Los geht es mit einer spritzigen Limonade von Rotkohl und Ingwer, verfeinert mit Himbeeressig. Zutaten, aus denen man in der heimischen Küche weniger eine Limonade gemacht hätte. Ein vorsichtiges Riechen und dann einen kleinen Schluck. Es kribbelt auf der Zunge, verschieden Geschmacksrichtungen kommen nacheinander hervor: süß, sauer, scharf. Und es schmeckt.

Wer im neuen Fine-Dining-Restaurant des Öschbergshof, dem Ösch Noir, speist, sammelt wohl viele neue Erfahrungen, was das Essen anbelangt. Rund drei Stunden dauert es, bis der abschließende Espresso serviert wird. Schließlich geht es hier nicht darum, schnellstmöglich satt zu werden, sonder hier soll das Essen zum Erlebnis werden. Und so kommt neben den eigentlich vorgesehenen sechs Gängen wesentlich mehr auf den Tisch, der mit einem Glasperlenvorhang so abgetrennt ist, dass man auch seine Privatsphäre hat, obwohl man mitten im Restaurant sitzt. So steht anstatt dem Hauptgang plötzlich ein Porzellan-Ei vor einem. Vorsichtig den Deckel gehoben, darunter Federn, etwas Stroh und ein "falsches Ei", das aus Champagner, Mango und Passionsfrucht besteht.

Ein Erlebnis allein ist schon, wenn Sommelier Michael Häni an den Tisch tritt und den Wein empfiehlt. 500 Weine hat er zur Auswahl und zu jedem kann er mindestens eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel zum Puligny-Montrachet von Louis Carillon – Jahrgang 2004. "Eigentlich ein ganz schlechter Jahrgang, denn da gab es eine Marienkäferplage", erklärt der Sommelier. Nicht so die servierte Flüssigkeit, die golden schimmert und glitzert. "Da wurde jede Traube von Hand gepflückt, dass im Wein keine Marienkäfer landen." Mit viel Leidenschaft und ganz viel Fachwissen ohne das entsprechende Chinesisch serviert er Geschichte um Geschichte und Wein um Wein.

Und was schmeckt nun am Besten? Schwer zu sagen, abwechslungsreich und bei jedem Gang war es sicher mehr als eine Zutat, die noch nie verspeist wurde. Restaurantleiter Javier Reichart hat auf jeden Fall ein Lieblingsgericht: den Island-Kabeljau mit Nussbutterschaum, Blumenkohl und Schnittlauch-Crème, Kalamansigel und Imperial Kaviar. Es erinnert ihn an seine spanische Heimat.

Das Fazit: Jedes Wochenende macht der Geldbeutel das sicher nicht mit. Aber eine besondere Erfahrung und ein einmaliges Erlebnis ist so ein Abend alle Male – wenn man sich mal richtig etwas gönnen will.

Küchenchef Manuel Ulrich
Küchenchef Manuel Ulrich | Bild: Simon, Guy

Der Küchenchef

Mit Manuel Ulrich hat das Ösch Noir nicht nur ein Öschberg-Eigengewächs, sondern auch ein Kind der Region. Denn der 32-Jährige stammt aus Heidenhofen. Nachdem er seine Ausbildung im Öschberghof abgeschlossen hat, zog es ihn in die Welt. Stationen waren unter anderem das Vier Jahreszeiten in Hamburg, die Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach und im Burg Hotel Oberlech. Durch die Erfahrungen, die er an den verschiedenen Stationen gesammelt hat, hat er seinen eigenen Stil entwickelt. Seit August ist er nun zurück in der Heimat. "Es war von Anfang an klar, dass ich nach dem Umbau wieder hier anfangen werde", sagt Ulrich. Primäres Ziel für das Ösch Noir ist erst einmal, "dass der Laden läuft und die Kunden zufrieden sind". Doch langfristig soll es dann doch ein Stern werden. "Das Essen muss zum Erlebnis werden", ist sein Motto. Im Vorfeld sei viel probiert und mit den unterschiedlichen Texturen gespielt worden. Das ganze Team habe seine Erfahrungen eingebracht. Und was isst ein Spitzenkoch zuhause. "Da darf es auch gerne mal etwas einfaches wie Pasta sein", sagt Ulrich.