Schwarzer Anzug, weißes Hemd, klassisch blau gestreifte Krawatte mit silberner Krawattennadel, die sorgfältig gestutzten Igelhaare leicht grau meliert. Eine kantige schwarze Brille. Dirk Caroli zeigt auch äußerlich: Ich will was erreichen. Sein Ziel: Oberbürgermeister der Stadt Schramberg. Jetzt hat er seine Bewerbungsunterlagen eingereicht. Wir treffen ihn in einer Bäckerei, er holt sich eine Sahnetorte und ein stilles Mineralwasser. Womit fangen wir an?

46 Jahre, Patchwork-Familie

„Ich bin 46 Jahre alt und lebe in einer Patchwork-Familie“, erzählt er. Mit seiner Lebensgefährtin ziehe er fünf Kinder groß. Er sei Bereitschaftsleiter beim deutschen Roten Kreuz und engagiere sich seit Jahren auch beim Stadtgeflüster und unterstütze gemeinnützige Organisationen wie dem Verein Sternschnuppe und das Kinderhospiz.

Anfang bei der AfD

Schnell geht‘s zur Politik, seine Zeit bei der AfD. „Ich war ja schon bei der Wahlalternative 2013 dabei, bevor die AfD gegründet wurde“, berichtet er. Das Eurothema habe ihn umgetrieben. Bei der Gemeinderatswahl 2014 wird Caroli in den Stadtrat von Villingen-Schwenningen gewählt. Bei der Parteigründung seien sie förmlich überrannt worden. Er habe 2015 keine Chance mehr gesehen, „das Ruder noch herumzureißen“, und sei im Februar 2015 aus der AfD wieder ausgetreten. Sein Gemeinderatsmandat habe er behalten, um einen AfD-Nachrücker zu verhindern. Die AfD sah und sieht das ziemlich anders. Die Lokalpresse berichtete damals, Caroli sei einem Parteiausschluss zuvorgekommen, es habe bei der Kassenabrechnung Unregelmäßigkeiten gegeben, behauptete der verbliebene AfD-Vorstand. Es sei ihm bei seinem Austritt ganz offensichtlich um seine eigene politische Karriere gegangen.

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Die setzte er bei den Liberalen fort: Nach einiger Zeit habe er sich der FDP angeschlossen und sei auch FDP-Mitglied geworden. In der FDP im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde er bald schon stellvertretender Kreisvorsitzender. Die Homepage zeigt die Bilder des 2013 gewählten Kreisvorstands. Total veraltet seien die, bekennt Caroli. „Tja, und wir fordern die Digitalisierung.“ Wir kommen langsam auf Schramberg: „Ich trete hier nicht parteispezifisch an“, so Caroli. „Parteipolitisches Geplänkel“ sei in der Kommunalpolitik fehl am Platz. Wichtig sei aber ein gutes Netzwerk in die verschiedenen Parlamente – und darüber verfüge er.

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Schramberg sei ihm nicht ganz fremd, „ich bin schon ein paar Mal da gewesen“, versichert er, im Kernbereich habe er 13 leer stehende Geschäfte vorgefunden. Das sei auch für den Tourismus nicht gut. Seine Lösung: „Ein City-Management wäre angebracht.“ Überhaupt Tourismus: „Tennenbronn hat ein schönes Skigebiet.“ Da hat Caroli offenbar eine Entdeckung gemacht. Weiter geht es mit der Jugend: für die gebe es nicht so viele Angebote. Er wolle „der Jugend eine Stimme geben“ und einen Jugendgemeinderat einrichten. Nach dem Abitur müsse doch nicht jeder weggehen, findet Caroli: „Warum ist ein Meisterbrief schlechter gestellt als ein Master?“ Ein Gründerzentrum für Unternehmen und Start-ups schwebt ihm vor. Für die sei „Schramberg doch ein sehr interessantes Pflaster“. Die Stadtverwaltung müsse die kleinen und mittleren Unternehmen stärker unterstützen. Die Landesgartenschaubewerbung und den Stadtumbau 2030+ hält Caroli für einen guten Ansatz. Man brauche „ein klares Ziel: Wohin will die Stadt?“ Das Internet sei wichtig, auch für die Unternehmen.

Einzelhandelskaufmann, Bundeswehr

Carolis Lebenslauf: Einzelhandelskaufmann, Bundeswehr, sechs Jahre in Schwäbisch Hall. Dort Ausbildung zum Fachwirt und 20 Jahre Versicherungsbüro. „Dann bin ich in die Politik gegangen.“ Nun also Schramberg. „Ich bin von Leuten aus zwei Fraktionen direkt auf eine Kandidatur angesprochen worden“, versichert Caroli, will aber keine Namen nennen. Jemand, der von außen komme, könne viel unvoreingenommener entscheiden. Nach einem Beispiel gefragt, berichtet er vom Leibbrandpark: „Ich finde den Park super, ich weiß gar nicht, warum der weg soll.“ Woher er das den habe? „Ich habe vor zwei Wochen mit Passanten unterhalten und die haben mir davon erzählt.“ Pech nur, dass das eine Wahlkampfente war.

Bürgerbeteiligung und Bürgernähe – für Caroli sehr wichtig und über Bürgerversammlungen zu erreichen. „Man muss die Leute abholen, die Werbetrommel rühren.“ Auch wichtig: Die Stadt muss Busse organisieren, damit die Menschen nach einer solchen Versammlung auch wieder nach Hause kommen. Nächstes Thema Öffentlicher Personennahverkehr. „Damit steht und fällt jede Stadt.“ Vor dem Rathaus hält gerade der Bürgerbus. Caroli staunt und gibt zu, damit habe er sich „noch nicht so intensiv“ befasst.

Seine Chancen, nächster Schramberger OB zu werden? „Sind gut, sonst würde ich es ja nicht machen“, versichert er selbstbewusst. Es bleibt ja nicht mehr sehr viel Zeit bis zur Wahl? „Ich will Vereine und Organisationen besuchen und die Wünsche erfahren“, schildert er sein Wahlkampfkonzept. Er will an Ständen den direkten Kontakt suchen und einen Haustürwahlkampf betreiben. Wenn also in den nächsten Wochen ein Herr an Ihrer Haustür steht: Igelhaarschnitt, kantige Brille. Wahrscheinlich ist es Kandidat Nummer drei: Dirk Caroli.