„Wir sind einig!“ Im Prozess um den Wiederaufbau des 2015 von einem Tornado zerstörten Buchhof bei Blumberg-Fützen markierte dieser Satz vor dem Konstanzer Landgericht eine Wende. Der Satz kam von den beiden Vertretern der Versicherung R + V, Rechtsanwalt Heinz Kraus und Syndikus Christoph Schmidt. Rechtsanwalt Michael Plener, der den Landwirt vertrat, bestätigte dies.

Der Buchhof ist einer von sieben Aussiedlerhöfen Fützens Richtung Beggingen. Am 13. Mai 2015 wurde er durch einen Tornado zerstört, das Bild entstand im April 2018.
Der Buchhof ist einer von sieben Aussiedlerhöfen Fützens Richtung Beggingen. Am 13. Mai 2015 wurde er durch einen Tornado zerstört, das Bild entstand im April 2018. | Bild: Lutz, Bernhard
  • Das Ergebnis: Beide Parteien schlossen einen Vergleich. Danach erhält Landwirt Otmar Meister zu den bereits am 1. März 2016 von der Versicherung erhaltenen 165 080,43 Euro weitere 180 000 Euro, darin sind sämtliche weiteren Ansprüche abgegolten. Die Anwaltskosten bezahlt jede Seite selbst, die Gerichtskosten werden geteilt. Otmar Meister hatte den Neuwert des Anwesens mit drei Gebäuden gefordert, das er im Jahr 2007 bei der Versicherung R +V zum Neuwert versichert hatte. Der Gutachter der Versicherung hatte den Neuwert auf 470 000 Euro taxiert, nach den bereits fertigen Architektenplänen würde der Wiederaufbau mehr als 500 000 Euro kosten, sagt Otmar Meister.
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  • Der Weg: Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Dieter Scholz den komplexen Fall in 20 Minuten zusammengefasst. Der Landwirt habe ausgesagt, er sei bei Abschluss der Versicherung falsch beraten worden, als er den Hof 2007 zum Neuwert versichert habe und fordere die 470 000 Euro, auf die ein Gutachter der Versicherung den Hof nach dem Schadenfall taxiert habe. Für den Beratungsfehler, so der Richter, gebe es nach der letzten Verhandlung durchaus Anhaltspunkte.
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  • Andererseits besage die Zeitwertklausel im Vertrag, dass der Hof für eine Regulierung nach dem Neuwert noch mindestens 50 Prozent des Neuwerts haben müsste, den der Versicherungsgutachter aber nur auf 35 Prozent taxiert hatte. Zudem hätte der Hof innerhalb von drei Jahren wieder ganz aufgebaut werden müssten, was den Landwirt in "Zwickmühle" gebracht habe, da er dafür zuerst den vollen Betrag benötigt hätte.

Der Vorschlag des Richters

  • Um eine drohende zeitaufwendige Beweisaufnahme mit weiteren Gutachten sowie einen weiteren Zeitverlust für Landwirt Otmar Meister zu vermeiden, schlug Richter Dieter Scholz deshalb folgendes vor: Beim Hof die Nettodifferenz zwischen Zeit- und Neuwert zu halbieren, dazu die Differenz zwischen Zeit- und Neuwert beim Maschinenschuppen, der unstrittig ebenfalls zum Neuwert reguliert werden sollte, zu addieren, sowie die unstrittigen Auf- und Abräumkosten zu addieren. Richter Scholz kam so auf einen Betrag von 166 786 Euro, dazu sollten noch die Mehrwertsteuer der nachzuweisenden Aufbaukosten kommen.
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  • Die Reaktion: Beide Parteien bekundeten, darüber nachzudenken. Letztlich bot die Versicherung an, noch 180 000 Euro zu bezahlen, inklusive Mehrwertsteuer, was Landwirt Meister und sein Anwalt dann akzeptierten.
  • Stimmen: Landwirt Otmar Meister war nur bedingt zufrieden: "Im Prinzip habe ich jetzt weniger als ich vor zwei Jahren erhalten hätte. Beim Prozess werde alles in die Länge gezogen. Sein Anwalt Michael Plener betont, die Beratung eines Versicherungsvertreters müsse sauber sein. "Die Objektivität, die mein Mandant erwartet hat, hat gefehlt." Richter Dieter Scholz dankte beiden Parteien, dass sie an der Einigung interessiert gewesen seien.