Kein Tuscheln, keine Unaufmerksamkeit und gebanntes Zuhören: Wenn Autopapst Ferdinand Dudenhöffer spricht, dann hat er etwas zu sagen und wenn er in einer Region mit vielen Automobilzulieferern spricht, dann ist dem 69-Jährigen die Aufmerksamkeit gewiss. Vor zwölf Jahren hatte die Sparkasse ihn schon einmal eingeladen, damals hatte er eine große Halle gefüllt. Doch mit Corona ist alles anders und so trat er dieses Mal in einer erlesenen Runde von rund 90 Zuhörern auf und sprach von den großen Herausforderungen, dem Markt für Mobilität und seine Lösungen.

Arendt Gruben
Arendt Gruben | Bild: Kienzler, Michael

„Innovation ist das, wovon die Unternehmen leben“, sagte Dudenhöffer und es passte ganz gut, dass im Publikum auch gleich vier zukünftige Preisträger saßen. Sie sollten später noch den Innovationspreis der Sparkasse erhalten und mit dem ersten Preis wurde mit IMS Gear auch eben einer dieser Automobilzulieferer ausgezeichnet, der unter der aktuellen Krise schwer zu leiden hat und nach neuen Möglichkeiten abseits der Verbrennungsmotoren sucht. Den Preis hat IMS Gear für ein Zahnrad erhalten, das in allen Fahrzeugen – ungeachtet ihrer Antriebstechnik – eingesetzt werden kann.

Doch wohin soll der Weg führen?

„Die Politik blinkt links und spricht von Prämien, die den Automobilherstellern helfen sollen, nur um dann nach rechts abzubiegen und das Ende des Verbrennungsmotors zu verkünden“, sagte Sparkassen-Chef Arendt Gruben.

Für Dudenhöffer ist es einfach

„Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Das Zitat hat er zwar vom Philosophen Max Frisch ausgeliehen, um seinen Vortrag abzuschließen, aber es ist genau das, was er allen mit auf den Weg geben möchte. Dass es geht, zeige Elon Musk mit Tesla ständig. „Er macht alles selbst, er schläft wenig und er überlegt permanent, wie er die Dinge schneller machen kann“, so Dudenhöffer. Da kommt eben auch mal die größte Druckgießmaschine aller Zeiten her, mit der eine Karosse in einem Stück produziert werden kann.

„Starke Regulierungen helfen. Deutschland ist ein Land der Ingenieure und die finden immer eine Lösung.“
Ferdinand Dudenhöffer

Es ist nicht so, dass die Deutschen die Fähigkeiten dazu nicht hätten: „Wir sind zu langsam und wir brauchen viel zu lange“, sagt Dudenhöffer. Und wenn dann noch der Kunde an der Tankstelle vorbeifahre und der Diesel 95 Cent pro Liter kostet, dann könne man die Elektroautos auch gleich beerdigen. „Die Autobauer wissen, dass sie keine Elektroautos verkaufen werden, deshalb bauen sie keine.“ Die steuerliche Subventionierung abzuschaffen ist seiner Meinung allerdings eine größere Herausforderung, als Elektroautos zu bauen. Auch dürfe die Politik keine Angst vor Regulierung beispielsweise im Bezug auf den CO2-Ausstoß – haben: „Starke Regulierungen helfen. Deutschland ist ein Land der Ingenieure und die finden immer eine Lösung.“

Dabei sei es nicht so, dass kein Markt für Autos vorhanden ist – wenn man es weltweit betrachte. „Autos verkaufen sich einfach: Man gibt den Leuten Geld, dann kaufen sie Autos„, erklärt Dudenhöffer. Vielleicht nicht in den USA, wo ein Säugling und ein Greis zusammen 1,5 Autos hätten, aber beispielsweise in China: „Wer Angst vor China hat, der hat einfach nur Angst vor der Zukunft“, sagt der Autopapst.

Das sind die vier Preisträger

Sonderpreis für Alexej Artamonow
Sonderpreis für Alexej Artamonow | Bild: Kienzler, Michael

Sonderpreis: Manche Lösungen sind einfach, man muss nur darauf kommen. Alexej Artamonow aus Villingen-Schwenningen hat ein Nivellierschwimmer für Fließestrich entwickelt. Zum Einsatz kommt ein 360-Grad-Linienlaser und ein Schwimmer, der auf dem Estrich schwimmt. An einer Markierung kann durch den Laser abgelesen werden, wann die gewünschte Estrichhöhe erreicht ist. Mit dieser Technik sei die Höhenmessung schneller, genauer und mit weniger Aufwand verbunden und sei so einfach, dass sie jeder Laie nutzen könne. Die Zeitersparnis betrage gegenüber der herkömmlichen Technik rund zwei Stunden pro Tag. Erste Einheiten sind bereits verkauft worden.

1. Preis: Die Entwicklungschefs von IMS Gear Stephan Oberle (von links) und Jens Fechler nehmen den ersten Preis für ihr Zahnrad entgegen. Glückwünsche gibt es auch von den OBs Jürgen Roth und Erik Pauly.
1. Preis: Die Entwicklungschefs von IMS Gear Stephan Oberle (von links) und Jens Fechler nehmen den ersten Preis für ihr Zahnrad entgegen. Glückwünsche gibt es auch von den OBs Jürgen Roth und Erik Pauly. | Bild: Kienzler, Michael

1. Preis: Das Donaueschinger Unternehmen IMS Gear hat ein besonderes Mehrkomponenten-Schneckenrad entwickelt. Eingesetzt wird es in der elektrischen Lenkunterstützung in Kraftfahrzeugen. Für das Zahnrad sei nicht nur eine besondere Konstruktion entwickelt worden, sondern auch ein neuartiger hochfester Kunststoff, der besonders für hohe Temperaturen und mechanische Belastungen ausgelegt ist. Das Produkt wird bereits in hohen Stückzahlen gefertigt.

2. Preis: Christoph Kluge (Zweiter von links) und Alexandra Laufer-Müller von Tepcon beschäftigen sich mit virtueller Realität. Ganz im echten Leben gratulieren Sparkassenchef Arendt Gruben (links) und von der Hochschule Furtwangen Manfred Kühne.
2. Preis: Christoph Kluge (Zweiter von links) und Alexandra Laufer-Müller von Tepcon beschäftigen sich mit virtueller Realität. Ganz im echten Leben gratulieren Sparkassenchef Arendt Gruben (links) und von der Hochschule Furtwangen Manfred Kühne. | Bild: Kienzler, Michael

2. Preis: Wenn eine Maschine kaputt ist, muss der Servicetechniker ins Flugzeug sitzen, um den Schaden zu beheben. Das Aasener Unternehmen Tepcon setzt hier auf virtuelle Realität. 3D-Modelle der Anlagen lassen es beispielsweise zu, dass die virtuellen Objekte im Raum platziert und bewegt werden können, als wären sie da. Oder ein Techniker instruiert über hunderte und tausende Kilometer hinweg einen Mitarbeiter vor Ort, wie er eine Maschine repariert. Die Entwicklung ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

3. Preis: Eine neue Generation von Schubladenschränken bringt für Daniel Vogt (Zweiter von links) und Lea Kellner von Betrunka und Hirth nicht nur den dritten Preis, sondern auch ein Erinnerungsfoto mit Arendt Gruben (links) und Manfred Kühne.
3. Preis: Eine neue Generation von Schubladenschränken bringt für Daniel Vogt (Zweiter von links) und Lea Kellner von Betrunka und Hirth nicht nur den dritten Preis, sondern auch ein Erinnerungsfoto mit Arendt Gruben (links) und Manfred Kühne. | Bild: Kienzler, Michael

3. Preis: Innovation bei Schubladenschränken hat das Bräunlinger Unternehmen Betrunka und Hirth mit einer neuartigen Generation geschaffen. Die Jury war angetan von der „modernen Bedienerfreundlichkeit und der Unnachgiebigkeit gegen Unbefugte“. So können die Administratoren die Schubladen bestimmten Gruppen oder Nutzern zuweisen, so dass nur diese die Schublade auch öffnen können. Das Ganze wird über einen intuitiven Touchscreen gesteuert und die Schubladen werden elektromechanisch ver- und entriegelt.

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