Beim Projekt "Ausbau Breisgau-S-Bahn 2020" stehen nicht nur die Mobilität und Barrierefreiheit im Mittelpunkt, das Gleiche gilt auch für den Naturschutz. So wurde sogar eine umweltfachliche Bauüberwachung für das Projekt eingesetzt.

  • Ökologen begleiten den Ausbau: "Der Ausbau bietet nicht nur bautechnisch hochinteressante Themen, sondern auch in Sachen Umweltschutzmaßnahmen, speziell der Artenschutz", so informierte die Deutsche Bahn. Dieser Tage stellte die Bahn zusammen mit den Ökologen die Arbeit des Naturschutzes zwischen Neustadt und Döggingen vor. Ganz bewusst nicht in großer Runde, deshalb werden auch die Orte der geschützten Tiere nicht explizit preisgegeben, um die Flora und Fauna vor "Besuchern" zu schützen.
  • Vielfältiger Lebensraum wird geschaffen: "Die Eingriffe in die Lebensräume der Tiere sollen so gering wie möglich gehalten werden", informierten die Landschaftsökologen Hubert Laufer und Sigrid Lenz vom betreuenden Büro Laufer aus Offenburg. In erster Linie gelte es, den Restlebensraum am Bahndamm zu schützen und zu erhalten, sowie Tiere dort, wo es notwendig sei, auch behutsam umzusiedeln. Der Zeitraum sei deshalb so gewählt, dass die Tiere nicht unnötig beeinträchtigt würden. So wurden bereits im Vorfeld CEF-Flächen wie in Löffingen zwischen Bachheim und Seppenhofen angelegt mit Steinriegel, Reisighaufen oder auch Totholz, das die beste Wärmequelle für Reptilien sei.
  • Intensive Vorarbeiten vor der behutsamen Umsiedlung: Die Arbeit ist vielfältig, um den bedrohten Tieren ein neues Zuhause zu geben. Da müssen zuerst Baumhöhlen mit Endoskopen auf mögliche Nutzung durch Fledermäuse oder Vögel untersucht werden, bevor ein Baum gefällt wird. Vor den Arbeiten in den Tunneln sind Spalten und andere Hohlräume auf eine Nutzung durch Fledermäuse zu kontrollieren. Sind die Hohlräume nicht genutzt, werden sie verschlossen, sind sie genutzt, muss erst der Ausflug abgewartet werden.
    Bevor es mit dem Bau der Breisgau-S-Bahn weitergeht, ist der Schutz der Tiere an der Reihe. Baumhöhlen werden endoskopisch untersucht, ob hier ein Vogel brütet. Bild: Büro Laufer
    Bevor es mit dem Bau der Breisgau-S-Bahn weitergeht, ist der Schutz der Tiere an der Reihe. Baumhöhlen werden endoskopisch untersucht, ob hier ein Vogel brütet. Bild: Büro Laufer
  • Umsiedlung von Reptilien: Als stark gefährdet wird die Mauereidechse eingeordnet. Sie lebt überwiegend in kleiner Population in Bahnhofsbereichen. Sie wurde abgefangen und in vorher vorbereitete und artgerecht gestaltete Flächen umgesiedelt. Die Zauneidechsen wird im Land in der Vorwarnliste geführt. Auch sie haben nun auf den CEF-Flächen eine neue Heimat gefunden. Bereits in der Roten Liste ist die Schlingnatter eingestuft, sie ist oftmals an Bahnstrecken anzutreffen, die sie als Lebensraum und als Wanderkorridor nutzt. Als stark gefährdet ist die Kreuzotter anzusehen, dies dürfte zum einen auf den Lebensraumverlust zum anderen auf die frühere Fangprämie zurückzuführen sein.
    In diese Steinriegel werden die Reptilien umgesiedelt, von links Landschaftsökologe Hubert Laufer, Landschaftökologin Sigrid Lenz und Bauleiter Bastian Senger. Bild: Gerold Bächle
    In diese Steinriegel werden die Reptilien umgesiedelt, von links Landschaftsökologe Hubert Laufer, Landschaftökologin Sigrid Lenz und Bauleiter Bastian Senger. Bild: Gerold Bächle
  • Saubere artengerechte Arbeit gefordert: "Schon bei der Ausschreibung wurden die Firmen auf eine saubere und artgengerechte Arbeit hingewiesen, die hier durchgeführt werden muss", informierte der Projektingenieur und Projektmanager in Sachen Artenschutz, Matthias Rieke. Das bedeute, Naturschutz gehe vor Bautätigkeit. So würden beispielsweise in den Abschnitten mit Kreuzotter-Vorkommen vor dem Aufstellen der neuen Masten die Standorte abgezäunt. Dieser Bereich wurde zweimal bei optimaler Witterung auf Reptilien-Vorkommen kontrolliert, die dort angetroffenen Tiere wurden außerhalb des Zauns gesetzt. Ein weiteres Beispiel sind die Handschachtungen, die in möglichen Winterquartieren von Eidechsen durchgeführt wurden, bevor Pfosten eingerammt werden.