Für die Narren sind diese Wintertage nicht leicht: Eigentlich wäre die Fasnacht jetzt in vollem Gange. Auf bunten Abenden, Narrentreffen und Umzügen würden Brauchtum und Tradition hochgehalten und gefeiert. Nun macht die Corona-Pandemie närrische Zusammenkünfte im realen Leben unmöglich. Aber die Mitglieder der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (NVHB) lassen sich nicht unterkriegen. Sie verlegten die geplanten Narrentage in Owingen und Hoppetenzell kurzerhand ins Internet.

Jeweils 60 der 120 Mitgliedszünfte waren eingeladen, zum Gelingen des virtuellen Experiments beizutragen. Und nachdem beim ersten Mal über 26.000 Zugriffe auf die Webseite der NVHB erfolgt und gleich zu Beginn um 14 Uhr die Server zusammengebrochen waren, konnten alle Interessierten die Seite beim zweiten virtuellen Narrentag schon ab dem frühen Sonntagmorgen besuchen. Am Sonntag und den Tagen davor gingen exakt 1013 Nachrichten per WhatsApp bei der Narrenvereinigung ein. Daniel Faschian, Medienbeauftragter der NVHB, lud die Bilder, Grüße und Sprüche fortlaufend hoch.

Hoppetenzell hätte zum Narrentag gerne 35 bis 40 Narrenzünfte empfangen. Nun blieb das Narrennest verwaist, aber über 30.300 Klicks beim virtuellen Narrentag zeigen die große Verbundenheit der Narren. Hier eine Bildschirmaufnahme.
Hoppetenzell hätte zum Narrentag gerne 35 bis 40 Narrenzünfte empfangen. Nun blieb das Narrennest verwaist, aber über 30.300 Klicks beim virtuellen Narrentag zeigen die große Verbundenheit der Narren. Hier eine Bildschirmaufnahme. | Bild: Claudia Ladwig

Die Narren teilten Erinnerungen an unbeschwerte, vergangene Fasnachtstreffen. Viele zeigten sich zuhause im Familienkreis, andere hatten sich lustige Situationen im Garten oder vor dem Haus ausgedacht. Die Menge der Fotos und der Zugriffe macht deutlich: Die Fasnachtsfans der Region sehnen sich nach gemeinsamen Feiern, nach dem bunten Treiben in den Straßen und Besenwirtschaften. Sie freuten sich, ihr Häs anzuziehen und wenigstens über den Bildschirm miteinander verbunden zu sein. Viele herzliche Grüße und Glückwünsche gingen nach Hoppetenzell. Immer wieder drückten die Teilnehmenden auch ihr Bedauern aus, dass sie sich nicht vor Ort begegnen konnten.

Diesmal klappte alles reibungslos: Schon ab dem frühen Sonntagmorgen konnten närrische Besucher auf die Seite der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zugreifen und die ersten Bilder und Grußworte ansehen. Hier eine Bildschirmaufnahme mit VVHB-Präsident Rainer Hespeler.
Diesmal klappte alles reibungslos: Schon ab dem frühen Sonntagmorgen konnten närrische Besucher auf die Seite der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zugreifen und die ersten Bilder und Grußworte ansehen. Hier eine Bildschirmaufnahme mit VVHB-Präsident Rainer Hespeler. | Bild: Claudia Ladwig

In seinem Grußwort sagte Rainer Hespeler, Präsident der NVHB, die Frösche stiegen pünktlich zum runden Geburtstag aus ihrem Sumpf im Stockacher Hinterland empor zum Mittelpunkt der Hegau-Bodensee-Fasnacht. „Wir küssen den Frosch zum Prinzen.“ Er gratulierte zum 60-jährigen Bestehen der Zunft und hatte auch ein Geschenk. Als Dank für die immense Arbeit im Zusammenhang mit der Organisation des eigentlichen Narrentags überreichte er schon mal virtuell einen original Ehrennarren des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein.

Achim Kempter, der Vorsitzende der Froschzunft Quak-Quak in Hoppetenzell, begrüßte die Gäste ebenfalls in einem kurzen Film. „Das Narrennest ist verwaist, unter normalen Umständen wäre es wohl zum 60-jährigen Bestehen aus allen Nähten geplatzt“, erklärte er. Die Zunft und das ganze Dorf seien top motiviert gewesen, den Besuchern ein paar kleine, feine und unvergessliche Narrentage auszurichten. „Leider ist es bloß beim unvergesslich geblieben“, ergänzte er. Das sei doppelt traurig, weil sie schon 1991 mit ihren Planungen ins Leere gelaufen seien. Seine Schlussfolgerung: „Vielleicht sind wir auch einfach nicht für ein Leben hinter der Theke geboren.“

Der Vorsitzende der Froschzunft Hoppetenzell, Achim Kempter, feierte am virtuellen Narrentag zu Hause mit seiner Familie. Henry (links) und Hannah hatten offenbar auch Spaß daran, den Tag im Häs zu verbringen.
Der Vorsitzende der Froschzunft Hoppetenzell, Achim Kempter, feierte am virtuellen Narrentag zu Hause mit seiner Familie. Henry (links) und Hannah hatten offenbar auch Spaß daran, den Tag im Häs zu verbringen. | Bild: Privat

Am Abend äußerte er sich hochzufrieden mit dem virtuellen Narrentag. „Wir hatten uns ja schon länger damit abgefunden, dass ein realer Narrentag nicht stattfinden kann. Mit unserer kleinen, coronakonformen Narrenmesse in der Kirche und dem Online-Angebot haben wir das Beste herausgeholt, was man aus der Situation machen konnte.“

Auch Daniel Faschian und Rainer Hespeler waren überwältigt. „Es war sensationell – so viele Schnappschüsse von Leuten, die heute im Häs gefeiert haben.“ Die NVHB wolle ihren Zünften die Möglichkeit geben, Dinge durchzusetzen, die im Rahmen der Corona-Vorgaben zulässig sind, damit sie wenigstens ein bisschen das Gefühl von Fasnacht hätten, so Hespeler. Man müsse dabei auch an die vielen Kinder im Hintergrund denken, denen die Fasnacht stets große Freude bereite.

Viele Spenden für das Fasnachtsmuseum

Im Laufe des virtuellen Narrentags wurde eine besondere Liste immer länger: Einige Besucher kamen dem Spendenaufruf der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee für das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein nach. Rainer Hespeler hatte noch einmal um Unterstützung gebeten, damit dieses Leuchtturmprojekt für die Region endlich gebaut werden könne. Um 17 Uhr lag der seit dem 11. November 2020 gesammelte Spendenbetrag bei 83.710 Euro von angestrebten 150.000 Euro. 382 Unterstützer haben dazu beigetragen. Der Finanzierungszeitraum endet am Aschermittwoch, 17. Februar, um 23.59 Uhr. Hier gibt es die Details zu der Spendenaktion.