Herr Melnjak, wie viele Mitarbeiter sind in Ihrem Zirkus beschäftigt?

Während der Saison haben wir 96 Personen bei uns beschäftigt. Darunter natürlich auch die 36 Artisten. In der Nebensaison sind das dann aber immer noch 25 bis 30 Personen.

Für ihn ein absoluter Traumberuf: Zirkusdirektor Sascha Melnjak.
Für ihn ein absoluter Traumberuf: Zirkusdirektor Sascha Melnjak. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Gehen immer die selben Leute mit auf Tour?

Nein, das wechselt mit jeder Saison, nicht jeder kann und will immer so lange mit uns unterwegs sein. Wir sind ja nach der Winterpause in Einbeck von März bis November auf Tour. Dabei wechseln wir auch alle zwei Jahre das Programm und somit haben wir dann meistens auch immer neue Artisten mit dabei.

 

Wie wird man eigentlich Zirkusdirektor?

Ich war im Alter von sechs Jahren mit meiner Oma zum ersten mal in Bad Cannstatt in einem Zirkus und da war es um mich geschehen. Mein Berufswunsch stand fest, ich wollte einmal Zirkusdirektor werden. Ich habe zwar auf dringlichen Wunsch meiner Eltern zunächst noch Großhandelskaufmann gelernt, aber nach der Lehre immer in einem Zirkus im In- und Ausland gearbeitet. Als sich dann im Jahre 2007 die einmalige Gelegenheit bot, diesen Zirkus von Charles Knie zu kaufen, habe ich mir meinen Kindheitstraum erfüllt.

Sie haben einen Traumberuf und dürfen jeden Abend in der Manege stehen?

Ja, das ist wirklich ein Traumberuf für mich. Ich habe es auch noch keinen einzigen Tag bereut, aber 90 Prozent meiner Arbeit findet im Büro statt. Hier geht es jeden Tag um Organisation, Planung, Behörden-Kommunikation, Werbung, Buchhaltung, Transport-Logistik, Personalarbeit. Die Arbeit in und um die Manege machen unsere Mitarbeiter und Artisten.

In den letzten Jahren haben immer mehr Zirkus-Unternehmen aufgegeben. Kann man mit Zirkus überhaupt noch Geld verdienen?

Sicherlich liegt das große Zirkus-Sterben hinter uns, und auch das Konsumverhalten hat sich stark verändert. Wenn man aber exzellente Qualität auf höchstem Niveau bietet, kann man durchaus in dieser Branche bestehen.

Geboten werden klassische Artistik, Clowns und Motorrad-Akrobatik bis hin zu Raubtieren in der Manege.
Geboten werden klassische Artistik, Clowns und Motorrad-Akrobatik bis hin zu Raubtieren in der Manege. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Und wie macht man das, als Außsenseiter, der nicht selbst in einer Zirkus-Familie groß geworden ist?

Vielleicht ist das genau mein kleiner Vorteil. Ich habe viel von anderen lernen dürfen und betrachte unser Angebot immer durch die Brille des Zuschauers. Neben dem nötigen Herzblut muss man vor allem auch ein Gespür dafür haben, welche neuen Trends aufkommen und was heutzutage die Menschen begeistert, Jung und Alt, Zirkus-Liebhaber und auch solche, die eher noch nie in einem Zirkus waren. Und wenn dann das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, schafft man es auch, wieder eine jüngeres Publikum für den Zirkus zu begeistern, welches man hier eher nicht erwarten würde.

Wie stehen Sie zu den Forderungen von Tierschutzorganisationen, die ja auch vor Ihrem Zirkus gegen den Einsatz von Zirkus-Tieren demonstrieren?

Das kennen wir nun schon seit über zehn Jahren und akzeptieren deren Meinung und Demonstrationsrecht, so lange sie unsere Besucher nicht stören. Allerdings halte ich deren Argumente eher für eine rein ideologische Debatte, fernab der gelebten Realität in unserem Zirkus. Es gibt in unserem Land strenge Tierschutzgesetze und auf deren Einhaltung werden wir von den zuständigen Behörden an jedem unsere 47 Auftritts-Orte erneut überprüft. Unseren Tieren geht es sehr gut, wir wären ja dumm, wenn wir hier gegen die Gesetze verstoßen würden.

Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund.
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund.

Welches sind ihre größten Herausforderungen im Zirkus-Alltag?

Zum einen sind das die aufwendigen und vielschichtigen Kommunikationen und Abstimmungen mit den diversen Behörden. Jeder Ort ist anders, fast überall gibt es zum Teil ganz unterschiedliche Auflagen und Möglichkeiten – und alles verändert sich auch noch ständig. Zum anderen leiden auch wir unter Facharbeiter-Mangel. Wir suchen ständig Elektriker, Kraftfahrer und andere Facharbeiter. Der Arbeitsmarkt ist aber leer gefegt und obendrein will kaum jemand für mehrer Monate von Zuhause weg sein.

Ihr Zirkus gastiert ja alle zwei Jahre in Villingen, was gefällt Ihnen hier so gut?

Villingen ist einfach toll. Das Publikum liebt uns, unsere Artisten dürfen ihr Können vor vollen Rängen präsentieren und ernten hier immer viel Applaus. Die Unterstützung durch die Stadt ist sehr gut und das Gelände auf dem Friedengrund ist ideal für uns. Hier haben wir sehr viel Platz, stören niemanden und vor allem gibt es hier auch sehr viel Grünflächen, um unseren Tieren im Freigehege genügend Auslauf und Ruhe bieten zu können.

Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund.
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund. | Bild: Hans-Juergen Goetz
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund.
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund. | Bild: Hans-Juergen Goetz
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund.
Zirkus Charles Knie auf dem Villinger Friendengrund. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Also werden Sie wieder kommen?

Absolut. Wenn es klappt, sind wir in zwei Jahren wieder in Villingen, dann natürlich mit einer neuen Show, denn wer rastet, der rostet.