Wo kommt der begehrte bezahlbare Wohnraum her? Die Baugenossenschaft Stockach arbeitet daran, ihn in der Stadt bereitzustellen. Dabei gilt Wilhelm Buschs berühmtes Zitat „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“. Noch ist das große Bauvorhaben Galgenäcker 22 mit seinen 18 Wohnungen nicht abgeschlossen, und schon beginnen die Vorbereitungen zum Spatenstich für das Bauvorhaben in der Robert-Koch-Straße 1. Dies wurde bei der Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft deutlich. Roland Mathis, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft, erklärt auf Anfrage, dass die Bauarbeiten möglichst im November oder Anfang Dezember beginnen sollen. Allerdings müsse zuerst der Auftrag für die Tiefbauarbeiten vergeben werden, was im Oktober geschehen soll.

An der Stelle, wo früher ein zuletzt marodes städtisches Gebäude der Unterbringung von Obdachlosen diente, entsteht nun unterhalb der bestehenden Genossenschaftshäuser ein seniorengerechtes Wohnhaus mit 13 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 973 Quadratmetern. „Wir orientieren uns vom Stil und der Ausstattung her am Projekt im Galgenäcker“, erklärt Mathis. Dieser führt die Genossenschaft seit 2016 an und hatte damals die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Dieter Fritz angetreten.

„Es bleibt weiterhin unser Ziel, die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen.“Roland Mathis, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Stockach
„Es bleibt weiterhin unser Ziel, die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen.“Roland Mathis, geschäftsführender Vorstand der Baugenossenschaft Stockach | Bild: Becker, Georg

„Die neuen Wohnungen sind jedoch vom Zuschnitt her auf Senioren abgestimmt“, erläutert Mathis, der ältere Mieter als Zielgruppe dieser Wohnungen sieht. „Wir wollen den älteren Menschen die Chance geben, ihren Lebensabend auch mit kleinen körperlichen Einschränkungen in unseren Wohnungen verbringen zu können“, ergänzt Mathis und hebt die seniorengerechte Bauweise und Ausstattung besonders hervor. So biete das Haus mit barrierefreiem Hauszugang, Aufzug, Verzicht auf Türschwellen, bodenebenen Duschen die ideale Voraussetzung für ältere Bewohner, noch lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Mathis bedauert in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es nicht möglich sei, sämtliche älteren Häuser, die zum Bestand der Baugenossenschaft gehören, nachträglich barrierefrei zu machen. Umso mehr hofft er auf rege Nachfrage nach dem Projekt in der Robert-Koch-Straße. Er bezeichnet das Vorhaben, das mit Baukosten von 2,5 Millionen Euro veranschlagt ist, als einen Gewinn für alle.

Auf diesem Grundstück hinter dem früheren Café Wolf (rechts) plant die Baugenossenschaft 13 seniorengerechte Wohnungen.
Auf diesem Grundstück hinter dem früheren Café Wolf (rechts) plant die Baugenossenschaft 13 seniorengerechte Wohnungen. | Bild: Reinhold Buhl

Zur Entwicklung der Bautätigkeit allgemein sprach Roland Mathis von einem „guten Bauklima“. Die Wohnbauinvestitionen stagnierten laut Mathis auf einem sehr hohen Niveau. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau gestalteten sich im Bereich der Wohnungsnachfrage positiv, was auch für die Entwicklung der Zinsen gelte. Die Handwerker seien größtenteils voll ausgelastet, was sich wiederum auf die Bauzeit und die Baukosten für seine Genossenschaft negativ auswirke. „Trotz der seit Jahren steigenden Neubautätigkeiten kann der Bedarf nicht gedeckt werden“, erklärt Mathis. Dies spiegele sich auch am Wohnungsmarkt in Stockach wider. „Es bleibt weiterhin unser Ziel, die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen“, schloss der Geschäftsführer seine Ausführungen.

Verwaltung von Drittimmobilien ist zu aufwendig geworden

Um dieses Ziel konsequenter zu verfolgen, ziehe sich die Genossenschaft auch aus dem Verwaltungsgeschäft mit Drittimmobilien zurück, berichtete Mathis in der Versammlung. Zuletzt waren vier Immobilien mit 57 Wohn- und Gewerbeeinheiten sowie 81 Garagenstellplätzen in Verwaltung. Zum Ende dieses Jahres seien diese Verträge gekündigt worden, so Mathis. Die betroffenen Häuser habe die Genossenschaft früher als Bauträger errichtet und danach die Verwaltung übernommen, zu der zum Beispiel die Nebenkostenabrechnung gehört, berichtet Mathis auf Anfrage.

Mittlerweile seien die Vorschriften dafür strenger geworden. Diese Vorschriften seien sinnvoll, aber die Verwaltung sei deutlich aufwendiger geworden. Zudem sei das Team der Genossenschaft nicht gewachsen, der Bestand an eigenen Mietwohnungen aber sehr stark. Daher sei diese Arbeit kaum noch zu bewältigen. Da die Verwaltung nicht zum Kerngeschäft der Genossenschaft gehöre, habe man sich entschlossen, sie abzugeben. Alle vier Objekte würden in gute Hände weitergegeben, so Roland Mathis.

Aufgrund der Hygienevorschriften waren nur 30 Teilnehmer zur Hauptversammlung der Baugenossenschaft Stockach zugelassen. Im Vordergrund der geschäftsführende Vorstand Roland Mathis (mit Maske).
Aufgrund der Hygienevorschriften waren nur 30 Teilnehmer zur Hauptversammlung der Baugenossenschaft Stockach zugelassen. Im Vordergrund der geschäftsführende Vorstand Roland Mathis (mit Maske). | Bild: Reinhold Buhl

In seiner Rede wies der Aufsichtsratsvorsitzende Berthold Restle zunächst auf die coronabedingten Vorschriften hin und stellte die Versammlung unter das Leitbild „größtmögliche Wahrnehmung der Mitgliederrechte bei Minimierung der Risiken“. Das bedeute, dass sich der Redeanteil von Vorstand und Aufsichtsrat auf das Notwendige beschränke, damit die Mitglieder genug Zeit für eventuelle Nachfragen hätten.

Zur Arbeit der Stockacher Genossenschaft gab Berthold Restle bekannt, dass die Verbandsprüfung keinerlei Beanstandungen ergeben hätte. Er bedankte sich bei den Vorstandsmitgliedern Roland Mathis, Siegfried Endres und Lorenzo Patone sowie bei der Vorstandsassistentin Tina Duttle für deren geleistete Arbeit in der Genossenschaft. Die Aufsichtsratsmitglieder Susanne Wurst, Rainer Stolz, Martin Bosch, Norbert Kästle und Gerhard Seeberger wurden für weitere drei Jahre wiedergewählt.

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