Noch heute erzählt man sich "auf dem Wald" die Anekdoten vom "Heidewiibli" mit seinem ungewöhnlichen Lebenswandel, seiner Schlagfertigkeit und seinem trockenen Humor. Ihr wirklicher Name war Magdalena Schmidt, sie wurde am 22. Juli 1799 in Rickenbach geboren. Lange bevor man im Hotzenwald von Emanzipation hörte, ging sie in Männerhosen und Rohrstiefeln, mit Angelrute und Netz, Fischlogel (einem Transportbehälter für Fische) und einer immerzu qualmenden Tabakspfeife im "Heidewuhr", einem uralten künstlichen Wasserlauf zwischen Rickenbach und dem heutigen Bad Säckingen, widerrechtlich dem Fischfang nach. Ihre fangfrischen, wohlschmeckenden Forellen waren bei den Wirten im Umland geschätzt.

Das Fischen im "Heidewuhr" brachte ihr den Spitznamen "Heidewiibli" ein, doch auch unzählige Strafzettel, mit denen sie ihre alte Fischerhütte, eine Bretterbude, tapezierte, wie der Dichter Joseph Victor von Scheffel berichtete. Während seiner Zeit als Rechtspraktikant musste er sie wegen dieser Delikte öfters aufsuchen. "Stadtfräcke" und "Amtslüt" konnte sie wegen der vielen Strafmandate nicht leiden. Dafür nahm sie es mit jedem trinkfesten Mann auf und blieb keinem eine Antwort schuldig.

Einem Stumpen rauchenden Notar, der sie einmal in einem Säckinger Wirtshaus wegen ihrer "Dubakspfiife" hänselte, gab sie zur Antwort: "D Herre un d Lumpe rauckche Stumpe, i raukch mi Pfiife!" (Die Herren und die Lumpen rauchen Zigarren, ich rauche meine Pfeife!) Am liebsten trieb sie sich in Wirtsstuben herum, wo sie wegen ihres Unterhaltungswertes wohlgelitten war und wo man ihr loses Mundwerk gerne zum Übersprudeln brachte, indem man ihr mehr Schnaps einschenkte, als sie vertragen konnte.

Auch an Hochzeiten und Taufen war das "Heidewiibli" gerne gesehen, denn sie war auch für ihre zünftigen Festreden und das Vortragen ellenlanger Gedichte berühmt und lebte nach dem Motto "Immerluschdigunfidel!" Doch lustig und fidel war ihr Leben nie gewesen: Ihr Mann Joseph Häsle hatte als Trinker den gemeinsamen Hof in den Bankrott getrieben und war nach kurzer Ehe verstorben. Bald darauf starb in jungen Jahren auch die Tochter. Der Sohn war in die Fremde gezogen. Ganz auf sich alleine gestellt, hatte sie im "Turbemoos" zwischen Egg und Willaringen eine Ziegel- und Kalkbrennerei eingerichtet. Nach deren Zusammenbruch hatte sie das Gelände dem Willaringer Dreikönigswirt für zwei Seiten Speck überlassen und mit dem Fischfang im Heidewuhr begonnen.

Mit dem Rauchen von starken Zigarren hatte sie zunächst nur ihr Zahnweh lindern wollen, das sie sich beim Fischen und beim langen Stehen im kalten Wasser zugezogen hatte. Doch mit der Zeit wurde ihr das Rauchen der Pfeife "ein lieblicher Genuss". Und als im Juni 1862 der Großherzog von Baden den Hotzenwald zum ersten Mal besuchte, war bei dem Festzug auch das "Heidewiibli" anzutreffen – in Hotzentracht und mit Angelrute, dem Fischlogel und mit der Pfeife im Mund, von der sie dicke Rauchschwaden blies. Als der Amtmann sie anfuhr, sie solle ja ihre Pfeife vor dem Großherzog verstecken, gab sie ihm eine unflätige Antwort. Doch als der Großherzog im Festzug dann daherkam, ging sie geradewegs auf ihn zu und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. "Gell, Landesvadder, ich darf rauchen!", sagte sie. Der Großherzog schickte ihr bald darauf eine besonders schöne Tabakspfeife mit Porzellankopf. Sie hielt sie bis zu ihrem Tod am 22. Juli 1880 in Ehren.

Das Magazin

Women's History 3 ist da. Das erste deutschsprachige Magazin über Frauen in der Geschichte erscheint im Bast Medien Verlag – und hat auch einen eigenen Lokalteil für die Region Schwarzwald, der in Kooperation mit dem SÜDKURIER erscheint. Exklusiv für die Leser des SÜDKURIER hat das Women's History-Team außerdem nebenstehende Geschichte ausgegraben. Weitere erwarten die Leser im aktuellen Magazin. "Women's History" ist samt dem lokalen Beileger erhältlich bei der Geschäftsstelle des SÜDKURIER, versandkostenfrei bestellbar beim Verlag Bast Medien unter www.womens-history.de oder www.bast-medien.de/shop sowie im Buch- und Bahnhofsbuchhandel.