Gabriela Rist aus Winterspüren steht mitten in einem abwechslungsreichen Berufsleben. Als medizinisch-technische Assistentin hat sie viele Jahre in der Forschung gearbeitet. Dann kam ihre Tochter zur Welt und sie blieb drei Jahre zu Hause.

Anschließend absolvierte sie eine tanzpädagogische Ausbildung, wurde Pilates-Trainerin, leitete Kinderturngruppen und gab Mal-, Tanz- und Pilates-Kurse. Jetzt arbeitet sie in einem Stockacher Modegeschäft – und wieder spielen Farben und Formen eine große Rolle.

Hilft gegen Sorgen und Ängste

Sie habe schon immer selbst gestaltete Geschenke gemacht, erzählt sie. In der Pandemie-Zeit empfinde sie das Gestalten als Ablenkung und Mutmacher. Sie sprudelt geradezu vor kreativen Ideen. Gerne bemalt sie beispielsweise Steine und Schneckenhäuser. Wenn man draußen auf der Suche nach kleinen Dingen unterwegs sei, vergesse man seine Sorgen und Ängste, sagt sie.

Und das Material koste fast nichts – bis auf die Farbe. Sie verwendet als Grundlage Dispersionsfarbe, die sie in kleine Gläser abfüllt. „Die Grundfarben Rot, Gelb und Blau brauche ich, dazu Weiß, Schwarz und Braun.“ Alle anderen Farbtöne mischt sie selbst, bis ihr der Ton gefällt. Auch Acrylfarben und sogar Wasserfarben ließen sich mit weißer Dispersionsfarbe wunderbar mischen, erzählt sie.

Ein kleiner Bereich in der Küche ist immer ihrem Hobby gewidmet. Gabriela Rist hat hier alle Farbflaschen bereitgestellt, um jederzeit mit dem Malen beginnen zu können. Um ihre Kleidung zu schützen, trägt sie einen Malerkittel.
Ein kleiner Bereich in der Küche ist immer ihrem Hobby gewidmet. Gabriela Rist hat hier alle Farbflaschen bereitgestellt, um jederzeit mit dem Malen beginnen zu können. Um ihre Kleidung zu schützen, trägt sie einen Malerkittel. | Bild: Claudia Ladwig

Zuerst sollte man den Arbeitsplatz vorbereiten. Gabriela Rist empfiehlt eine Lacktischdecke und einen Malerkittel oder ein altes Hemd, um Möbel und Kleidung zu schützen. Die Farbe gehe nicht mehr raus, warnt sie. Von Fliesen könne man Farbklekse gut entfernen, aber auch hier lautet ihr Tipp, den Boden mit Malerfolie oder Zeitungspapier abzudecken. Sie nutzt die Deckel von Marmeladengläsern, um darin ihre Farben zu mischen. „Man geht damit ganz sparsam um und gibt kein Wasser dazu.“

Die Ränder der Farbeimer müssen immer sauber sein und die Deckel gleich wieder gut verschlossen werden, dann trocknet die Farbe nicht ein und hält ewig. Pinsel brauchen nicht teuer sein, geeignet sind je nach Vorliebe und Technik Borsten- oder Haarpinsel. „Die muss man nach der Arbeit immer gut auswaschen, sonst werden sie hart“, rät sie.

Rote und weiße Farbe ergeben Rosa – das wissen längst nicht alle Menschen, hat Gabriela Rist festgestellt. Sie empfiehlt, kleine Farbmengen in einem Deckel zu mischen, um sich so an die gewünschten Farbtöne heranzutasten.
Rote und weiße Farbe ergeben Rosa – das wissen längst nicht alle Menschen, hat Gabriela Rist festgestellt. Sie empfiehlt, kleine Farbmengen in einem Deckel zu mischen, um sich so an die gewünschten Farbtöne heranzutasten. | Bild: Claudia Ladwig

Dann kann es losgehen. Wenn man erst einmal angefangen hat, kreativ zu sein, kommen neue Ideen von selbst. Die Steine können mit Zebrastreifen und anderen Tiermustern oder ganz fantasievoll mit bunten Kringeln oder Formen individuell gestaltet werden. Gabriela Rist hat auch ganz viele Glückskäfer gemalt, die schon beim Betrachten gute Laune verbreiten.

Jede Schicht muss trocknen, bevor die nächste folgt. Am Schluss versiegelt ein Lack das Kunstwerk. Dafür nimmt Gabriela Rist wasserlöslichen Lack, wenn die Steine im Haus bleiben, oder Parkettlack, wenn sie draußen den Garten verschönern sollen. „Es geht aber auch mal durchsichtiger Nagellack, wenn es ein kleines Teil ist und gerade nichts anderes da ist“, sagt sie.

Steine als bunte Glückskäfer bringen gute Laune. Zwischen dem Auftragen müssen die unterschiedlichen Farben trocknen.
Steine als bunte Glückskäfer bringen gute Laune. Zwischen dem Auftragen müssen die unterschiedlichen Farben trocknen. | Bild: Claudia Ladwig

Ihr gefällt neben den schönen Geschenken, die scheinbar mühelos entstehen, die meditative Wirkungsweise dieser Beschäftigung. Sie betont: „Stressminimierung, Freude, Glück, Sorglosigkeit, an nichts denken außer an Farbe und Gestaltung: Das tut unserer Seele und unserem Herzen gut.“ Herbstblues oder depressive Verstimmungen hätten weniger Chancen und die Ausgeglichenheit und Zufriedenheit der Hobbykünstler käme auch deren Umfeld zu Gute.