Diese Woche ging es in Stockach nach langer Durststrecke aufgrund von Corona endlich wieder mit den Märkten los: Am Mittwoch war Flohmarkt auf dem Supermarkt-Parkplatz am Dillplatz und am Donnerstag fand dann der Krämermarkt in der Stockacher Oberstadt statt.

Bei beiden Märkten war die Stimmung unter Anbietern und Kunden gleichermaßen positiv und fröhlich. Viele Händler boten ihre Waren feil und viele Marktbesucher nutzten die Angebote zum gemütlichen Freiluft-Bummel.

Hygieneregeln werden eingehalten

Zum Flohmarkt kamen nicht nur Besucher aus Stockach – es waren auch Besucher aus Überlingen, Düsseldorf oder Mannheim da, die unter dem stahlblauen Himmel zwischen den bunten Ständen flanierten.

Organisator Norbert Neon und seine Flohmarkt-erprobte Hündin Loona wachten darüber, dass auf dem Markt die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten wurden und erlaubte sich auch, Menschen charmant zurechtzuweisen, die dies nicht taten, wenn beispielsweise bei jemandem die Maske fehlte.

„Wir freuen uns, dass die Stadt, speziell das Ordnungsamt, das Vertrauen in uns hat, den Markt durchzuführen.“ Der Markt, so erklärt Neon, dürfe stattfinden weil es nur ein kleiner Markt sei, bei dem sich alles gut überschauen ließe. „Wir passen gut auf die Einhaltung der Regeln auf, denn wir wollen ja hier weitermachen.“

Keine Angst vor einer Infektion

Von Angst oder Sorge, sich mit Covid-19 anzustecken, ist den Marktbesuchern nichts anzumerken. Sie freuen sich allesamt, halten gut die Abstände ein und desinfizieren sich an den vielerorts aufgestellten Desinfektionsbehältern die Hände. „Ich habe keine Angst“, sagt zum Beispiel Hans-Jürgen Wurster, der gerne auf dem Markt ist, obwohl er Risikopatient ist. „Wenn man sich an die Regeln hält, dann passiert auch nichts.“

Neben Kunden wie der Familie Manco, die regelmäßig auf Flohmärkten Spiel- und Kleidungssachen für ihr Kind kaufen, oder Monika Kanteh aus Düsseldorf, die gemeinsam mit ihrem Freund gerne Flohmärkte auf der Suche nach Urigem oder Hübschem aus den 1950er-Jahren durchkämmt und auch in Stockach wieder fündig wurde, sind auch die Flohmarkt-Händler wieder in ihrem Element: „Es wird Zeit, dass endlich wieder Flohmarkt stattfindet“, sagt Manuela Dunkhase, die mit ihrem feilzubietenden Flohmarkt-Kram von Hüfingen-Fürstenberg angereist ist. „Wir alle haben unsere große Flohmarkt-Familie sehr vermisst.“

Viele Händler beim Krämermarkt

Nachdem wegen Corona schon länger kein Krämermarkt mehr in der Stockacher Oberstadt stattfand, kam man doch dem Wunsch vieler Pandemie-gebeutelter Markthändler nach: So konnte der Krämermarkt am Donnerstag wieder stattfinden – mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Händlern.

Als Veranstaltung unter freiem Himmel und unter Beachtung aller Abstands- und Hygieneregeln berge der Markt kein erhöhtes Infektionsrisiko, ließ Peter Fritschi, Leiter des Baurechts- und Ordnungsamts, für die Stadtverwaltung von Stockach im Vorfeld verlauten.

„Wir sind überglücklich“

Den Teilnehmern, Händlern wie Marktbesuchern, war die Freude über die langersehnte „Wiederauferstehung“ des Krämermarktes anzusehen. „Wenn Sie das fühlen könnten, was wir fühlen – das lässt sich mit Worten gar nicht beschreiben“, strahlt Helga Schmeh, die mit ihrem Mann Reinhard Schmeh mit dem Hut- und Mützenstand von „Chapeau Claque“ dabei ist.

Und Reinhard Schmeh fügt hinzu: „Wir sind überglücklich. Man hat ja immer wenig Kontakt zu den Menschen gehabt, und wenn der weg fällt, das schlägt schon ganz schön auf die Seele.“

„Der Kontakt fehlt den Leuten“

Auch Ulrich Kleinknecht (Kurz- und Haushaltswaren) weist auf die fehlende Kommunikation während des Lockdowns und in der Zeit der Marktverbote hin: „Der Kontakt fehlt den Leuten, speziell den älteren. Uns haben sogar Stammkunden angerufen, wann wir endlich wiederkommen. Auf dem Markt wird gesehen, gefühlt, berührt, gekauft und geredet. All dies kann nun wieder stattfinden, zumindest in einigen Gemeinden.“

Bislang sind es nämlich neben Stockach nur wenige Gemeinden in unserer Region, die Märkte wie den Krämermarkt überhaupt zulassen, unter ihnen Markdorf oder Friedrichshafen. Darum sind die in Stockach zahlreich herbei gekommenen Händler der Stadt auch sehr dankbar für die Möglichkeit, den Markt dort abzuhalten.

„Markt ist Kommunikation“

Hierzu sagt Edgar Schweizer, der mit Mützen und Hüten handelt und seit 30 Jahren mit seinem Stand nach Stockach auf den Markt kommt: „Wir sind glücklich, dass der Krämermarkt hier in Stockach stattfinden darf, denn vielerorts sind zwar die Wochenmärkte erlaubt, aber die Krämermärkte verboten. Das ist unlogisch und ungerecht.“

Auch Schweizer betont die Wichtigkeit des Marktes: „Markt ist Kommunikation und deshalb funktioniert er auch heute, in der Zeit der allgemeinen Vereinsamung, noch immer.“

Das könnte Sie auch interessieren