Benedikt Hoffmann aus Wahlwies ist ein erfahrener Bergläufer, sogar Weltmeister. Er bezwingt steile Anstiege und misst sich bei Wettkämpfen immer wieder mit der Konkurrenz. So auch vor einigen Tagen im Schweizer Interlaken beim Jungfrau-Marathon in atemberaubender Kulisse. Dabei läuft er nicht nur einfach 42,195 Kilometer. Solch ein Wettkampf wird minutiös vorbereitet.

Bergläufer Benedikt Hoffmann auf der Strecke des Jungfrau-Marathons am Abend vor dem Rennen. Er bringt im strömenden Regen Flaschen an, um sich im Wettkampf zusätzlich versorgen zu können.
Bergläufer Benedikt Hoffmann auf der Strecke des Jungfrau-Marathons am Abend vor dem Rennen. Er bringt im strömenden Regen Flaschen an, um sich im Wettkampf zusätzlich versorgen zu können. | Bild: Reiner Jäckle

Am Wettkampftag klingt der Wecker um 4 Uhr morgens. Benedikt Hoffmann steht auf, macht sich ein paar Haferflocken mit Banane und frühstückt sie mit Orangensaft. Danach legt er sich wieder ins Hotelbett in Interlaken. Um 5 Uhr klingelt der Wecker erneut.

So sieht das Hotelzimmer eines Spitzenläufers aus. Bei gleich vier Paaren Laufschuhen hat man tatsächlich die Qual der Wahl.
So sieht das Hotelzimmer eines Spitzenläufers aus. Bei gleich vier Paaren Laufschuhen hat man tatsächlich die Qual der Wahl. | Bild: Reiner Jäckle

Das Hotel bietet um diese Uhrzeit ein Frühstück an. Und das wird auch genutzt. Die Elite-Läufer treffen sich gut zwei Stunden vor dem Start zum ersten Mal an diesem Tag. Ein Kaffee, ein Tee, ein Marmeladenbrötchen und ein bisschen Obst reichen Benedikt Hoffmann als letzte Mahlzeit vor dem Startschuss.

Um 6:18 Uhr am Renntag holt Benedikt Hoffmann (rechts) seine Startnummer 105 für das Rennen ab, das um 7.15 Uhr startet.
Um 6:18 Uhr am Renntag holt Benedikt Hoffmann (rechts) seine Startnummer 105 für das Rennen ab, das um 7.15 Uhr startet. | Bild: Reiner Jäckle

Die Aufregung steigt merklich, zumal Anreise und Vorbereitung alles andere als perfekt für ihn liefen. Denn Hoffmann ist Lehrer und hatte am Vortag noch eine Gesamtlehrerkonferenz. Anschließend fuhr er mit einem Betreuer in Richtung Interlaken, sie benötigten für die Strecke knapp sechs Stunden anstatt der vorhergesagten dreieinhalb.

Am Frühstückstisch geht Benedikt Hoffmann mit seinem Betreuer noch einmal die Stellen durch, an denen er zusätzliche Getränke bekommt. „So eine Vorbereitung kann rennentscheidend sein“, erklärt der 35-Jährige. Dann schauen die beiden sich noch einmal die Starterliste an. „Das ist der bislang am stärksten besetzte Lauf in diesem Jahr“, resümiert Hoffmann. „Da wird es schwer, ganz vorne mitzulaufen.“

Der Countdown läuft: Benedikt Hoffmann bringt die Startnummer an und geht direkt danach zum Einlaufen.
Der Countdown läuft: Benedikt Hoffmann bringt die Startnummer an und geht direkt danach zum Einlaufen. | Bild: Reiner Jäckle

Um 6 Uhr geht es in Richtung Start am Flugplatz Interlaken. Es ist stockdunkel. Am Eingang zum Gelände wartet der obligatorische Impfcheck, dann folgen die letzten Vorbereitungen: Startnummern abholen, Rennklamotten anziehen, Füße und Brust mit Vaseline einreiben, Startnummern anbringen und Rennschuhe anziehen. Um den 35-Jährigen herum, der vom Rennleiter des Jungfrau-Marathons zum engeren Favoritenkreis gezählt wird, bereiten sich weitere 250 Läufer vor. Jeder absolviert sein individuelles Ritual.

Die letzten Sekunden vor dem Start: Benedikt Hoffmann (1. Reihe, 3. v.l.) konzentriert sich an der Startlinie.
Die letzten Sekunden vor dem Start: Benedikt Hoffmann (1. Reihe, 3. v.l.) konzentriert sich an der Startlinie. | Bild: Reiner Jäckle

Es nieselt. Noch hat Benedikt Hoffmann die dünne Regenjacke an. Um 7 Uhr geht es in Richtung Startlinie und um 7.15 Uhr fällt der erste Startschuss des Tages für das Eliterennen. Jetzt zeigt sich, ob die Vorbereitung perfekt war. Auf den ersten 25 Kilometern ist es mit 400 Höhenmetern ziemlich flach. Als Benedikt Hoffmann in den ersten steilen Anstieg in Richtung Wengen geht, hat er auf den Führenden zwar schon mehr als vier Minuten Rückstand, auf Platz zwei aber nur eine gute Minute.

Benedikt Hoffmann (Zweiter von links) aus Wahlwies bei Kilometer neun. Vorne der spätere Sieger Jose David Cardona aus Kolumbien und links der spätere Zweitplatzierte Stephan Wenk aus der Schweiz.
Benedikt Hoffmann (Zweiter von links) aus Wahlwies bei Kilometer neun. Vorne der spätere Sieger Jose David Cardona aus Kolumbien und links der spätere Zweitplatzierte Stephan Wenk aus der Schweiz. | Bild: Reiner Jäckle

Im Anstieg ist Benedikt Hoffmann noch mit dem Schweizer Stephan Wenk unterwegs, den er dieses Jahr bereits geschlagen hat. Wenk wird am Ende Zweiter und wäre ein perfektes Zugpferd gewesen. Doch beim Deutschen passiert das, was jeder Langstreckenläufer fürchtet: krampfende Muskeln. „Ich musste sogar anhalten und meine Schuhe neu binden, was mich wertvolle Sekunden gekostet hat“, so Hoffmann.

Hier lief noch alles nach Plan bei Kilometer 15: Benedikt Hoffmann hinter dem späteren Zweitplatzierten Stephan Wenk aus der Schweiz.
Hier lief noch alles nach Plan bei Kilometer 15: Benedikt Hoffmann hinter dem späteren Zweitplatzierten Stephan Wenk aus der Schweiz. | Bild: Reiner Jäckle

Und es kam zwischenzeitlich noch schlimmer: „Ich dachte kurzzeitig sogar ans Aufhören“, gesteht der 35-Jährige. „In Wengen bei Kilometer 35 ging es Gott sei Dank wieder und ich wollte unbedingt ins Ziel kommen.“ Dieses liegt zum ersten Mal direkt unterhalb des Eigergletschers. Am Ende macht er noch einen Platz gut und wird mit 3:13:44 Stunden Sechster.

Damit ist er mit Abstand bester Deutscher, selbst aber nicht ganz zufrieden. „Ich weiß nicht genau, woran es lag“, sagte er etwas geknickt. „Im Vorfeld gab es sicher einige Dinge, die nicht optimal liefen.“

Benedikt Hoffmann kurz vor der 35-Kilometer-Marke beim Jungfrau-Marathon in Wengen. Es war das letzte Flachstück, bevor es bis zum Eigergletscher nach oben ging.
Benedikt Hoffmann kurz vor der 35-Kilometer-Marke beim Jungfrau-Marathon in Wengen. Es war das letzte Flachstück, bevor es bis zum Eigergletscher nach oben ging. | Bild: Reiner Jäckle

Der atemberaubende Blick auf Eiger, Jungfrau und Mönch sorgt aber selbst bei Benedikt Hoffmann schnell für bessere Stimmung: „Es war sicher kein gutes Rennen von mir, aber ein ganz schlechtes war es auch nicht“, sagt der Berglauf-Weltmeister und verweist darauf, dass zahlreiche namhafte Spezialisten noch hinter ihm landeten.

Benedikt Hoffmann bei der Siegerehrung als Sechster des Jungfrau-Marathons unter dem Eiger und seinem Gletscher.
Benedikt Hoffmann bei der Siegerehrung als Sechster des Jungfrau-Marathons unter dem Eiger und seinem Gletscher. | Bild: Reiner Jäckle
Der Zielbereich in einer atemberaubenden Natur im Berner Oberland: Links ist der Ausläufer des Eigers mit seinem Gletscher zu sehen, direkt vor der Jungfrau und dem Mönch. Unten ist die Station „Eigergletscher“ der elektrischen Zahnradbahn „Jungfraubahn“ zu sehen, die mit der Endstation auf dem Jungfraujoch auf 3454 Metern die höchste Eisenbahnstation Europas hat.
Der Zielbereich in einer atemberaubenden Natur im Berner Oberland: Links ist der Ausläufer des Eigers mit seinem Gletscher zu sehen, direkt vor der Jungfrau und dem Mönch. Unten ist die Station „Eigergletscher“ der elektrischen Zahnradbahn „Jungfraubahn“ zu sehen, die mit der Endstation auf dem Jungfraujoch auf 3454 Metern die höchste Eisenbahnstation Europas hat. | Bild: Reiner Jäckle