Heute vor einem Jahr stellte ein einfaches Straßenschild die Donaueschinger Verkehrswelt auf den Kopf: Denn seit 365 Tagen kann man an der Stadtkirche zwar noch in die Innenstadt finden, aber der Weg hinaus wird mit einem roten Schild mit weißem Balken untersagt. Die Maßnahme, die im Rahmen des Verkehrskonzeptes umgesetzt worden ist, hatte schon im Vorfeld für hitzige Diskussionen gesorgt, die auch nicht abgeebbt sind, nachdem das Schild stand und enthüllt worden war.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Am 24. April des vergangenen Jahres fließt der Verkehr hier noch in beide Richtungen. Ein Tag später wurde das Einbahnstraßenschild enthüllt.
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Am 24. April des vergangenen Jahres fließt der Verkehr hier noch in beide Richtungen. Ein Tag später wurde das Einbahnstraßenschild enthüllt. | Bild: Simon, Guy

Haben die Donaueschinger Autofahrer nun ein Jahr nach Einführung der Einbahnstraße ihren Frieden mit dem Schild geschlossen? Bei Weitem nicht. Die hitzige Diskussion ist zwar mittlerweile etwas abgekühlt, doch immer noch gibt es viele, die die Einbahnstraße für eine Fehlentscheidung halten. Selbst auf die Kommunalwahl hat das Schild seinen Einfluss, so gaben doch etliche Kandidaten bei den Nominierungsversammlungen bekannt, dass sie sich aufgrund des Verkehrskonzeptes, oder vielmehr aufgrund der Einbahnstraße, zur Kandidatur entschieden haben.

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Obwohl die Einbahnstraße an der Stadtkirche nur eine von vielen Maßnahmen des Verkehrskonzeptes ist, setzen viele doch beides miteinander gleich. Dass der Verkehr auf der Herrmann-Fischer-Allee mittlerweile so flüssig läuft, dass dort sogar zu schnell gefahren und ein Blitzer aufgestellt wurde, spielt bei den Diskussionen kaum eine Rolle. Und viele Maßnahmen stehen noch aus, wie beispielsweise der Bau des Parkdecks hinter dem blauen Rathaus oder der Ausbau des Hindenburgrings. Daher war auch der Zeitpunkt, an dem die Einbahnstraße eingerichtet wurde, für viele unverständlich – allen voran für den Gewerbeverein. Sollte man nicht erst alle anderen Maßnahmen umsetzen, bevor man dann die Einbahnstraße einrichtet? Doch auch wenn die verschiedenen Maßnahmen in den Unterlagen untereinander stehen und die Einbahnstraße erst am Ende aufgeführt ist – eine Reihenfolge war nie festgelegt worden.

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Doch wie hat sich die Einbahnstraße nun wirklich ausgewirkt? Hat sich der Verkehr, wie vom Planungsbüro Karajan prognostiziert, auf den Ring – bestehend aus Bahnhofstraße, Hermann-Fischer-Allee und Hindenburgring verlagert? Oder wird hauptsächlich der Schleichweg durch die Werderstraße genutzt? Am 12. März wurde der Verkehr noch einmal gezählt und der Verkehrsplaner Jürgen Karajan hat die Ergebnisse mit den Zahlen der Zählung, die im Jahr 2015 stattgefunden hat, verglichen und mittlerweile auch ausgewertet.

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Durch die Einbahnregelung für die Fürstenbergstraße sei der Verkehr vor der Stadtkirche stark reduziert worden. Auch die Situation an der Engstelle habe sich für die Fußgänger und den Kfz-Verkehr deutlich verbessert. "Erkennbar sind unerwünschte Verkehrszunahmen in Richtung Karlstraße", heißt es in der Verkehruntersuchung, die am kommenden Dienstag, 30. April, im Gemeinderat vorgestellt wird. Diese würden aus der Einbahnstraße und die "teilweise Verlagerung des Durchgangsverkehrs" in die Karl- und Werderstraße resultieren.

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"Die prognostizierten Verlagerungen auf den Hindenburgring und die Hermann-Fischer-Allee sind zwar eingetreten, aber nicht in der erwünschten Höhe", heißt es weiter. Schon eine Untersuchung des Ordnungsamtes, die drei Monate nach Einführung der Einbahnstraße stattgefunden hatte, hatte eine Verdreifachung der Zahlen ergeben. Viele Autofahrer hatten damals angegeben, dass sie zwar die Alternative-Strecke durchaus kennen, aber bewusst durch die Werderstraße fahren würden. Die jüngste Zählung hat nun einen Anstieg des Verkehrs in der Wohnstraße um 228 Prozent ergeben.

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Warum wählen viele nicht die alternative Strecke über den Ring? Mit ein Grund dürfte die Bahnhofstraße mit ihren drei Ampeln hintereinander sein. Denn hier stehen Autofahrer oft – vor allem wenn dann auch noch andere Verkehrsteilnehmer den Posthof verlassen wollen oder Fußgänger die Straße überqueren wollen und die Ampel ihnen den Weg frei gibt. Hier hat das Planungsbüro mittlerweile vier mögliche Maßnahmen erarbeitet, um die Situation zu verbessern.