Selten ist es für den Flughafenchef Michael Schlereth und Wirtschaftsprüfer Paul Hengstler ein leichter Gang, wenn sie ihre Zahlenwerke dem Donaueschinger Gemeinderat präsentieren. Da wird nachgefragt, nachgehakt und nachgerechnet. Alles wird ganz genau unter die Lupe genommen und kontrolliert. Doch nicht so sehr, weil die Stadträte dem Geschäftsführer und seinem Steuerberater misstrauen, sondern weil die Materie sie einfach interessiert, einige Stadträte sich richtig gut auskennen und es als ihre Aufgabe ansehen, auch genau hinzuschauen.

Und so war es, nachdem vor zwei Jahren FDP/FW-Stadtrat Markus Kuttruff genau nachgerechnet hatte und eine Deckungslücke gefunden hatte, dieses Mal Grünen-Fraktionssprecher Michael Blaurock, der gleich einen ganzen Fragenkatalog präsentierte. Fragen, die beim ersten Blick in die Sitzungsvorlage so nicht deutlich wurden. Denn Blaurock hatte sich die Mühe gemacht, auch die Dokumente der vergangenen Jahre zu sichten und vor allem zu vergleichen. Denn was 2017 noch als dringende Investition eingestuft wurde, tauchte dieses Mal gar nicht mehr auf. Dafür gab es ganz andere Projekte, die nun umgesetzt werden sollen. Ein Stadtrat, der es gewohnt ist, für den Donaueschinger Haushalt immer nachvollziehbar zu gestalten und eine verlässliche mittelfristige Finanzplanung aufzustellen, sind solche "erheblichen Brüche natürlich in keiner Weise nachvollziehbar".

Flugplatz-Geschäftsführer Michael Schlereth.
Flugplatz-Geschäftsführer Michael Schlereth. | Bild: Guy Simon

So war die Grundsanierung einer Arbeitshalle mit jeweils 30 000 Euro in den Jahren 2019 und 2020 vorgesehen gewesen. Diese taucht nun bis 2022 überhaupt nicht mehr auf, dafür soll 2019 ein Unimogfahrzeug für den Winterdienst für 50 000 Euro gekauft werden und im Jahr 2020 für 80 000 Euro ein neues Wetterinformationssystem angeschafft werden.

Die Erklärung von Schlereth ist denkbar einfach: "Das Wetterinformationssystem ist sehr alt und es ist komplett zusammengebrochen", erklärt der Flugplatz-Geschäftsführer. Für den Betrieb sei es jedoch notwendig. "Eingestellt haben wir es für 2020, wir brauchen es aber schon vorher", erklärt Schlereth. Doch für die Finanzierung bis dorthin müsste den Banken mitgeteilt werden, dass die Gesellschafter 2020 zu einem anlassbezogenen Zuschuss bereit wären.

Die Halle hingegen sei seit Jahren "ein untauglicher Kompromiss". Vor Jahrzehnten wurde sie als Lagerhalle gebaut, mittlerweile bietet sie den Mitarbeitern im Winter eine Arbeitsmöglichkeit. Allerdings ohne Heizung und Wasser. Da aber "nicht jeden Tag jemand dort arbeitet" und die Halle "stundenweise" auch geheizt werden kann, hat sich Schlereth entschieden, die Sanierung noch etwas zu schieben, um so die Gesellschafter finanziell nicht zu sehr zu fordern.

Der Sparzwang wird auch beim Unimog für den Winterdienst deutlich. So sei ein gebrauchter Unimog mit einem "autonomen Schiebeschild" angeschafft worden. Es habe sich gezeigt, dass dieses sich aber für den Winterdienst auf der Landebahn nicht eigne. Nun werde das Fahrzeug auf einer Plattform für Oldtimer verkauft und auch die nicht benötigte Schneefräse soll zu Geld gemacht werden. Doch für die Neuanschaffung reicht es nicht, so dass auch hier Zuschüsse der Gesellschafter nötig wären. Die rund 30 Einsätze könnten auch nicht von extern übernommen werden. Der Winterdienst auf einer Landebahn sei nicht mit dem auf der Straße vergleichbar. "Es darf beispielsweise keine Schneehäufen an der Seite geben, weil wir sonst unsere Landebahnbeleuchtung wieder von Hand freischaufeln müssen", erklärt Schlereth.

Jedes Jahr über Einzelmaßnahmen diskutieren? Das hält Markus Kuttruff nicht für zielführend. "Das ist Aufgabe des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung", so der FPD/FW-Stadtrat. Schließlich handle es sich bei den aufgeführten Projekten um ganz normale Investitionen. Diese jedes Jahr über anlassbezogene Gesellschafterzuschüsse zu finanzieren, sei nicht sinnvoll. "Wir sollten anstatt dessen überlegen, was es grundsätzlich braucht, um die GmbH lebensfähig zu halten", so Kuttruff. Aktuell verwendet die Gesellschaft viel Geld, um Zinsen zu tilgen. Doch für Investitionen und auch Instandsetzungen fehlt es dann und die Gesellschafter müssen sogenannte anlassbezogenen Zuschüsse tätigen. So läge der Zuschussbedarf mittlerweile bei jährlich 130 000 bis 140 000 Euro, wenn betriebs- und anlassbezogene Zuschüsse zusammengezählt würden.

Eine langfristige Lösung wäre laut Kuttruff ein Gesellschafterdarlehen oder eine Stammkapitalerhöhung. Anstatt jährlich Zuschüsse zu zahlen, könnte es ein Darlehen geben, damit der Geschäftsführer auch mal drei bis vier Jahre planen könnte und nicht jedes Jahr seine Planungen umschmeißen müsste. Auch Blaurock spricht sich für eine "Strukturoptimierung" der GmbH aus. "Eine Rückalgenbildung ist bei der GmbH ja ein Exot." Die mittelfristige Zukunft müsste nun auf sichere Füße gestellt werden.

Grundsätzlich eine Meinung, der sich auch Oberbürgermeister Erik Pauly anschließen könnte. Schließlich gibt es mit der Stadt Villingen-Schwenningen, dem Kreis und auch der Stadt Tuttlingen noch andere Gesellschafter.