"Es wird immer schwieriger, Blumen und Menschen, die sie sammeln, zu finden", meint Martin Böhm von der Hüfinger Bürgerstiftung zum Thema Blumenteppich. Deshalb habe sich die Bürgerstiftung nach Möglichkeiten umgesehen, zumindest den botanischen Aspekt des Problems zu lösen. Also sei man im April auf Bürgermeister Kollmeier zugegangen. Zusammen kam man auf die Idee, bei einer Universität nach Unterstützung von Spezialisten zu fragen. Und so kam die Universität Hohenheim ins Spiel.

"Die Vorlesung zum Thema Grünland fand ich ganz spannend", erinnert sich der Student für Agrarwissenschaften, Klaus Schweizer, der an der Universität Hohenheim studiert. "Das Thema Hüfinger Blumenteppich klang ganz interessant", so Schweizer. Da er christlich erzogen wurde und sogar Oberministrant war, habe er auch einen persönlichen Bezug zum Brauchtum rund um Fronleichnam. In seiner Masterarbeit beschäftigt er sich nun unter anderem mit der Verbesserung der Säh- und Lagermethoden der Blumen und Blüten. Um die Lagerung wissenschaftlich zu untersuchen, habe er verschiedene Blumenarten gesammelt und sie bei unterschiedlichen Temperaturen aufbewahrt. "Vier Grad Celsius sind die optimale Lagertemperatur", meint Schweizer. Aber auch mit der Auswertung der Wetterdaten habe er sich beschäftigt. "Dabei geht es vor allem um die Vegetationstage innerhalb des Jahres", erklärt er. Um einen eigenen Eindruck zu gewinnen, begleitete er sogar einige Hüfinger beim Sammeln, Kleben und Legen.

Fronleichnam in Hüfingen mit eindrucksvollem Blumenteppich: Die Prozession am frühen Morgen durch die Hauptstraße bildet den eigentlichen Höhepunkt des Hüfinger „Herrgottstages“.<em> Bild: Roland Sigwart</em>
Fronleichnam in Hüfingen mit eindrucksvollem Blumenteppich: Die Prozession am frühen Morgen durch die Hauptstraße bildet den eigentlichen Höhepunkt des Hüfinger „Herrgottstages“. | Bild: Roland Sigwart

Wegen der wichtigen Rolle des Blumenteppichs als Aushängeschild der Stadt Hüfingen sei auch die Kirche an dem Projekt interessiert, so Harald Weh von der Kirchengemeinde: "Wir sind sehr froh über jede Hilfe", meint er. Peter Marx, der Biotopvernetzungsbeauftragte der Stadt Hüfingen, zeigt ebenfalls großes Interesse an Schweizers Projekt. Der frühere Revierleiter engagiert sich schon seit über 60 Jahren beim Planen, Sammeln und Legen des Blumenteppichs. Marx sieht allerdings das größere Problem nicht bei den Pflanzen, sondern bei den Sammlern: "Wenn die Leute suchen wollen, gibt es immer einen Teppich."

Klaus Schweizer stellt Zwischenergebnisse seiner Arbeit am 20. November bei der Stiftungsversammlung der Hüfinger Bürgerstiftung vor. Sie und die Stadt haben ihn finanziell unterstützt.

Hüfingen und sein Blumenteppich

  • Die Idee: Nach einer Studienreise in Italien 1842/43, auf der er prachtvolle Blumenteppiche in der Nähe von Neapel gesehen hatte, war der Bildhauer Franz Xaver Reich so fasziniert, dass er selbst einen kleinen Teppich vor seinem Haus legte.
  • Der Brauch: Heute ist dieser Brauch gang und gäbe in Hüfingen. Blumen, Blüten und Farne werden in der Woche vor Fronleichnam gesammelt und, wo möglich, in kühlen Kellern gelagert. Anschließend wird das gesammelte Material mit Leim auf Vorzeichnungen befestigt und früh am Morgen an Fronleichnam auf der Straße ausgelegt. Der komplette Teppiche kann bis zu 500 Meter lang werden.
  • Die Entscheidung: Der Fronleichnamsausschuss der Seelsorgeeinheit entscheidet sieben Tage vor dem Feiertag, ob ein großer, ein kleiner oder kein Blumenteppich gelegt wird. Entscheidend ist die Vegetation.