Villingen-Schwenningen (est) Rolf Schützinger, Sohn des langjährigen Parteifunktionärs und Stadtrats von NPD und Deutscher Liga für Volk und Heimat (DLVH), hat zum 1. Januar die Rechtsberatung bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Bezirk Villingen-Schwenningen-Bodensee übernommen. Die Mitteilung ließ bei Gewerkschaftsmitgliedern die Alarmglocken schrillen. Denn mit dem Namen Schützinger aus Schwenningen verbinden viele die Verbreitung von rechtsradikalem Gedankengut.

Die Gewerkschaft indes stellt sich demonstrativ vor ihren "Neuen". Andreas Henke, Pressesprecher von Verdi in Stuttgart bestätigte auf Anfrage: "Ja, Rolf Schützinger arbeitet seit dem 1. Januar als Jurist in der Beratung für unsere Mitglieder im Verdi-Bezirk Schwarzwald-Bodensee." Zugleich warnte Henke vor unfairen Verurteilungen: „Bei Verdi gibt es keine Sippenhaft. Rolf Schützinger habe bei seiner Bewerbung fachlich überzeugt, sich politisch klar von seinem Elternhaus distanziert "und sich – wie alle, die bei uns arbeiten – zu unseren gewerkschaftlichen Werten bekannt". Dazu zähle an erster Stelle "ein Bekenntnis zu Demokratie und sozialem Rechtsstaat". Henke fügte hinzu: "Übrigens, auch der scheidende SPD-Vorsitzende Gabriel litt unter einem Nazi-Vater. Seine politische Karriere bei der SPD hat dies völlig zurecht nie in Frage gestellt."

Der Vater Jürgen Schützinger (63), der insgesamt vier Kinder hat, wurde aufgrund seiner Aktivitäten für die NPD 1982 aus dem Staatsdienst entlassen, war zeitweise Landesvorsitzender und Bundesgeschäftsführer der NPD, später Mitbegründer und Bundessprecher der DLVH. Er ist seit 1980 Stadtrat in VS und seit 1984 auch Kreisrat. Seine Mutter saß eine Amtszeit mit Jürgen Schützinger im Gemeinderat VS.