Sven Maier (21 Jahre) aus Schwenningen besucht die Albert-Schweitzer-Schule und findet Wählen wichtig und wünscht sich vom neuen Oberbürgermeister vor allem mehr Plätze, an denen Jugendliche sich aufhalten können. Diese sollten auch gut zu Fuß erreichbar sein. Er sagt, an den bisher existierenden Plätzen würde man immer weggeschickt werden oder sie wären zu weit weg, um gut hinzukommen. Er liest Zeitung und hat so bereits einiges vom Wahlkampf und den Kandidaten mitbekommen. Was die Kandidaten angeht, hat er noch keinen richtigen Favoriten. "Ich feier keinen davon", sagt er.

Sven Maier
Sven Maier | Bild: Lea Spormann

Ilona Abdullin (19) kommt aus Villingen, besucht die Albert-Schweitzer-Schule und beschäftigt sich eigentlich nicht wirklich mit der Wahl des Oberbürgermeisters. Dennoch ist ihr Wählen wichtig und sie wünscht sich, dass der neue Oberbürgermeister sich vor allem auch für Spenden im Ausland interessiert, "da Deutschland genug Geld hat, um andere zu unterstützen". Außerdem wünscht sie sich, dass eine bessere und gemütlichere Atmosphäre in den Schulen geschaffen wird, da man dort sehr viel Zeit verbringt. Sie stellt sich das durch bequemere Stühle und gemütlichere Sitzecken vor, um dort in den Pausen die Zeit zu verbringen.

Ilona Abdullin
Ilona Abdullin | Bild: Lea Spormann

Oleg Winter (22) wohnt in Schwenningen. Vor allem möchte er, "dass sich der Oberbürgermeister für Menschen in Not einsetzt". Oleg hat vor einigen Jahren selbst erfahren, wie hilfreich ein engagierter OB sein kann. Olegs Familie kommt aus Russland und als sie in Villingen-Schwenningen ankamen, mussten sie lange nach einer bezahlbaren Wohnung suchen. Erst als die Großmutter beim Oberbürgermeister um Hilfe bat, haben sie kurze Zeit später ein Angebot für eine Wohnung bekommen. Über die Kandidaten für die anstehende Wahl möchte Oleg sich noch informieren, damit er seinen Favoriten finden kann.

Oleg Winter
Oleg Winter | Bild: Lea Spormann

Patrick Fromm (18) kommt aus Schwenningen, besucht die Albert-Schweitzer-Schule und findet Wählen ebenfalls wichtig, aber beschäftigt sich nicht großartig mit der Oberbürgermeisterwahl. Ihm liegt dennoch am Herzen, dass der neue Oberbürgermeister sich um mehr kostenlose Parkplätze kümmert. Momentan müsse man fast überall dafür Geld bezahlen. Sein derzeitiger Favorit ist Cem Yaziki. "Ich finde, er denkt jugendlicher und kann somit die Meinung der Jugend besser verstehen." Für Patrick Fromm ist Yaziki auch deshalb der beste Kandidat, weil er denkt, dass er wirklich etwas in der Stadt Villingen-Schwenningen verändern kann.

Patrick Fromm
Patrick Fromm | Bild: Lea Spormann

Mario Kremelic (20) kommt aus Schwenningen und besucht ebenfalls die Albert-Schweitzer-Schule. Er findet Wählen schon wichtig, aber interessiert sich dennoch recht wenig für die Wahl des Oberbürgermeisters von Villingen-Schwenningen. Trotzdem hofft er, dass sich der neue Oberbürgermeister um die kaputten Straßen in Schwenningen kümmert. "Es wäre cool, wenn die Straßen in Schwenningen geschmeidiger werden." Außerdem möchte er, dass mehr Geld für die Schulen zur Verfügung gestellt wird, damit gute sanitäre Anlagen geschaffen und mehr Lehrer eingestellt werden können.

Mario Kremelic
Mario Kremelic | Bild: Lea Spormann

Ronja Röttele (17) ist aus Villingen und besucht das Gymnasium St. Ursula. Sie wünscht sich mehr öffentlichen Raum für 14- bis 18-Jährige. "Vor allem abends gibt es in VS davon zu wenig", sagt sie. Außerdem wünscht sie sich ein Integrationsangebot für Flüchtlinge, in das sich auch Schüler einbringen könnnen. "Ich würde mich zudem gerne besser über VS und die Arbeit der Verwaltung informieren. Am einfachsten wäre das über Instagram." Auf der Internetplattform seien die Schüler am besten zu erreichen, meint sie. Die Schülerin wird wählen gehen, weil sie sicherstellen möchte, dass ihre Ansichten in der Stadt gut vertreten werden.

Video: Fröhlich, Jens

Ida Schmidt (17) kommt aus Villingen und besucht ebenfalls das Gymnasium St. Ursula. Sie möchte mehr Angebote für Jugendliche. "Zum Beispiel Festivals und Konzerte, die auch Jugendliche unter 18 besuchen können", sagt sie. Veranstaltungen wie der Nightgroove seien für die Jugendlichen durch die Alterseinschränkung nur begrenzt nutzbar und deshalb nicht wirklich ansprechend. "Räumlichkeiten wie Jugendclubs wären eine Bereicherung für unsere Stadt", sagt die Schülerin. "Ich gehe außerdem wählen, weil ich es gut finde, dass Jugendliche ein Mitspracherecht haben." Immerhin müssen die auch in VS leben.

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Clara Maier (17) kommt aus Villingen und geht auf das Gymnasium St. Ursula zur Schule. Sie würde sich über ein breiteres Kulturangebot für Jugendliche in VS freuen. "Viele fahren nach St. Georgen zum Jugendorchester. Ein ähnliches Angebot bei uns wäre toll", sagt sie. Bei der Infrastruktur bemängelt die Schülerin vor allem die Fahrradwege in der Stadt. "Wenn es mal einen gibt, hat der Löcher oder ist zugewuchert." Für Schüler, die aufgrund ihres Alters viel mit dem Rad unterwegs sind, ist dies besondes ärgerlich. Sie wird wählen gehen, damit ihre Interessen und Wünsche umgesetzt werden.

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Und das sagen die OB-Kandidaten:

  • Jörg Röber möchte vor allem die Arbeit der Jugendhäuser in Villingen und Schwenningen stärken. "Diese Räume gibt es schon, können aber verbessert werden", sagt er. "Das Jugendkulturelle Zentrum ist dafür ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Röber. Das Zentrum entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Familienfreizeitparks und soll gegen Ende des Jahres fertiggestellt werden. Bei der Thematik Bürgernähe ist Röber überzeugt: "Wir dürfen nicht erwarten, dass die Jugendlichen zu uns kommen. Wir müssen zu ihnen", sagt der Kandidat. In die Fahrradwege müsste die Stadt zudem dringend investieren. "Die müssen besser und ohne Unterbrechung vernetzt sein", sagt Röber. Die Arbeiten könnten mit den Straßensanierungen verbunden werden.
  • Gaetano Cristilli betont, dass er als Fußballtrainer schon immer mit Jugendlichen zu tun hatte. Es seien allerdings nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Jugendlichen gefordert, um Angebote zu schaffen. "Das Jugendkulturelle Zentrum ist dabei ein guter Ansatz", sagt er. Auch bei den Vereinen könnten Jugendliche sich engagieren. "Das gibt einem immer etwas zurück." Den Jugendgemeinderat sehe er als ein wichtiges Beratergremium für die Stadtverwaltung. Als Oberbürgermeister wolle er Jugendtreffs regelmäßig besuchen. "Straßen und Wege sind außerdem ein generelles Thema, wo wir besser werden müssen. Da hat sich etwas angestaut."
  • Marina Kloiber-Jung will die Jugendlichen selbst verstärkt in das Stadtgeschehen einbinden. "Nur die wissen, was sie wirklich brauchen", sagt sie. Der Jugendgemeinderat sei dabei ein wichtiges Gremium für die Verwaltung. "Wir müssen uns aber auch mal trauen, neue Wege auszuprobieren." Kloiber-Jung würde sich verstärkt in Podiumsdiskussionen und Gremien einbringen wollen, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Instagram sei ein weiteres Mittel, mit dem mehr Bürgernähe geschaffen werden könnte. "Das politische Amt könnte so erlebbar gemacht werden", sagt sie. Das Problem mit den Fahrradwegen ist ihr bereits bekannt: "Die müssen lückenlos werden. Man muss mit dem Rad ohne Probleme von Villingen nach Schwenningen fahren können." Das Wegenetz müsse natürlich darüber hinaus ausgebaut und verbessert werden.
  • Jürgen Roth hat Verständnis dafür, dass nicht alle Jugendlichen sich in Jugendhäusern wohl fühlen. "Zudem ist es von den Ortschaften aus schwierig, komfortabel mit dem Bus in die Stadt und zurückzukommen", sagt er. Da gebe es Verbesserungsbedarf. "Ich könnte mir vorstellen, dass es bald eine App für VS gibt, mit der man bequem einen Rufbus ordern kann." Daneben müsse die Taktzeit der Busse zwischen Villingen und Schwenningen verbessert werden. "Die Tickets sind zudem sehr teuer, da brauchen wir neue Konzepte." Roth wolle sich zudem mit den Jugendlichen zusammense
  • tzen und selbst nachfragen, was diese in VS brauchen. "Ich könnte mir vorstellen, dass eine E-Sport-Veranstaltung gut ankommen würde. Etwa ein Fifa-Turnier." Für ihn sei es klar, dass mit altbewährten Konzepten die Jugend nicht erreicht werden könne, weshalb er für soziale Netzwerke wie Instagram offen ist. "Da brauchen wir aber Nachhilfe von den Jugendlichen." Bei den Radwegen ist der Kandidat ebenfalls der Meinung, dass Handlungsbedarf herrscht. "Eine ausreichende Beleuchtung wäre zudem wichtig. Gerade junge Mädchen sollten sich abends sicher fühlen, wenn sie mit dem Rad nachhause fahren."

Jugendliche lernen Demokratie

Die Lehrer spielen eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung und politischen Entwicklung der Schüler. Deshalb hat der SÜDKURIER den Lehrer Mark Wallaschek von der Albert-Schweitzer-Schule und Johannes Kaiser, der Schulleiter der St. Ursula-Schulen, befragt. Sie berichten, wie sie ihre Schüler für Kommunalpolitik begeistern und was sie von dem neuen Oberbürgermeister von VS erwarten.

„Neuwählern Orientierung geben“

Marc Wallaschek, der Geschichts- und Klassenlehrer des Ernährungswissenschaftlichen Gymnasiums Jahrgangsstufe zwei (EG2), möchte die Schüler zum Wählen animieren und sagt: „Die Schule spielt eine wichtige Rolle darin, den Neuwählern Orientierung zu geben und unsere demokratischen Werte zu vermitteln.“ Als Lehrer sei er dabei ein direkter Ansprechpartner für die Schüler. „Wenn man möchte, dass die Jugend langfristig am demokratischen Prozess teilnimmt, muss die Bedeutung unseres politischen Systems für die Schüler früh erfahrbar sein“, berichtet Marc Wallaschek. Er klärt seine Schüler etwa über die Geschichte des Wahlrechtes in Deutschland auf oder erklärt, wie ein Stimmzettel aussieht. Ansonsten will er seine Schüler aber nicht in ihrer Entscheidung beeinflussen. Mit Meinungen zu Parteien hält der Pädagoge sich bewusst bedeckt. Er möchte, dass die Schüler eigenständig ihren Favoriten unter den OB-Kandidaten finden. „Die Wahl des Oberbürgermeisters ist von besonderer Bedeutung, da dieser vor Ort für die Jugend direkt Politik machen kann“, sagt der Klassenlehrer.

„Bildungslandschaft mitdenken“

Für den Schulleiter Johannes Kaiser spielt die Wahl eine wichtige Rolle. „Ich wünsche mir für die öffentlichen Schulen, dass sie mindestens genauso viel Unterstützung erfahren, wie die Schulen des Landkreises“, sagt er. Für Privatschulen möchte er eine Behandlung auf Augenhöhe. „Es wäre schön, wenn man uns in der Bildungslandschaft mitdenkt, etwa bei der Digitalisierung.“ Ein Breitbandanschluss für die Schule wäre ihm wichtig. „Wir erweitern das Bildungsangebot der Region, das ist ein wichtiger Standortfaktor für VS“, sagt Kaiser. Für die Jugendlichen wünscht er sich Unterstützung „für diejenigen, die ihnen Heimat bieten für kreative Räume und Begegnungsmöglichkeiten“. Kaiser betont, wie wichtig es für ihn ist, zur Wahl zu gehen. „Mein Wahlrecht nehme ich in Anspruch, denn wirkliche Demokratie ist weltweit leider nicht überall Realität“, sagt er.