E-Mobilität ist aktuell in aller Munde, seien es E-Autos oder auch elektrisch betriebene Fahrräder. Dass jedoch ein batterie-elektrisch angetriebenes Leichtflugzeug durch die Lüfte schwebt, sehen viele sicherlich noch nicht als realisierbar an.

Ist es aber, denn am 30. August 2020 macht sich ein eben solches Elektroflugzeug auf den Weg, um von den Alpen bis nach Norderney zu fliegen. Um 14.30 Uhr ist ein Zwischenstopp in Donaueschingen geplant. Fünf tollkühne Elektro-Enthusiasten nehmen dieses Unterfangen mit dem ersten zertifizierten elektrischen Leichtflugzeug in Angriff. Dabei wollen sie gleich sieben Weltrekorde aus der Welt der Verbrennerflugzeuge einstellen.

Bislang erfüllte kein E-Flieger die Sicherheitsstandards

Bis vor kurzem konnte kein Flugzeughersteller den aufwändigen Zertifizierungsprozess hinter sich bringen, um ein elektrisches Leichtflugzeug zur Marktreife zu entwickeln. Diese Zertifizierung ist eine unabhängige Begutachtung der Konstruktion und bestätigt, dass alle, über Jahrzehnte entwickelten Sicherheitsstandards erfüllt sind. Somit gab es bisher keine Batterie-Flieger am Markt.

Im Juni nun gelang dem slowenischen Hersteller Pipistrel als erster sein Modell zertifizieren zu lassen: „Velis Electro“. Das war der entscheidende Schritt, um aus dem Protoypen- und Experimentalstadium hin zur kommerziellen Nutzung durch Flugschulen und Sportflieger zu kommen.

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Um das neue Flugzeug auf Herz und Nieren zu prüfen, hat sich ein Team von Elektromobilisten für ein außergewöhnliches Langstreckenexperiment zusammengeschlossen. Zusammengebracht hat die Gruppe der Schweizer Ingenieur und Zukunftsforscher Morell Westermann.

Die Crew liebt auch E-Autos

Die Crew besteht aus dem Schweizer Piloten Marco Buholzer, der gleichzeitig die einzige Elektroflugschule der Welt leitet, während der kreative Ideengeber Tobi Pape als Bierbrauer auf Norderney arbeitet. Mit Tom Albrecht als Video- und Musikproduzent und Malik Aziz als Mitglied des größten deutschsprachigen Elektromobilitäts-Podcasts „Clean Electric“ sind erfahrene Medien- und Kommunikationsprofis mit an Bord. Alle fünf sind heute schon begeisterte E-Auto Fahrer und gründeten den Verein Freunde der Elektromobilität.

Wenig Fluglärm

„Die meisten Kleinflugzeuge fliegen für die Ausbildung oder zu Rundfügen häufig Strecken, die kürzer sind als 200 Kilometer. Das kann man schon heute problemlos elektrisch machen“, betont Morell Westermann, Co-Pilot und Sprecher des Vereins. „Alle Vorteile der Elektroautos kommen schließlich auch in der Fliegerei zum Tragen. Der extrem leise und zugkräftige Antrieb ermöglicht hohe Steigleistungen und schont dabei die Ohren der Anwohner, ein Elektroflieger ist ab etwa 150 Metern Entfernung quasi unhörbar“, sagt Westermann.

Dennoch müssen aber auch alle Herausforderungen der Elektromobilität bewältigt werden. Die geringere Energiedichte im Zusammenspiel mit dem Gewicht der Akkus führt zu realistischen Reichweiten von nur um die 100 Kilometer. „Und so macht die nichtexistente Ladeinfrastruktur den Weltrekordflug zu einer echten logistischen Herausforderung“, so Westermann. Das ist auch der Grund, warum die Strecke in mehreren Abschnitten geflogen werden muss.

Nur rund 100 Kilometer Reichweite

Und so kommt der Flugplatz von Donaueschingen ins Spiel. Der E-Flieger startet Sonntagmorgen in Schänis (Kanton St. Gallen), um 14.30 Uhr ist dann Donaueschingen der zweite Stopp. Die Crew sucht kleine Sportflugplätze aus, bei denen es möglich ist, während der jeweils einstündigen Aufenthalte Strom für circa 100 Kilometer Reichweite zu laden.

Da jedoch noch kein einziger Flugplatz über ein Ladegerät verfügt, muss dieses jeweils von der Bodencrew vorausgefahren werden – was mit E-Autos geschieht. Der hiesige E-Auto-Stammtisch wird am Sonntag mit E-Mobilen Spalier stehen, auf dem Flugplatz kann auch mit der Besatzung des E-Fliegers gesprochen werden.