Zu einem Finanzhorror mit deutlichem Ärger über das Gebaren der Deutschen Bundesbahn hat sich die Elektrifizierung der Höllentalbahn für die Schwarzwald-Baar-Kreisräte entwickelt. Mit dem 17. Sachstandsbericht im Fachausschuss für Verwaltung und Wirtschaft informierte Uwe Schade, der Geschäftsführer des Zweckverbandes Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF), über eine weitere Kostensteigerung.

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Ziel des Bauprojektes ist die Elektrifizierung der Bahnstrecke vom Kaiserstuhl nach Freiburg und weiter über Neustadt und Donaueschingen nach Villingen. Das Oberzentrum wird ab dem kommenden Fahrplanwechsel im Dezember somit umsteigefrei und deutlich besser an Freiburg angeschlossen. Bereits 2011 hat der Schwarzwald-Baar-Kreis mit dem ZRF einen öffentlich-rechtlichen Vertrag über die Planung und Co-Finanzierung der Elektrifizierung und Infrastrukturertüchtigung der Schienenstrecke Neustadt –Donaueschingen abgeschlossen.

Die Bauarbeiten werden pünktlich abgeschlossen

Trotz einiger Herausforderungen, vor allem bei den Tunnelarbeiten, werden die Baumaßnahmen pünktlich abgeschlossen sein. Die neuen elektrischen Triebwagen, die künftig auf der Höllentalstrecke fahren, wurden bereits geliefert und werden zur Schulung der Triebwagenführer genutzt, unter anderem im Villinger Bahnhof. Ab dem 15. Dezember soll die dann durchgängig elektrifizierte Ost-West-Verbindung wie geplant in Betrieb gehen.

Beim Spatenstich in Döggingen posieren Uwe Lahl, Landrat Sven Hinterseh, der FDP-MdB Marcel Klinge, Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger, Dorothea Störr-Ritter, Sven Hantel und Micha Bächle für die Kameras.
Beim Spatenstich in Döggingen posieren Uwe Lahl, Landrat Sven Hinterseh, der FDP-MdB Marcel Klinge, Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger, Dorothea Störr-Ritter, Sven Hantel und Micha Bächle für die Kameras. | Bild: Manfred Beathalter

Die Elektrifizierung wird acht Millionen Euro teurer

Deutlich aus dem Planungsrahmen geraten sind die Gesamtbaukosten. Sie stiegen seit dem Sachstandsbericht von März 2017 von 30,04 auf aktuell 38,12 Mio Euro. Für den Streckenabschnitt im Schwarzwald-Baar-Kreis erhöht sich der Kostenanteil für diesen Zeitraum um rund vier Millionen Euro auf 18,51 Mio Euro. Deutlich formulierten Ärger hat im Fachausschuss ausgelöst, dass damit auch die ursprünglichen Planungskosten entsprechend den jüngsten Submissionsergebnissen angehoben wurden.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember soll die umsteigefreie Verbindung nach Freiburg verwirklicht werden. Die Kosten für die Elektrifizierung der Bahnstecke sind jedoch aus dem Ruder gelaufen.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember soll die umsteigefreie Verbindung nach Freiburg verwirklicht werden. Die Kosten für die Elektrifizierung der Bahnstecke sind jedoch aus dem Ruder gelaufen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Die Bahn vergisst die Kosten aufzunehmen

Schades Erläuterung, dass bei der DB vergessen wurde, bestimmte Kosten aufzunehmen, konnte den Unmut der Kreisräte kaum beschwichtigen. Zumal der Geschäftsführer auch keine Garantie dafür abgeben konnte, dass es bei dem aktuellen Kostenstand für den Schwarzwald-Baar-Kreis von 18,51 Mio Euro bleiben werde.

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Für Kreisrat Jörg Frey (FW) ist die Kostensteigerung für den Landkreis „grotesk“. Gar kein Verständnis hat der Schonacher Bürgermeister dafür, dass trotz der eingeräumten Fehler dann auch noch die Planungskosten erhöht wurden. „Ich sehe eine stümperhafte Planung und erbärmliche Umsetzung. Es ist schade, das als Kreis schlucken zu müssen“, erklärte Frey und forderte einen Rabatt für die Versäumnisse ein.

Ein Abschnitt der Höllentalbahn zwischen Donaueschingen und Freiburg. Ab Dezember kann umsteigefrei von VS ins Breisgau gefahren werden.
Ein Abschnitt der Höllentalbahn zwischen Donaueschingen und Freiburg. Ab Dezember kann umsteigefrei von VS ins Breisgau gefahren werden. | Bild: Stephanie Jakober

Schadensersatz? Fritz Link will Regress prüfen

Ebenso harsch fiel die Kritik von Bürgermeister Fritz Link aus Königsfeld aus. Er sieht „Unwahrheiten“ bei der DB und möchte mögliche Schadenersatzforderungen prüfen. Die Grünen möchten bei der Bahn Kulanz einfordern und Adolf Baumann von der FDP sieht das Projekt zwar auf der Zielgeraden, man wisse aber nicht, was noch komme. Oliver Freischlader (SPD) unterstellte, dass die Bahn jetzt über erhöhte Planungskosten ihre eigenen Mehrkosten zu finanzieren versuche. Aber trotz allem: „Das Projekt ist es wert“. Ebenso dringend notwendig sei aber die Elektrifizierung bis Rottweil und die Weiterführung des Ringzuges.

Der Landkreis muss die Mehrkosten tragen

Landrat Sven Hinterseh hatte keinen Widerspruch zu den Aussagen der Kreisräte, machte aber deutlich, dass man sich als Landkreis an die Verträge halte und dort sei die Automatisierung der Baukosten verankert. Der Landkreis ist also zum Tragen der Mehrkosten verpflichtet. „Hätten wir das Projekt im Jahr 2011 nicht angeschoben, wäre die Strecke nicht elektrifiziert worden.“ Vorerst gelte es, die Baustelle abzuschließen. Die Finanzierung der Mehrkosten koste den Kreis Liquidität. In der Kreistagssitzung am 4. November, werde man im Rahmen des Haushaltsplanentwurfs 2020 entsprechende Vorschläge machen, woher die fehlenden Millionen kommen sollen.