonntag. Bis auf Wasch- und Spülmittel führt „Kauf by Naturata“ aktuell eher wenig unverpackte Produkte. „Wir wollten das Angebot eigentlich ausbauen, aber wegen Corona und den damit verbundenen Hygieneauflagen haben wir das aktuell zurückgestellt“, erklärt Doublali.

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