Sumpfohren legt die Grundsteine für weitere Biogasnutzung. Der Ortschaftsrat stimmte in der jüngsten öffentlichen Sitzung zwei entsprechenden Bauanträgen zu. Einmal dem Neubau einer Biogasanlage auf dem Wiesenackerhof der Familie Seiffert, der sich außerhalb des Dorfes Richtung Pfohren befindet, sowie die Erweiterung der Biogasanlage des Hofes Schwörer/Wolf, der sich am Ortsrand Pfohren/Neudingen befindet.

Viel Räte befangen

Beide Beschlüsse wurden jeweils unter Ausschluss der verwandten Mitglieder des Ortschaftsrates sowie der direkten Nachbarn einstimmig vom Gremium beschlossen.

An den Abstimmungen zur Erweiterung der Biogasanlage des Hofes Schwörer/Wolf nahmen Ancilla Batsching, als Schwiegermutter von Steffen Wolf sowie Isabella Bolli als direkte Nachbarin nicht teil. Werner Seiffert, der den Wiesenackerhof vor ein paar Jahren seinem Sohn Lothar überschrieb, nahm an der Abstimmung zum Neubau der Biogasanlage des Wiesenackerhofes nicht teil.

Nach dem neuen Stall folgt nun eine Biogasanlage auf dem Wiesenackerhof.
Nach dem neuen Stall folgt nun eine Biogasanlage auf dem Wiesenackerhof. | Bild: Andrea Wieland

Restprodukt soll verwertet werden

Familie Seiffert möchte die Biogasanlage bauen, damit das aktuelle „Restprodukt, die tierische Gülle, wiederverwertet wird. Hierbei möchte Lothar Seiffert lediglich die von ihm produzierte Gülle zu Strom umwandeln. Geplant ist, dass die Biogasanlage dadurch Strom für circa 100 Einfamilienhäuser produziert. Zu diesem Zweck soll die Biogasanlage auch an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden, sodass die circa 600 000 Kilowettstunden pro Jahr auch genutzt werden können.

Der Ortschaftsrat Sumpfohren stimmten den beiden Bauvorhaben für Biogasanlagen zu. Von links Manuela Hirt, Werner Seiffert, Thomas Blessing, Isabella Bolli, Lothar Seiffert, Ortsvorsteherin Ancilla Batsching, Steffen Wolf und Stefan Schröder.
Der Ortschaftsrat Sumpfohren stimmten den beiden Bauvorhaben für Biogasanlagen zu. Von links Manuela Hirt, Werner Seiffert, Thomas Blessing, Isabella Bolli, Lothar Seiffert, Ortsvorsteherin Ancilla Batsching, Steffen Wolf und Stefan Schröder. | Bild: Andrea Wieland

„Aktuell ist es noch schwierig, genau festzustellen, wie viel Strom wir wirklich pro Jahr produzieren. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung des Futters der Tiere variiert dieser Wert sehr. Jedoch gehe, wir aktuell davon aus, dass der Wert von circa 600 000 Kilowattstunden pro Jahr erreicht werden kann“, so Lothar Seiffert. Diese Maßnahme soll die vom Wiesenackerhof produzierten Treibhausgase reduzieren.

Die Gülle, welche als Output der Biogasanlage zur Verfügung steht, wird im Anschluss wie gewohnt zur Düngung der Felder genutzt. Da bei der Erzeugung des Biogases lediglich das Methan aus der Gülle verwertet wird, sei das Restprodukt immer noch ein sehr nährreicher Dünger.

Ein bisschen anders sieht die Lage beim Hof Schwörer/Wolf aus. Hier soll die bestehende Anlage, die bereits 350 Kilowattstunden pro Stunde in das Stromnetzwerk einspeist, flexibilisiert werden. An der Jahresleistung der Biogasanlage soll sich dadurch nichts ändern, jedoch sollen durch die Erweiterung des Gärrestelagers mit einem Gasspeicher die Spitzen besser abgefangen werden.

Nahwärmenetz wird ausgebaut

Der Hof Schwörer/Wolf sorgt nämlich nicht nur für Strom, sondern versorgt die Sumpfohrener Anwohner ebenfalls mit Nahwärme. Derzeit ist bereits das Oberdorf von Sumpfohren an das Nahwärmenetz angeschlossen und in diesem Jahr soll die Ausdehnung zur Pfohrenerstraße, Am Bach sowie ins Hinterdorf folgen.

Reges Interesse herrscht bei den Sumpfohrener Bürger bei der öffentlichen Ortschaftsratssitzung am Thema Biogasanlage.
Reges Interesse herrscht bei den Sumpfohrener Bürger bei der öffentlichen Ortschaftsratssitzung am Thema Biogasanlage. | Bild: Andrea Wieland

Und genau diese Nutzer sollen von der Erweiterung der Anlage profitieren: Die Erweiterung ermöglicht Steffen Wolf und seiner Familie nämlich, dass Stromspitzen bis zu 900 Kilowattstunde abgedeckt werden können. Die Familie Schwörer/Wolf hat somit die Möglichkeit im Winter, wenn mehr Wärme benötigt wird, mehr Strom und somit auch Wärme zu produzieren. Im Sommer kann die Produktion dann wiederum gedrosselt werden. Der Jahresdurchschnittswert von 350 Kilowatt pro Stunde bleibt somit jedoch bestehen.

Für die Zukunft gerüstet

„Uns als Ortschaftsrat freut es, wenn sich die bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe optimieren. Es zeigt, dass sich die Landwirte für die Zukunft rüsten und an ihrem weiteren Bestehen feilen“, so Sumpfohrens Ortsvorsteherin Ancilla Batsching.

Jedoch wurden die beiden Anträge vom Ortschaftsrat sowie den Versammelten auch kritisch beäugt. So stand unter anderem auch der mit dem Gas entstehende Geruch sowie der Lärm, welcher die Anlagen verursachen, zur Debatte.