Ein Jahr Stadtbus: Wie fällt ihr persönliches Fazit aus?

Wir hatten Glück, dass wir den Stadtbus damals so schnell einführen konnten. Es war eine glückliche Fügung, dass wir nach der Insolvenz des Unternehmens Haitz, die zuerst erschreckend war, nicht nur den Schülerverkehr, sondern auch den regulären Busverkehr permanent aufrecht erhalten konnten. Das Landratsamt ist uns sehr entgegengekommen, denn das Landratsamt hätte nur den Schülerverkehr aufrecht erhalten müssen. Daraus hat sich die Chance ergeben, den Stadtbus in einem sehr schnellen Verfahren zu etablieren. Die Grobplanung war zwar bereits vor 15 Jahren aufgestellt worden, aber damals scheiterte die Einführung aus rechtlichen Gründen, weil die Konzession vergeben war. Die Stadt hat in dem kleinen Zeitfenster, das wir hatten, die Chance ergriffen, in den finanziellen Möglichkeiten, die wir uns auch leisten können, einen Stadtbus zu finanzieren.

Wenn man die Diskussionen verfolgt, die es zum Bus in der Stadt gab und gibt, wäre es nicht günstiger gewesen, noch ein Jahr zu warten und an manchen Punkten – wie beispielsweise der Haltestelle Mühlenbrücke – zu feilen?

Der Stadtbus war zum Ende der Planungsphase ein für die Planung optimiertes System. Wir haben aber von Anfang an gesagt, dass das nicht auf Dauer in Stein gemeißelt ist, sondern dass jederzeit Optimierungen vorgenommen werden können. Wir hatten gerade mit der Haltstelle Mühlenbrücke von Anfang an vor, das Donaucenter einzubinden. Wir haben sehr schnell eine Lösung gefunden, die zwar immer noch nicht die optimalste ist. Aber zumindest kann man den Stadtbus nutzen, um zum Donaucenter zu kommen. Insofern haben wir noch in anderen Haltstellenbereichen Diskussionen und Überlegungen, ob es nicht Optimierungen gibt. Das fließt auch alles in die weiteren Planungen ein. Aber wenn man nur in der Theorie plant und in der Praxis nicht ausprobiert, dann kommt man nie zu einem ganz optimalen Ergebnis. Die theoretische Planung war und ist gut und der Stadtbus hat erfolgreiche Zahlen. Aber wir wollen weitermachen und das System weiter optimieren. Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass wir neue Linien einführen können, aber wir versuchen, auf die Hinweise der Busfahrer und der Bürger einzugehen. Wir denken permanent nach, an welchen Schrauben wir noch drehen können.

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Die Haltestelle auf der Mühlenbrücke wurde als Provisorium eingerichtet. Steht schon fest, ob daraus eine dauerhafte Haltstelle wird?

Wir werden das im nächsten Bus-Ausschuss diskutieren. Wir haben die Ein- und Ausstiegzahlen erfassen lassen und sind in einem Bereich, in dem wir sagen können, dass die Haltestelle sehr genutzt wird. Die vorübergehende Lösung hat der Straßenträger genehmigt, um die konkreten Folgen auszuprobieren können. Wir wollen das Donaucenter weiter angebunden haben, voraussichtlich so, wie es aktuell ist. Mir wäre es noch lieber, wenn der Bus tatsächlich zum Donaucenter fahren würde. Das bekommen wir aktuell aber leider wegen den Fahrzeiten nicht hin. Ob wir das irgendwann mal schaffen, vielleicht mit einer neuen Streckenführung, muss man durchdenken. Aktuell haben wir eine gute Lösung und die würden wir gerne beibehalten.

Sie haben vorher betont, dass der Stadtbus ein Erfolg sei. An was genau machen Sie das fest?

Das ist eine Frage, die wir auch schon miteinander diskutiert haben: Wann ist ein öffentlicher Nahverkehr ein Erfolg? Für mich ist der erste Erfolg schon, dass wir den Stadtbus überhaupt haben. Die Alternative wäre, dass wir gar keinen Stadtbus hätten. In Anbetracht dieser Alternative ist allein schon der Stadtbus für den finanziellen Rahmen, den wir dafür einsetzen, ein Erfolg. Ich kann mir nicht vorstellen, heute eine Stadt in der Größe Donaueschingens zu haben, die im öffentlichen Nahverkehr zurückfällt. Und das würden wir tun.

Und woran machen Sie den Erfolg noch fest?

Es ist auch ein weiterer Erfolg, wenn man sieht, wie das Stadtbussystem aufgebaut ist. Wir haben anstatt einer nun drei Linien. Jede Haltstelle ist innerhalb der Wohnsiedlungen innerhalb 300 Meter erreichbar. Wir haben einen klaren Halbstundentakt. Der reguläre Bus fährt sehr lange und dazu haben wir noch den Rufbus, sodass wir quasi rund um die Uhr ein Angebot für die Bürger haben. Wir haben hochmoderne Busse mit all den Leistungen, die heute technisch möglich sind. Ich würde deshalb schon in soweit von einem Erfolg sprechen.

Dieser Erfolg ist allerdings die reine Existenz des Stadtbusses. Damit wäre das Projekt schon ein Erfolg, wenn niemand einsteigen würde. Irgendwann muss aber die Frage beantwortet werden: Wie viel ist uns der Stadtbus wert?

Das ist der zweite Aspekt. Wir beobachten sehr genau, wie es sich mit den Nutzerzahlen verhält. Wenn keiner mitfahren würde und wir lediglich das Angebot vorhalten würde, wäre der Stadtbus sicher nicht als Erfolg zu betrachten. Deshalb schauen wir, ob der Donaubus angenommen wird, und stellen fest, dass das zunehmend der Fall ist. Wir sehen eine kontinuierliche Steigerung. Und was mich besonders freut, ist, dass die prognostizierten Zahlen des Verkehrsplanungsbüros annähernd erreicht werden, obwohl das im Vorfeld sehr stark infrage gestellt wurde. Wenn wir bei der Frage sind 'Erfolg – ja oder nein' dann ist es erst einmal die Existenz, zweitens sind es die erfreulichen Nutzerzahlen und drittens, dass wir ein Unternehmen gefunden haben, das auf eigenes Risiko den Stadtbus betreibt. Das ist auch nicht selbstverständlich. Normalerweise müsste die Stadt gegebenenfalls Verluste ausgleichen. Aber dass das Gesamtsystem als so attraktiv empfunden wurde, dass ein Unternehmen ein Angebot abgegeben hat, ist ein Erfolg. Wenn man diese drei Punkte miteinander verbindet, sind wir sicher auf einem guten Weg.

Das Unternehmen würde viel lieber den Fokus auf die Einzelfahrten legen, weil es die kompletten Einnahmen erhält. Bei Abokarten wird über einen Verteilungsschlüssel des Kreises abgerechnet. Der Fokus des Marketings soll allerdings auf den Abos liegen, weil diese die Fahrgastzahlen erhöhen. Wie passt das zusammen?

Wir müssen aus städtischen Interessen heraus handeln. Die Interessen der Stadt sind es, ein attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr zu schaffen und dem Individualverkehr eine Alternative entgegenzusetzen. Es ist nicht unser Interesse, dass die Leute ab und zu mit dem Donaubus fahren. Sondern dass sie ein Abo anschaffen, weil sie dann immer mit dem Stadtbus fahren und so den Donaubus alternativ zum Auto nutzen können. Verkehrskonzept, Tourismuskonzept, Stadtbuskonzept: Alle haben das Ziel, den Autoindividualverkehr aus der Innenstadt herauszubringen und so den Bereich zu beruhigen. Deshalb liegt das Aboticket im Interesse der Stadt. In Bezug auf das Verteilen der Gelder muss das gesamte Verbundsystem aktualisiert werden, das noch aus einer Vereinbarung Ende der 1990er Jahre resultiert. Unserem Unternehmen – der Verkehrsgesellschaft Bregtal – lag das Ein-Euro-Ticket am Herzen, weil es zu 100 Prozent dem Stadtbus zufließt. Beim regulären Einzelticket ist das nicht so. Deshalb verstehe ich auch, dass unser Unternehmen sagt, dass das Ticket, bei dem sie alles bekommen, hochinteressant ist. Ich muss aber im Sinne der Stadt denken: Wenn ich einen Nutzer langfristig binde, ist das viel besser.

Aber im Sinne der Stadt müssen Sie spätestens in einem Jahr auch mit der der Verkehrsgesellschaft Bregtal den Vertrag neu verhandeln.

Das sind wir guter Dinge. Die Zahlen entwickeln sich gut und das Unternehmen ist sehr zufrieden. Es muss auch im Interesse des Unternehmens sein, dass nicht Einzeltickets von den Nutzern gekauft werden, sondern das sie möglichst langfristig an den Stadtbus gebunden werden. Was nicht passt, ist die Verteilung der Gelder innerhalb der VSB. Da muss eine Neuregelung her. Wenn ich hier ein Monatsticket kaufe, um großteils mit dem Stadtbus zu fahren, dann sollte auch dem Stadtbus-Unternehmen der Löwenanteil zufließen. Deshalb sind die Unternehmen auch schon seit mehreren Jahren dabei, die Verteilung der Einnahmen in eine neue Vereinbarung zu gießen. Da wird dann auch das Thema Kurzstreckenstarif eine Rolle spielen. Nur können wir natürlich nicht unsere Werbung daran ausrichten, wie die Unternehmen am besten Geld verdienen.

Sie haben gerade die Werbung angesprochen: Wie erfolgreich ist es, die Leute mit Gratiseis, hübschen Taschen und Kugelschreibern in den Bus zu locken?

Da bin ich vielleicht der falsche Ansprechpartner, weil ich nicht Werbung studiert habe und mich nicht im Detail auskenne. Es ist eine Frage, die sicherlich auch zurecht gestellt wurde: Wird jemand den Stadtbus nutzen, bloß weil ich ihm ein Eis ausgebe? Das ist aber bei vielen Werbeaktionen zu hinterfragen. Es ist eine Imagewerbung, um die Marke Donaubus bekannt zu machen und vielleicht auch das Interesse zu wecken, dass man sich etwas näher damit auseinandersetzt. Ob das gut ist oder nicht, werden letzten Endes die Zahlen zeigen. Es ist aber fraglich, ob alle Zahlen mit Werbeaktionen in Verbindung gebracht werden können. Was ich aber schon merke und was durch die Werbung befeuert wird: Es ist ein reges Interesse da. Die meisten Bürger sind wohl schon einmal mit dem Logo oder dem Donaubus in Kontakt gekommen. Wir können nur die Vorgaben und Anregungen des Planers mitnehmen. Diese sagen, dass wir den Fokus klar auf den Donaubus richten müssen. Denn die ersten Jahr sind die schwersten, in denen man die Leute erst einmal für das Bussystem begeistern muss.

Die Anbindung des Gewerbegebiets Breitelen Strangen ist immer wieder Thema. Wie sieht es da aus?

Da kann ich auch nur unseren Planer zitieren: Gewerbegebiete sind im Bezug auf den Busverkehr eine etwas eigene Sache. Wir haben drei Zeiten am Tag, in denen das stark genutzt wird: morgens zum Arbeitsbeginn, in der Mittagspause und abends zum Feierabend. In den Zeiten dazwischen gibt es wenig Bedarf. Deshalb haben wir entschieden, dass das in der ersten Phase sicher nicht die richtige Linie ist. Eine Abänderung der bestehenden Linie widerspricht dem System mit einer klaren Linienführung und die Fahrgäste kommen nicht mehr auf dem schnellsten Weg zu ihrem Ziel, weil sie eine große Schleife fahren müssen. Man könnte überlegen, ob man wirklich den Halbstundentakt für das Gewerbegebiet anbieten will oder ob man dies einfach morgens, mittags und abends abdeckt, um ein Angebot zu schaffen. Das wird sicher in der nächten Phase des Stadtbusses durchdacht. Und wir haben ja auch noch Allmendshofen. Aber aus fester Überzeugung sage ich, dass das bestehende System erst einmal in ein ruhiges Fahrwasser kommen sollte, dass es von den Bürgern angenommen und immer mehr angenommen wird. Dann wird jeder erkennen, dass es ein Erfolg ist.

Fragen: Stephanie Jakober

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