Das Stockacher Miró-Halbjahr hat nicht nur mit einer sehr gut besuchten Vernissage, sondern auch den ersten Schülerführungen begonnen. Zahlreiche Kunstinteressierte nutzten die Vernissage zu „Joan Miró – Magie der Zeichen“ am Donnerstagabend, um die mehr als 80 Werke zu bestaunen und anzuschauen, was das Team um Johannes Waldschütz auf die Beine gestellt hat. Am Freitagmorgen erhielten bereits drei Schulklassen Einblicke.

Bürgermeister Rainer Stolz hob bei der Vernissage die kulturelle Entwicklung in Stockach hervor. Dies sei bereits die dritte große Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Heinrich Wagner. „Ich bin sicher, es wird ein fulminanter Erfolg, so wie wir ihn auch mit der Chagall-Ausstellung hatten“, sagte Stolz.

Die Vernissage-Besucherinnen Margit Allgaier-Kühnmundt (hinten) und Karin Kirgus sind von den Würfeln fasziniert, die Bildmotive von ...
Die Vernissage-Besucherinnen Margit Allgaier-Kühnmundt (hinten) und Karin Kirgus sind von den Würfeln fasziniert, die Bildmotive von Miró ergeben. | Bild: Löffler, Ramona

Dabei sei ein wichtiger Aspekt, dass sich die Ausstellung mit dem Begleitprogramm auch den Kindern und Jugendlichen zuwende. „Es ist wichtig, früh zu beginnen, Kunst zu erleben und zu verarbeiten“, so Stolz. Er sei den Sponsoren sehr dankbar, die das Rahmenprogramm ermöglicht haben, da es nicht darum gehe, einfach nur Bilder hinzustellen.

Bild: Löffler, Ramona

Miró-Bilder sind einzigartig und sofort erkennbar

Ehe Museumsleiter Johannes Waldschütz den Gästen über das Leben und Schaffen von Joan Miró erzählte, sorgte die Gipsy-Swing-Gruppe „Django‘s Tigers“ für musikalische Unterhaltung. Waldschütz erläuterte, Miró habe daran geglaubt, dass Kunst etwas bewirke. Der Künstler habe inspirieren wollen.

„Manche Bilder schaut man an und vergisst sie nie wieder“, schwärmte Waldschütz. „Die Miró-Bilder sind einzigartig und sofort erkennbar.“ Miró sei seinen eigenen Weg gegangen und habe sich nicht unterordnen wollen. Seine Zeichen und Formen hätten einen Wiedererkennungswert.

Bild: Löffler, Ramona

Miró sei sein Leben lang neugierig geblieben und habe seine Techniken weiterentwickelt. Es sei ihm um das Experimentieren mit den Formen gegangen. Die Druckgrafiken hätten die Chance zur Variation eines Motivs mit Farbe gegeben. Manchmal habe der Künstler sogar Monate oder Jahre an einem Bild gearbeitet, bis er damit zufrieden gewesen sei.

„Die Bilder sind nicht automatisch spontan, aber auch nicht durchkomponiert“, fasste Waldschütz zusammen. Obwohl er Wikipedia zitierte, tat er dies, um darauf hinzuweisen, dass manche Beschreibungen Miró gar nicht gerecht würden.

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Programm mit Führungen und Flamenco

Im Hinblick auf das Begleitprogramm mit Führungen, Workshops und weiteren Veranstaltungen sowie Themenkisten und dem zurückliegenden Logo-Wettbewerb ergänzte Waldschütz, das Leitbild der Ausstellung sei die Anregung zur Auseinandersetzung mit den Werken. „Wir wollten ein ungewöhnliches Programm, das nicht eng am Bild verharrt.“ So gebe es zum Beispiel auch eine Kreativwand oder einen Flamenco-Abend. Alle Logo-Entwürfe der Schüler seien im Treppenhaus des Alten Forstamts zu bestaunen.

Die Ausstellungsstücke setzen sich aus der Sammlung Heinrich Wagner und Leihgaben von Privatpersonen, der Galerie Vayhinger in Singen sowie eines großen Galeristen aus dem Rheinland zusammen. Zu den Besonderheiten gehört laut Waldschütz eine Monotypie, also ein Bild, das nur ein einziges Mal gedruckt worden ist. Es sei eine von nur 15 Monotypien von Miró. Der Künstler habe dabei direkt auf die Metalldruckplatte gemalt. Ein Bild namens „Daphnis und Chloe“ schlage außerdem den Bogen zur Chagall-Ausstellung vor drei Jahren.

Bild: Löffler, Ramona

Was die Besucher so begeistert

Elisabeth Heine und Elisabeth Hermenau gehörten zu den Besuchern der Vernissage. Eines ihrer Lieblingsbilder ist Blatt 10 aus „Joan Miró – der Lithograf“ und war bereits in der ersten Ausstellung mit Werken aus der Wagner-Sammlung. Es gebe viele Bilder, die berühren. Man könne es nicht in Worte fassen, so Elisabeth Hermenau über die Werke von Miró. Rainer Stolz zeigte sich ebenfalls beeindruckt von den kraftvollen Farben und der Vielfalt der Präsentation: „Es ist ein Abenteuer, die beiden Stockwerke im Museum zu begehen.“

Bild: Löffler, Ramona

Willi Zöller war einer von mehreren Vertretern der Bürgerstiftung bei der Vernissage. Er finde es toll, was Stockach im kulturellen Bereich mache. Ihm gefallen viele Motive im Museum. Er wolle die Ausstellung nochmal besuchen und sich die Werke noch näher anschauen. „Es ist interessant, die verschiedenen Techniken von Miró kennenzulernen. Und es ist schön, dass man auch Künstlerwerkzeug sieht, weil viele nicht wissen, wie Lithografien entstehen“, sagte er in Bezug auf die verschiedenen Dinge in der Ausstellung, Erklärungen und Darstellungen von Mirós Arbeitsweise. Die Bürgerstiftung unterstütze sehr gerne die Führungen.

Wie schon bei den beiden früheren großen Ausstellungen kamen Karin Kirgus und Margit Allgaier-Kühnmundt extra von weiter her nach Stockach. Sie ließen sich viel Zeit, um die Bilder und interaktiven Elemente zu entdecken, so zum Beispiel Würfel, die Bildmotive ergeben. Das soll aber nicht der einzige Besuch in der Ausstellung bleiben: „Ich komme bestimmt wieder“, kündigte Margit Allgaier-Kühnmundt an.

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