Immer wieder hatte es in der Vergangenheit heftige Diskussionen um den Flughafen Donaueschingen gegeben. Im Zentrum stand oft der Geschäftsführer Michael Schlereth, der sich gerade von den Donaueschinger Stadträten mit viel Kritik, detaillierten Nachfragen und reichlich Fachwissen konfrontiert sah.

Flughafen-Geschäftsführer Michael Schlereth geht in den Ruhestand.
Flughafen-Geschäftsführer Michael Schlereth geht in den Ruhestand. | Bild: Simon, Guy

Nun neigt sich die Ära Schlereth dem Ende entgegen: Michael Schlereth wird zum 31. Mai 2019 als Geschäftsführer und Flugleiter der Flugplatz Donaueschingen-Villingen GmbH in den Ruhestand verabschiedet. Dies teilen Stadt Donaueschingen und Stadt Villingen-Schwenningen in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Der Nachname des Nachfolgers ist in Donaueschingen bestens bekannt. Denn Eckhart Pauly ist der Bruder des Oberbürgermeisters Erik Pauly. Zum 1. Februar 2019 wird Eckhart Pauly seinen Dienst als Schlereths Nachfolger beginnen und nach einer Einarbeitungszeit die Geschicke des Flugplatzes ab 1. Juni 2019 als Geschäftsführer leiten.

Bald steht wieder ein Umzug im Hause Pauly an: Erik (links) und Eckhard Pauly.
Bald steht wieder ein Umzug im Hause Pauly an: Erik (links) und Eckhard Pauly. | Bild: Bombardi

Aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse wird auch reagiert: Erik Pauly, der aktuell noch Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH ist, wird am 31. Dezember komplett aus dem Gremium scheiden. Ab diesem Zeitpunkt wird die Stadt Donaueschingen durch Bürgermeister Bernhard Kaiser vertreten. Den Aufsichtsratvorsitz wird dann Villingen-Schwenningens neuer Oberbürgermeister Jürgen Roth zum 1. Januar 2019 übernehmen – wie es turnusmäßig üblich ist.

Eckhart Pauly derweil freut sich auf die "neue Verantwortung und die Herausforderung". Die Idee, sich für die Position zu bewerben, sei von seinem Bruder gekommen. "Aus dem Bewerbungsverfahren hat er sich aber komplett herausgehalten. Das war auch so abgemacht", sagt Eckhart Pauly.

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Doch warum will der 52-Jährige sein Immobilienbüro in Stuttgart schließen und in Donaueschingen die Führung des Flughafens, der doch einige Baustellen hat, übernehmen? "Ich bin ein begeisterter Flieger und es ist die Möglichkeit Hobby und Beruf unter einen Hut zu bringen", sagt Eckhart Pauly, der selbst einen Flugschein besitzt. Und die Führung der Flughafen Gesellschaft sei nun nicht so weit von seiner bisherigen Tätigkeit entfernt. "Das Kaufmännische bleibt", so Pauly.

Und der Pauly im Rathaus? Als die Stellenausschreibung der Schlereth-Nachfolge veröffentlicht gewesen sei, habe er seinen Bruder darauf angesprochen. "Ich bin überzeugt, dass mein Bruder das gut machen wird und ich kann mir vorstellen, dass das auch für den Flughafen eine gute Sache ist", sagt der OB. Sobald die Bewerbung seines Bruders im Rathaus VS, das der Herr über das Verfahren gewesen sei, eingegangen ist, habe er sich für Befangen erklärt. "Den Rest habe ich erst erfahren, nachdem Wahl vorbei war."

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Es ist nicht das erste Mal, dass ein Weggefährte von Erik Pauly einen Job hier in Donaueschingen erhält. Ingo Kottmann, Leiter der Bauverwaltung im Donaueschinger Rathaus, hatte in der Freiburger Kanzlei von Erik Pauly gearbeitet. Nun auch sein Bruder? Riecht das nicht nach Vetterleswirtschaft? "Warum sollte ich nicht Leuten, von denen ich weiß, dass sie gute Arbeit machen, empfehlen, sich hier zu bewerben", sagt das Stadtoberhaupt. Mit Ingo Kottmann habe er lange Zeit zusammengearbeitet und sei daher überzeugt gewesen, dass er hervorragende Arbeit abliefern werde. Was laut OB ja auch kaum einer bestreite. Mit seinem Bruder habe er zwar noch nicht zusammengearbeitet, er kenne ihn allerdings menschlich sehr gut. Und er werde Bekannten, von deren Qualifikation er überzeugt ist, auch weiterhin auf Stellen aufmerksam machen, wenn er sie für geeignet halte.

Zwar tritt Pauly als Aufsichtsratmitglied aus der Flughafen-Gesellschaft aus, doch wie sieht es aus, wenn das Thema im Gemeinderat behandelt wird? "Ich sehe da kein Problem." Hauptamtsleiter Tobias Butsch werde das rechtlich abklären. "Aber aus dem Bauchgefühl heraus wäre es doch übertrieben, wenn ich die Sitzungsleitung wegen Befangenheit abgeben würde."

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