Benjamin Bossert, der stellvertretende Geschäftsführer des Gasthaus Ott in der Färberstraße, hat schon viele Ratten die engen Gassen hinter dem Gasthaus entlangflitzen sehen. Meist nicht weit vom Müll entfernt und vor allem in den Sommermonaten. „Am extremsten“, sagt er, „war es immer, wenn die Gelbe-Sack-Leerung war.“ Mitunter wurden die Säcke von den Tieren so zerfetzt, dass die Müllabfuhr sie gar nicht mehr mitgenommen hat.

Der Gelbe Sack. Für Bossert der Hauptgrund für die Ratten in der Innenstadt. Und der Grund, etwas zu ändern. Die Gelben Säcke hat er rausgeschmissen, stattdessen vier Tonnen á vier Kubikliter gemietet – zehn Euro zahlt er dafür pro Tonne im Monat. Ein fairer Preis, findet er, dafür dass er nun nur noch ab und an eine Ratte durch die Straße rennen sieht. „Uns war es wichtig“, sagt er, „dass es da hinten sauber ist“.

Und die Färberstraße ist nicht die einzige Straße mit dem Problem. Auch in der Rosengasse, der Brunnenstraße und der Zinsergasse werden die Nager des Öfteren gesehen. Bossert ist davon überzeugt, würden alle statt der Gelben Säcke Tonnen nutzen, wäre das Problem sofort gelöst. Ein Fortschritt wäre bereits, wenn die Abholung nicht nur alle vier Wochen, sondern zweiwöchentlich erfolgen würde. Bossert ist diesbezüglich gerade im Kontakt mit dem Landratsamt.

Der Stadt VS ist das Problem, wenn man es denn so nennen will, bekannt. „Es gibt ein Rattenvorkommen“, sagt Madlen Falke. Die Situation sei aber nicht „außergewöhnlich“. Und von einer Plage könne man schon gar nicht sprechen. Ratten finde man nun einmal überwiegend in der Innenstadt, an Gewässern, Imbissbuden, Restaurants oder Metzgereien, so Falke. Angezogen vom Geruch der Nahrungsmittel. „Deshalb führen wir in diesem Bereich regelmäßig Rattenbekämpfungsmaßnahmen mittels der Auslegung von Giftködern in der Kanalisation durch“, sagt Falke.

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Sabine Wehrle ist bei der Hausverwaltung Strittmatter unter anderem für die Häuser in der Turmgasse zuständig. Dort haben sie vor kurzem zum ersten Mal einen Schädlingsbekämpfer eingesetzt. „Wir hatten Ratten und Marder in den Tiefgaragen“, sagt Wehrle. Im entsprechenden Bericht, den sie vor sich hat, steht, dass dort unter anderem wohl Gelbe Säcke auf den Stellplätzen gelagert wurden. Eine Ursache für die Ratten. „Man soll ja auch nicht mehr alles auswaschen, was man in die Säcke packt, bei der Hitze ist die Geruchsentwicklung dann noch intensiver.“

Sie haben nun auch ein Regelblatt an die Bewohner verteilt, darin steht unter anderem, dass der Müll und die Gelben Säcke eben nicht offen in der Garage gelagert werden dürfen. Die Turmgasse ist aber nicht allein betroffen. „Letztens hatten wir eine Meldung aus der Josefsgasse“, sagt Wehrle. Und Kollegen haben im Welvert und in der Wöschhalde das gleiche Problem. „Es tritt immer da auf, wo Müllcontainer sind und es nach Essen riecht.“ Und dann gibt es derzeit noch eine ganze andere Ursache. Die Baustelle in der Rietstraße. Durch die Kanalarbeiten dort, sei vonseiten der Stadt zu hören, werden die Ratten vertrieben und suchen sich nun andere Plätze in der Innenstadt.

Und was sagen die Profis? Per se, so das Abfallwirtschaftsamt, ist der Gelbe Sack nicht allein Schuld an der Rattenpopulation. „Wir gehen in Städten grundsätzlich davon aus, dass die unsachgemäße Lagerung von Abfällen die Rattenpopulation fördert.“ Das betreffe jedoch nicht nur den Gelben Sack, sondern insbesondere auch Küchen- und Bioabfälle, die nicht sachgerecht zur Abholung bereitgestellt oder kompostiert werden oder offene, öffentliche Müllbehälter.

Bei der Tonne seien die Abfälle durch den Deckel vor Nagetieren geschützt – aber wenn der Gelbe Sack in einem geschlossenen, für Nager unzugänglichen Raum gelagert werde, käme es auch hier nicht zu Problemen mit Ratten. Allerdings räumt auch das Abfallwirtschaftsamt ein: „Auch bei der ordnungsgemäßen Bereitstellung der Säcke zur Abfuhr kann es im Einzelfall dennoch Probleme durch aufgerissene Säcke geben.“