Am 11. März wurde das Coronavirus aufgrund der weltweiten Ausbreitung zur Pandemie erklärt. Es folgte die Verordnung der Landesregierung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus mit immer neuen Verschärfungen. Diese Maßnahmen sollen das öffentliche Leben so einschränken, dass die Ausbreitung signifikant verlangsamt wird.

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Auch die Gastronomie bekam Auflagen: Zunächst hieß es, nur noch Speisegaststätten dürfen geöffnet haben, und das bis maximal 18 Uhr. Es folgten Vorgaben zum Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen. Nun müssen die Restaurants ganz geschlossen bleiben, lediglich Abhol- und Lieferservices sind erlaubt.

Zu Beginn der Krise appellierten Gastronomen mit Zetteln an die Vernunft der Gäste, Abstand zu halten. Mittlerweile dürfen sie Speisen nur noch liefern oder einen Abholservice anbieten.
Zu Beginn der Krise appellierten Gastronomen mit Zetteln an die Vernunft der Gäste, Abstand zu halten. Mittlerweile dürfen sie Speisen nur noch liefern oder einen Abholservice anbieten. | Bild: Lena Reiner

Bereits an den ersten Vorgaben scheiterten in Friedrichshafen kleinere Lokale wie das Bistro „v2o“ am Buchhornplatz. „Den Mindestabstand können wir im Außenbereich gut umsetzen. Im Innenbereich haben wir dann kaum noch Platz für Gäste“, schilderte Küchenchef Martin Kraus. Weil überhaupt die Gäste ausblieben und nur vereinzelt Gerichte bestellt wurden, entschied sich Betreiber Peter Rothe bereits am Donnerstag der vergangenen Woche dazu, das Lokal zunächst auf unbestimmte Zeit zu schließen: „Es ist niemand mehr in der Stadt, es ist leer.“

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Es sei jetzt wichtig, sich an die Vorgaben zu halten. „Das sollte selbstverständlich sein in einer Demokratie“, betonte er und fügte an: „Ich denke, wenn so etwas wieder auftritt, dann wird die Welt jede Menge gelernt haben.“ Im Bioladen Greenbox, den Rothe ebenfalls gemeinsam mit Sabine Bold betreibt, gibt es noch Mittagessen; aufgrund der neuesten Verordnung allerdings nur zum Mitnehmen.

Gastronomen greifen der Zwangsschließung vor

Auch andere Gastronomen griffen der Zwangsschließung vor. Das Café Karamell in der Paulinenstraße schloss bereits am Samstag, 14. März seine Türen: „Wir sind der festen Überzeugung und Hoffnung, dass dieser entschiedene Schritt zu einer Verbesserung der Situation führen kann. Wenn alle mitmachen, ist allen geholfen“, teilt die Betreiberin Claudia Zillich mit.

Hier wird vorerst kein Kaffee mehr serviert: Das Café Karamell hat bereits vor Inkrafttreten der offiziellen Verordnung am 13. März den Betrieb eingestellt.
Hier wird vorerst kein Kaffee mehr serviert: Das Café Karamell hat bereits vor Inkrafttreten der offiziellen Verordnung am 13. März den Betrieb eingestellt. | Bild: Lena Reiner

Hardy Huber, Wirt des Tettnanger Musikcafés Flieger, musste seine Musikbühne und Kneipe zwar schließen, da diese nicht als Speisegaststätte gilt, hätte sich aber auch ohne Verordnung dazu entschieden. Eine kleine Flasche Desinfektionsmittel direkt am Eingang zeugt noch von dem Versuch, im Kneipenalltag Regeln zur Minimierung des Infektionsrisikos durchzusetzen.

Wertvolles Gut: Das Desinfektionsmittel hatte der Wirt des Tettnanger Musikcafés „Flieger“ am Eingang angebunden, als die Kneipe noch geöffnet haben durfte.
Wertvolles Gut: Das Desinfektionsmittel hatte der Wirt des Tettnanger Musikcafés „Flieger“ am Eingang angebunden, als die Kneipe noch geöffnet haben durfte. | Bild: Lena Reiner

„Ich musste bei unserer letzten Veranstaltung, die extra ohne Band stattfand, feststellen, dass es leider schwer möglich ist, Abstandsregeln bei den Gästen durchzusetzen“, erklärte Huber. So habe er bereits mit seinem Team eine Schließung besprochen, bevor die Verordnung kam. „Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig schützen“, betonte er außerdem. Er selbst trug ein Tuch vor dem Mund.

Zum Schutz anderer trägt Hardy Huber vom Tettnanger „Flieger“ Mundschutz. Das Musikcafé ist derzeit geschlossen. Zu seinen Füßen liegen die vor wenigen Tagen gelieferten Banner für das eigentlich geplante Open-Air-Konzert im Juni.
Zum Schutz anderer trägt Hardy Huber vom Tettnanger „Flieger“ Mundschutz. Das Musikcafé ist derzeit geschlossen. Zu seinen Füßen liegen die vor wenigen Tagen gelieferten Banner für das eigentlich geplante Open-Air-Konzert im Juni. | Bild: Lena Reiner

Eine besonders risikofreie Lösung bietet derzeit die kontaktfreie Lieferung; bezahlt wird online, die Bestellung wird im Haus oder vor der Tür abgestellt. Es kommt dabei zu keinem Kontakt zwischen Kunden und Lieferanten. Vorreiter dieser Form der Lieferung war die Onlineplattform lieferando.de.

Während die einen ein neues Angebot aufbauen, machen die anderen ganz zu

Die Betreiber teilen zu den aktuellen Entwicklungen auf Anfrage mit: „Generell haben wir in den vergangenen Tagen einen wesentlichen Anstieg der Anfragen durch Restaurants feststellen können. Die Lieferung ist nun eine gute Alternative für Restaurants, die ihre Türen momentan für Gäste geschlossen halten müssen“, erklärte eine Pressesprecherin. Doch es gebe nicht nur positive Entwicklungen. „Gleichzeitig haben sich allerdings auch viele Restaurants auf der Plattform dazu entschlossen, ihre Türen komplett zu schließen.“

Gastronomen sprechen von Umsatzrückgängen

Eine telefonische Abfrage bei Restaurants, die bereits vor den aktuellen rechtlichen Einschränkungen einen Lieferservice angeboten haben, ergab ein ähnliches Bild: Viele sprachen von einem Umsatzrückgang, selbst bei der Anzahl der Essensbestellungen für Zuhause. In Friedrichshafen und dem Umland haben einige Restaurants daher komplett geschlossen.

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In Immenstaad schlossen etwa der „Seehof„ und das „Heinzler am See“ ab 23. März komplett ihre Pforten, ohne eine Abholalternative anzubieten. Die Schließung soll zunächst zwei Wochen andauern. „Sollte sich die jetzige Situation bis dahin entspannt haben, freuen wir uns sehr darauf, Sie und Euch wieder bei uns begrüßen zu können“, heißt es auf der Webseite.

Stammgäste zeigen Solidarität mit den Wirten

Einen kleinen Lichtblick gibt es dennoch: die Solidarität der Stammgäste. Alexandra Schrandt, Inhaberin der Raderacher „Krone“, freut sich über die Unterstützung derer, die bisher klassisch im Lokal gespeist haben: „Besonders unsere Stammgäste unterstützen uns sehr, wofür wir sehr dankbar sind.“ Mit einer „to go“-Karte bietet die „Krone“ derzeit Speisen zum Selbstabholen an. Einen Lieferservice im eigentlichen Sinne gebe es zwar nicht, jedoch zeigt sie sich da flexibel: „Innerhalb Raderachs bieten wir einen ‚Lieferservice‚ für diejenigen an, die das Haus nicht verlassen dürfen oder wollen. Vor allem ältere Leute möchten wir gerne schützen und unterstützen.“