Beim Betreten des Grundstücks, auf dem schon bald der Waldgarten Stockach entstehen soll, werden Besucher von einem schwarz-braunen Mischlingshund freundlich begrüßt. Schwanzwedelnd und mit einem Stock im Maul kommt er auf die Neuankömmlinge zu. Dicht gefolgt von Nadim Chebbi. „Keine Angst, dass ist unsere Amy. Sie gehört quasi zum Inventar“, sagt er. Als ob Amy ihr Herrchen verstanden hat, legt sie den Stock auf den Boden ab und warten gespannt, bis man ihn in Richtung Wiese schleudert. Dann prescht sie davon, ist im Gras verschwunden und wird eins mit der Natur.

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Nadim Chebbi gefällt dieser Umstand, denn genau dieses Verschmelzen mit der Natur will er auch den Menschen näher bringen. Eigens dafür hat er den Waldgarten Stockach, einen naturpädagogischen Aktivspielplatz mit Erholungsgarten wie er ihn selbst nennt, aus der Taufe gehoben.

5000 Quadratmeter nutzbar machen

Nadim Chebbi ist Musikpädagoge und -Therapeut. Der 36-Jährige lebt in Owingen und ist vor zwei Jahren auf das Grundstück in der Nähe der Dietsche in Stockach aufmerksam geworden. Durch ein Erbe seiner verstorbenen Mutter, von der Chebbi auch die Liebe zur Natur und vor allem zu Heilkräutern in die Wiege gelegt bekommen hat, konnte er das Grundstück erwerben. „Das Gelände umfasst mehr als 5000 Quadratmeter und verfügt über Waldabschnitte, eine eigene Wasserquelle, verschiedene Wiesen und einen Bachlauf“, sagt Chebbi.

Zufahrt über die Waldstraße möglich

Laut dem 36-Jährigen habe zuvor eine Wohnwagensiedlung auf dem Grundstück gestanden. „Als wir das erste Mal hier waren, war hier nur Wildnis und Müll“, so Chebbi weiter. Dieser ist zum größten Teil nun verschwunden. Die Zufahrt zum Gelände erfolgt über die Waldstraße. Dort in der Nähe soll zukünftig auch der Parkplatz für Besucher sein.

Eine Seilbahn quer über das Gelände

Nadim Chebbi hat viel vor. Bis zur Eröffnung des Waldgartens im kommenden Sommer, werden die ehrenamtlichen Helfer ein Baumhaus, verschiedene Erdhügelhäuser, einen Wasserspielplatz, einen Natur- und Aktivspielplatz sowie eine Kleintierfarm bauen. Auch ein Kräuter- und Gemüsegarten samt Gewächshäuser sollen dann stehen. Eine Seilbahn quer über das Gelände soll Abenteuerlustige einladen. „Der Waldgarten wird Menschen aus Stockach und der Umgebung anziehen, erfreuen und auch zusammenbringen. Alle Besucher finden hier Ruhe und zugleich auch Spaß, aber auch Arbeit und Unterhaltung indem sie mitgestalten und gleichzeitig genießen“, hofft Chebbi.

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Der Waldgarten bietet laut dem Musikpädagogen Platz für 20 bis 30 Besucher – das Alter spiele dabei keine Rolle. „Wir sind offen für jeden“, betont er. Während der Öffnungszeiten von April bis in den Oktober begleitet pädagogischen Fachpersonal die Besucher durch den Waldgarten. Dieses Jahr sollen die größeren Bauarbeiten beendet werden. Eine Eröffnung des Waldgarten Stockach ist dann für Sommer 2021 vorgesehen.

Die Natur kostet keinen Eintritt

Laut Initiator Nadim Chebbi wird das Projekt Waldgarten Stockach ausschließlich aus Fördergelder finanziert. Zudem erhalte er Sachspenden von ehrenamtlichen Unterstützern. Dies solle seiner Aussage nach auch in Zukunft so bleiben. „Wir werden versuchen das Projekt ohne städtische Finanzspritze zu stemmen und verzichten auch komplett auf Eintrittsgelder“, sagt er. Er könne sich vorstellen, dass das Projekt in naher Zukunft in eine Stiftung übergehen könne – eine eigens dafür gegründete oder eine bereits bestehende. Mittlerweile werde das Projekt laut Chebbi von mehreren ehrenamtlichen Schultern getragen. „Angefangen hat alles mit fünf Helfern, der Kreis an Mitwirkenden ist allerdings auf rund 30 angestiegen“, berichtet er. Eigens dafür wurde auch die Bürgerinitiative Waldgarten ins Leben gerufen. Zudem sei man bereits Mitglied im Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze.

Die Sonne liefert den Strom, Holzabfälle und Hühnermist die Wärme

Der Waldgarten wird nach seiner Fertigstellung komplett autark sein. Strom soll über Solarpanels gewonnen und in Batterien gespeichert werden. Wärme gibt es von einer Kompostheizung, einem Biomeiler. „Dazu werden Hackschnitzel und Hühnermist zu einem Haufen aufgeschichtet und Wasserschläuche hindurchgeführt“, führt Chebbi aus.

Nach einem schweizer Vorbild aus der Gemeinde Tägerwilen: Ein ähnlicher Biomeiler soll auch im Waldgarten für Wärme sorgen. Experte hierfür ist Michael Stangl, Mitglied der Bürgerinitiative Waldgarten Stockach und Diplombiologe. Bild: Waldgarten Stockach
Nach einem schweizer Vorbild aus der Gemeinde Tägerwilen: Ein ähnlicher Biomeiler soll auch im Waldgarten für Wärme sorgen. Experte hierfür ist Michael Stangl, Mitglied der Bürgerinitiative Waldgarten Stockach und Diplombiologe. Bild: Waldgarten Stockach | Bild: Waldgarten Stockach

Im Inneren der Kompostheizung zersetzen die Mikroorganismen die Holz-Biomasse zu wertvollem Humus und erzeugen damit Wärme, die abtransportiert wird. „Dadurch erzielen wir etwa 60 Grad Wärme für rund 18 Monate“, so Chebbi. Mit der erzeugten Wärme können die Gewächshäuser geheizt werden und wir können es zur allgemeinen Wassererwärmung nutzen.

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