Die Corona-Pandemie lähmt die Wirtschaft in noch ungeahntem Umfang. Klar ist jetzt schon, dass die Beschäftigtenzahlen zurückgehen oder Arbeitnehmer in Kurzarbeit gehen. Ein geringeres Einkommen bedeutet weniger Steuerabgaben. Wo weniger Steuern bezahlt werden, haben auch die Kirchen das Nachsehen. Diese Entwicklung wird schon in diesem Jahr bei der evangelischen Landeskirche in Baden und die Erzdiözese Freiburg ankommen. Doch wie reagieren diese Körperschaften des öffentlichen Rechts auf diese Entwicklung? Vor allem: Wie wirkt sich das an der Basis aus?

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„Wir sparen eh schon die ganze Zeit“, sagt Pfarrer Erich Loks, Chef der katholischen Seelsorgeeinheit Donaueschingen. Größere strukturelle Änderungen seien derzeit nicht möglich. Derzeit werde an der Pastorale 2030 gearbeitet, die Großpfarreien als neue Organisationsform vorsieht. Wo ist der Sitz, wie groß wird diese Pfarrei, welche personelle und räumliche Ausstattung benötigt sie? Das Verkleinern, eine Devise, die seit längerer Zeit gilt, ende dort, wo das Gemeindeleben vor Ort durch fehlende Räumlichkeiten oder unzumutbare Wegstrecken gefährdet wird.

„Sternen“ und Elisabethhaus abgegeben

Die Verschlankung bei den Immobilien habe schon stattgefunden. „Wir haben den ‚Sternen‘ verkauft und auch das Elisabethhaus abgegeben“, sagt Loks. Gleiches gilt für die Pfarrhäuser in Wolterdingen, Grüningen und Heidenhofen. Was weiter denkbar sei: Darüber machten sich Stiftungsrat und Pfarrgemeinderat permanent Gedanken.

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Derzeit kämen Corona-bedingte Notlagen bei der Kirche noch nicht an. „Es ist noch ruhig“, sagt der Pfarrer. Aber die Sparwelle werde irgendwann kommen. In diesem Jahr jedenfalls gibt es keine strikten Vorgaben aus Freiburg. Das Erzbischöfliche Ordinariat hat eine temporäre Haushaltssperre verfügt. Größere Ausgaben stehen unter Genehmigungsvorbehalt und werden geprüft, ob sie zum jetzigen Zeitpunkt notwendig sind oder verschoben werden können.

Donaueschinger Stadtkirche St. Johann
Donaueschinger Stadtkirche St. Johann | Bild: Wursthorn, Jens

Als Grund nennt Christine von Lossau aus dem Referat Kommunikation eine Prognose. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer dürften zwischen 23 und 63 Millionen Euro geringer ausfallen als im Vorjahr. Gegenüber dem Haushaltsplanentwurf 2020, der von einem Kirchensteueraufkommen von 524 Millionen Euro ausgeht, sind das Rückgänge zwischen 4,4 und zwölf Prozent.

Kirchensteuer wird nach Schlüssel weitergegeben

Die Haushaltssperre betreffe ausdrücklich nicht die Kirchengemeinden, betont die Bistums-Sprecherin. Ebenso wenig sollen Caritas, Seelsorge und Bildung unter den Sparmaßnahmen leiden. Inwieweit die Steuerrückgänge aber auf die Aufgaben in der Fläche durchpausen, dürfte sich weisen. Die Kirchensteuer wird nach einem Schlüsselverfahren an die Kirchengemeinden weitergereicht. Entscheidend sind die Zahl der Katholiken, Kirchen, Kapellen, sonstigen Gebäude und Kindergärten. In der Seelsorgeeinheit geht die Zahl der Katholiken zurück: von 11.822 (2010) auf 10.307 im vergangenen Jahr.

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In der Kirchengemeinde Donaueschingen betrug die Summe an Zuweisungen aus dem Bistum zuletzt 927.360 Euro. Klingelbeuteleinnahmen, Opferstock und Spenden kamen hinzu. Auf der Gegenseite stehen 120 Arbeitsverhältnisse mit meist geringer Stundenzahl und die Trägerschaft von fünf Kindergärten. „Die Kirchen sind ein großer Arbeitgeber“, fügt Loks an.

Das ehemalige Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde: heute in Privatbesitz.
Das ehemalige Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde: heute in Privatbesitz. | Bild: Wursthorn, Jens

Weniger Gläubige weist auch die evangelische Kirchengemeinde in Donaueschingen auf. Zwischen 2009 (4646) und 2019 (4207) ging die Zahl um etwa zehn Prozent zurück. „Das liegt im Landesschnitt“, sagt der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Villingen, Wolfgang Rüter-Ebel.

„Wir werden kleiner“

Der Grund liege in der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass keine evangelische Zuwanderung mehr stattfinde. „Wir werden kleiner“, heiße eine klare Tatsache. Das gehe mit den Strukturen einher und sei in Donaueschingen auf der Höhe der Zeit: Auch deshalb, weil man es vor Jahrzehnten vermieden habe, in den Dörfern zu bauen.

Im Zeichen der Hygienemaßnahmen: der Eingangsbereich der Christuskirche.
Im Zeichen der Hygienemaßnahmen: der Eingangsbereich der Christuskirche. | Bild: Wursthorn, Jens

Das Gleichgewicht zwischen Zuweisungen und aus Gläubigenzahl und Aufgaben definierten Ansprüchen gilt in Donaueschingen als austariert. Die evangelische Landeskirche rechnet 2020 mit Einnahmerückgängen. Das Kirchensteuervolumen soll von 354 Millionen (2019) auf 319 Millionen Euro sinken. Für die Dekanate heißt es zunächst Schonfrist. „Die Zuweisungen an die Kirchengemeinde werden 2020 nicht gekürzt“, kündigt Daniel Meier, Sprecher des evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe, an.

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Dagmar Kreider, Donaueschinger Pfarrerin, hört das gerne. Sie verweist aber auch darauf, dass hier bereits die Hausaufgaben gemacht wurden. Vom Pfarrhaus an der Hermann-Fischer-Allee haben sich die Protestanten 2016 getrennt. Um Platz zu schaffen für Amts- und Diensträume, wurde am Gemeindehaus am Irmapark ein Anbau erstellt. „Natürlich schmerzte der Abschied vom Pfarrhaus. Viele Menschen hingen daran.“ Allerdings sei die neue Nähe zwischen Kirche und Verwaltung auch recht bald als angenehm empfunden worden.

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Beim Verkauf kirchlicher Immobilien bestehe kein akuter Handlungsbedarf, sagt Daniel Meier, Pressesprecher des evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe. Ein möglicher Verkauf werde nicht zentral landeskirchlich, sondern pro Kirchenbezirk gesteuert. Weil aber die Aufgabe von Immobilien immer auch mit Emotionen verbunden sei, setzt ein Liegenschaftsprojekt der badischen Landeskirche auf einen möglichst breiten Beteiligungsprozess an der Basis.

Ziel: 30 Prozent weniger Gebäudekosten

Das Liegenschaftsprojekt läuft seit 2014. Ehrgeiziges Ziel: Bis zum Jahr 2025 sollen die Gebäudekosten um 30 Prozent reduziert werden. Bis 2020 der Immobilienbestand in der gesamten badischen Landeskirche, rund 2800 Gebäude, analysiert und Konzepte für die künftige Verteilung von Gebäuden und Räumen erarbeitet werden. Kirchengebäude sollen nur in sehr seltenen Fällen aufgegeben werden, so Meier. Eine Ausnahme bilden vereinzelt Gemeinde­zentren, eine Kombination aus Kirche und Gemeindehaus, die nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut worden sind.

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