Nach zwei Jahren Abstinenz ist er endlich wieder auf Tour, der berühmte Zirkus Knie. Von Mittwoch bis Sonntag gastiert er auf dem Friedengrundgelände. Damit ist er der erste Zirkus, der nach der Corona-Pandemie wieder in Villingen gastiert und gleichzeitig war er mit seinem Gastspiel im Jahr 2019 auch der letzte vor der Pandemie. In Villingen präsentiert er nach viel Kritik an Wildtiershows in den vergangenen Jahren vor allem eine Wassershow.

Zirkusdirektor Sascha Melnjak freut, dass es wieder losgeht.
Zirkusdirektor Sascha Melnjak freut, dass es wieder losgeht. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Das war keine einfache Zeit für den Zirkus und seine Artisten. „Es war uns von einem Tag auf den anderen quasi nicht mehr erlaubt, ein Zirkusprogramm für 1300 Zuschauer zu präsentieren. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir in diesem Jahr endlich wieder mit unserem neuen Programm auf Tour gehen können“, erklärt Zirkusdirektor Sascha Melnjak vor der Presse.

Schwierige Zeit für Künstler

Seine Artisten sind in dieser Zeit in ihre Heimatländer zurück zu ihren Familien gereist. Seine Tiere haben seit zwei Jahren eine dauerhafte Bleibe in seinem neuen Zirkuspark in Northeim gefunden. Dort kümmerte sich eine Stammmannschaft von 17 Mitarbeitern um alles. Er ist auch dankbar für die staatlichen Überbrückungshilfen, die wenigstens seine laufenden Kosten gedeckt haben, „sonst hätten wir längst aufgeben müssen“, erinnert sich Melnjak an diese düsteren Tage.

„Wir hätten ohne Coronahilfen aufgeben müssen.“
Sascha Melnjak, Zirkusdirektor

Dabei kam aufgeben für den Vollblut-Zirkusdirektor eigentlich nie wirklich infrage. Seit 15 Jahren leitet er den Zirkus und ist es gewohnt, mit schwierigen Herausforderungen professionell umzugehen. So nutzte er die Zwangspause selbst auch dazu, sich mit seinem Team ein neues Konzept zu überlegen und ab diesem Jahr seinem Publikum ganz neue Illusionen zu präsentieren.

Clown César Dias aus Portugal.
Clown César Dias aus Portugal. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Auch für die Artisten war es nicht einfach. Clown César Dias konnte zwar zum ersten Mal seit 18 Jahren gemeinsam mit seiner Familie in Portugal Weihnachten feiern, musste sich dort aber mit Aushilfsjobs in der Gastronomie über Wasser halten. Da waren verschiedene Auftritte im Fernsehen eine willkommene Abwechslung. Wenn er mit dem Zirkus auf Tournee ist, geht das normalerweise alles nicht.

Noch wird er aufgebaut, der Zirkus Charles Knie.
Noch wird er aufgebaut, der Zirkus Charles Knie. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Auch die Artistin Veronika Faltyny war mit ihrem Ehemann und den Kindern zu Hause in Tschechien. Dort arbeitet sie abends in einer Pizzeria und ihr Mann tagsüber als Postbote, mit dem Ergebnis, dass sie sich eigentlich kaum noch sahen. Auf Tournee mit dem Zirkus ist das ganz anders, sie leben und arbeiten zusammen. Das typische Leben mit und um den Zirkus hat eigentlich allen Artisten am meisten gefehlt. Ganz zu schweigen von den Zuschauern und deren anerkennendem Applaus.

Magier Jidinis aus Frankreich.
Magier Jidinis aus Frankreich. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Magier Jidinis nutzte die Zeit zurück in Frankreich, um endlich mal wieder alle seine Freunde ohne Zeitdruck zu besuchen und vor allem um seine neue Zauber-Show auf die Beine zu stellen. Auch seine weiteren Angebote auf Kreuzfahrtschiffen und in Las Vegas sind ja die vergangenen zwei Jahre alle auch ausgefallen.

Es sollte auch bis Januar diesen Jahres dauern, als endlich klar wurde, dass Zirkusveranstaltungen wieder möglich sein könnten. „So eine Tourneeplanung braucht einiges an Vorlauf und so mussten wir dieses Jahr unseren Saisonstart mit einer ganz neuen Show von März auf Juni verschieben“, erklärt der Zirkusdirektor.

Die Artisten können es kaum erwarten, auch das Villinger Publikum mit ihrer neuen Show begeistern zu können.
Die Artisten können es kaum erwarten, auch das Villinger Publikum mit ihrer neuen Show begeistern zu können. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Und die neue Show hat es in sich. Völlig neu und in der Branche bisher einmalig ist jetzt ein großes Wasserspektakel integriert. Unter der Manege liegen jetzt Wasserleitungen und 300 Pumpen sorgen dafür, dass 100.000 Liter Wasser in spektakulären Fontainen und Nebelwände zusammen mit den Artisten eine einmalige Illusion erschaffen. Das Wasser führt der Zirkus in großen Tankwagen mit. Auch für dessen Reinigung wird über aufwendige Filteranlagen Sorge getragen.

Nur mit Hunden und Papageien

Natürlich mussten die Artisten sich auch erst an das viele Wasser gewöhnen und ihre Kunststücke entsprechend anpassen und neu einstudieren. Da das aber mit den Tieren sehr schwierig bis unmöglich geworden wäre, durften die jetzt zu Hause im Northeimer Zirkuspark bleiben, nur eine kleine Tiernummer mit Hunden und Papageien ist noch mit dabei.

Und der Erfolg scheint Melnjak recht zu geben. „Unser Publikum ist dankbar, dass es endlich wieder Zirkus gibt und belohnt unsere Darbietungen bisher an jedem Aufführungsort mit Standing Ovations“, freut sich ein überglücklicher Zirkusdirektor und vor allem auch sein Team aus 90 Mitarbeitern und Artisten.

Schon beim Aufbau wird die Größe des Zirkuszelts deutlich.
Schon beim Aufbau wird die Größe des Zirkuszelts deutlich. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Auch wenn alles teuerer geworden ist, war es Zirkusdirektor Melnjak wichtig, die Eintrittspreise nur ganz geringfügig anzuheben. So sollen vor allem auch Familien die Möglichkeit haben, gemeinsam die Vorstellungen besuchen und genießen zu können, denn seine Artisten bieten Unterhaltung für alle Altersgruppen.

Programmstart ist mit dem Familiennachmittag zu reduzierten Eintrittspreisen am Mittwoch um 16 Uhr. Abends und bis Sonntagnachmittag werden dann täglich noch je zwei weitere Vorstellungen angeboten.