Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet: So erging es der Verkehrsgemeinschaft Villingen-Schwenningen (VGVS). Die versprach der Stadt letzes Jahr eine erhebliche Verbesserung des Buslinienverkehrs in der Doppelstadt – verbunden mit einer Ersparnis von 1,8 Millionen Euro für die Stadt. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Notvergabe

Der Verbund der Busunternehmen musste sein Angebot kurzfristig zurückziehen. Die Stadt sieht sich nun zu einer Art Notvergabe genötigt, damit die Busse ab Januar weiter rollen können. Die gute Nachricht für die Busfahrgäste in VS lautet: Es soll eine ganze Reihe von Verbesserungen geben. Die schlechte Nachricht für die Stadt: Sie muss diese Verbesserungen mit einem jährlichen Zuschuss von schätzungsweise 2,5 bis drei Millionen Euro finanzieren.

Die Verbesserungen

Die „Dringlichkeitsausschreibung“, die die Stadt nun für die Vergabe der Nahverkehrsleistungen herausgibt, sieht für die Nutzer der städtischen Buslinien folgende Verbesserungen vor: Die Busse sollen 50 Prozent mehr Verkehrsleistung fahren, es gibt einen 30 Minutentakt auf allen Linien bis 22 oder 23 Uhr, die Fahrpläne werden in den Ferienzeiten nicht ausgedünnt, die Linien werden alle regulär und nicht mit Rufbussen befahren, die Zahl der Haltestellen wird um 40 auf 260 erhöht. Die Buslinie zum Jugendkulturzentrum am Klosterhof und ins Industriegebiet Herdenen wird attraktiver, eingeplant sind neue Anbindungen an die Polizeihochschule Schwenningen für die in Villingen wohnenden Studenten. Eingeplant ist auch die Anbindung an neue Zughaltestellen durch die Ringzug-Erweiterung und an die 2020 anlaufende Breisgau-S-Bahn (Villingen – Freiburg – Breisach). In Zusammenarbeit mit dem städtischen Nahverkehrsplaner Ulrich Grosse wurden auf vielen Linien Optimierungen im Detail erarbeitet.

Euphorie verflogen

Die Stadt hat inzwischen sieben Unternehmen und Verkehrsverbünde mit dieser Leistungsvergabe angeschrieben, berichtete Bauamtsleiter Ulf Millauer im Gemeinderat. Neben der Verkehrsgemeinschaft VS habe auch die Südbaden-Bus GmbH Interesse gezeigt. Die Ausschreibung erfolgt ab Januar auf zwölf Monate. Mit der neuen Ausschreibung ist aber die Euphorie der Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung und den Gemeinderäten verflogen. Im Juni 2018 hat die Verkehrsgemeinschaft VS der Stadt ein Angebot vorgelegt, das nicht nur deutliche Verbesserungen im Buslinienverkehr vorsah, sondern als besonderer Hit die Ansage: Die Stadt muss den örtlichen ÖPNV nicht mehr länger bezuschussen. Damals lag der Jahreszuschuss bei 1,8 Millionen Euro. Das wäre eine dauerhafte Einsparung gewesen, wie sie der Gemeinderat bei allen seinen Sparbemühungen der letzten Jahre nie aus eigener Kraft hingebracht hat.

Zu schön um wahr zu sein

Allerdings war der Traum zu schön um wahr zu sein. Nahverkehrsplaner Ulrich Grosse erläuterte den Stadträten, warum das nicht geklappt hat: Die vom Verkehrsverbund errechneten Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf seien zu optimistisch gewesen, dann habe sich auch noch die Zuschussgrundlage des Landes verändert. Deshalb sei man jetzt in die Neuausschreibung gegangen. Es bleibt abzuwarten, zu welchen Konditionen die Stadt ihr verbessertes Buslinienangebot bekommen wird. Insider rechnen mit 2,5 bis drei Millionen Euro.

Teure Haltestellen

Nicht billig wird für die Stadt auch die Schaffung von 40 neuen Haltestellen. Bauamtsleiter Ulf Millauer erklärte, dass die Stadt nicht in der Lage sei, diese 40 Haltestellen alle behindertengerecht und barrierefrei zu gestalten. Dies sollte laut Gesetz eigentlich bis Anfang 2022 der Fall sein. Die Stadt versuche, die Defizite durch Busse, die sich absenken und seitlich neigen können, aufzufangen, sodass Behinderte überall barrierefrei einsteigen könnten. Wie der SÜDKURIER kürzlich berichtete, schafft die Stadt derzeit nicht mehr als jährlich drei Bushaltestellen, die barrierefrei ausgebaut werden.

Thema Fahrpreise

Noch keinen Fortschritt gibt es, die Fahrpreise für die Tickets attraktiver zu gestalten. Darauf drängte Stadtrat Klaus Martin. Er hatte unlängst öffentlich die Sympathie der CDU-Fraktion für das Radolfzeller Modell erklärt: Ein Euro für eine Busfahrt. Die derzeitigen Tarifzonen seien für Busfahrer in keiner Weise attraktiv. Ulf Millauer erklärte, der Landkreis sei dabei, gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen Tuttlingen und Rottweil und den Busunternehmen eine neue Tarifstruktur zur erarbeiten. Wenn die Ergebnisse vorliegen, soll die Diskussion auf örtlicher Ebene fortgesetzt werden.