Wenn alles so klappt, wie es jetzt geplant ist, dann könnte dem öffentlichen Busverkehr in Villingen-Schwenningen ab 2020 nicht weniger als eine kleine Revolution bevorstehen. Eine Revolution, die Felix Berschin von der Nahverkehrsberatung Südwest am Dienstagabend im Technischen Ausschuss nüchtern und sachlich in einer etwa 15-minütige Präsentation erstmals öffentlich vorstellte.

Berschin hatte den Auftrag, das Konzept der Verkehrsgemeinschaft Villingen-Schwenningen (VGVS) zu prüfen. Die hatten ein entsprechendes Angebot für den Betrieb des Personennahverkehrs in der Doppelstadt ab 2020 abgegeben, nachdem ihr aktueller Vertrag mit der Stadt Ende 2019 ausläuft. Das neue Konzept kennt vor allem drei Gewinner.

  • Wer davon profitiert: Erstens, die Fahrgäste: Die Linienführung soll direkter und die Taktung erhöht werden. "Es wird ein völlig neues Netz entstehen", so Bürgermeister Detlev Bührer.
  • Zweitens, die Eltern und Schüler: Im Schulbusverkehr soll es keine Taktlücken mehr geben, mindestens sollen die Busse in einem halbstündigen Takt fahren, viele auch 15-minütig. Die Gewerbeschule soll eine eigene Haltestelle bekommen. "Das Mama-Taxi wird künftig nicht mehr erforderlich sein", so Felix Berschin von der Nahverkehrsberatung Südwest, der das neue Angebot in den vergangenen Wochen eingehend überprüft hatte. Insgesamt soll die Leistung um 25 Prozent erhöht werden.
  • Drittens, die Stadt selbst: Mit 1,8 Millionen Euro im Jahr hat die Stadt bislang den Personennahverkehr unterstützt. Da die VGVS den Busverkehr künftig eigenwirtschaftlich betreiben will, wird der Zuschuss der Stadt entfallen. "Das ist die beste Haushaltskonsolidierung, die VS je hatte", so Bührer.
  • Wie die Praxis aussieht: Die Verkehrsgemeinschaft Villingen-Schwenningen ist ein Zusammenschluss der drei lokalen Busunternehmen Schürmann und Wiest aus Schwenningen und der Linienverkehr Maier OHG aus Villingen. Die Gemeinschaft beschäftigt 70 Busfahrer und hat 42 Busse im Einsatz. Seit 2000 betreibt sie den Nahverkehr in der Doppelstadt.
  • Dass die VGVS nun eigenwirtschaftlich arbeiten will, bedeutet, dass sie künftig ihre Erlöse hauptsächlich aus den Fahrkartenverkäufen generieren muss. "Wir glauben, dass das funktioniert", sagt Frank Wiest,geschäftsführender Gesellschafter des Busunternehmens Wiest und Schürmann. Zum einen, weil sie künftig einen größeren Anteil aus den Erlösen des Verkehrsverbund Schwarzwald bekommen werden – aktuell werden die Einnahmen noch verteilt, wie vor 18 Jahren. Und zum anderen, weil sie neue Kunden gewinnen wollen, durch ein attraktiveres Konzept. Derzeit liegt der Durchschnitt in VS bei 17 Fahrten pro Einwohner.
  • Es ist kein Konzept, das auf Einsparungen setzt. Auch wenn der Zuschuss wegfällt. Am Entgelt für die Busfahrer wird sich nichts ändern, die werden weiter nach Tarif entlohnt werden, sagte Bührer. Ob sich am Ticket-Preise etwas ändert, das kann Wiest nicht sagen. "Dafür sind wir nicht zuständig. Das macht der Verkehrsverbund Schwarzwald." Wenn Kosten gespart werden können, dann aus Effizienz-Gründen. Durch die neue Streckenführung könnten beispielsweise die Umlaufzeiten optimal ausgenutzt werden.
  • Die Diskussion im Technischen Ausschuss: 1,8 Millionen Euro auf die man plötzlich verzichten kann. So mancher Gemeinderat hatte da am Dienstagabend zumindest einmal kurz die Stirn gerunzelt. Renate Breuning (CDU) sagte: "Da fragt man sich schon, wieso es bisher nicht günstiger ging?" Auf Nachfrage des SÜDKURIER sagt Wiest dazu: "Das Geld ging an das gesamte Konglomerat. Wo es im Einzelnen hinging, ist schwer zu sagen." Edgar Schurr (SPD) fügte noch an: "Das ist eine gute Geschichte. Wenn sie das schaffen, bauen sie vielleicht auch mal die Seilbahn." Die Ersparnis von 1,8 Millionen Euro, das regte Ernst Reißer schließlich an, könnte man ja jetzt in die Überdachung der Bushaltestellen investieren. Endgültig über das Angebot entscheiden wird der Gemeinderat in zwei Wochen.