In den vergangenen Wochen hat Rüdiger Lempp bereits zwei tote Rehe entdeckt, die offenbar auf der Flucht vor einem freilaufenden Hund in einen Zaun geraten und verendet sind.

Lempp ist Abteilungskommandant der Feuerwehr Stockach Abteilung Wahlwies. Er ist aber auch ein amtlich anerkannter Wildtierschützer. Als Jagdausübungsberechtigter hat Lempp die gesetzliche Pflicht zur Hege und zum Schutz des Wildes. Deshalb bittet er Hundebesitzer um besondere Rücksichtnahme während der Setz- und Brutzeit, die etwa von März bis Ende Juni dauert.

Untere Jagdbehörde bittet Hundehalter um Rücksichtnahme

Die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes Konstanz ruft die Bevölkerung ebenfalls jedes Jahr auf, während der Zeit, in der die Wildtiere trächtig sind und ihre Jungen bekommen, in der Natur nur die ausgewiesenen Wege zu nutzen und Hunde an der Leine zu führen (siehe Text unten).

Damit sollen Störungen und Übergriffe von freilaufenden und stöbernden Hunden auf Wildtiere verringert werden. Gerade in dieser Zeit seien am Boden brütende Vögel in besonderer Art und Weise gefährdet, teilt die Untere Jagdbehörde mit. Viele Vogelarten bauten ihre Nester in Wiesen, Feldern, auf dem Waldboden oder auch im Schilfrohr.

Dadurch würden sie oftmals Opfer von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär, Marder und Dachs sowie der Krähe. Manche Vogelarten seien ohnehin bereits vom Aussterben bedroht, warnt die Untere Jagdbehörde.

Dieses Reh hat Rüdiger Lempp vor kurzem zwischen Espasingen und Wahlwies tot aufgefunden. Bild: Rüdiger Lempp
Dieses Reh hat Rüdiger Lempp vor kurzem zwischen Espasingen und Wahlwies tot aufgefunden. Bild: Rüdiger Lempp

Auch einige freilebende Säugetiere wie Rehe und Hasen würden ihren Nachwuchs im Mai und Juni in deckungsreichen Biotopen in Feld und Wald setzen und benötigten für die gute Entwicklung der Jungtiere Ruhe.

Gerade wenn sich Menschen mit ihrem freilaufenden Hund fernab der vorgegebenen Wege bewegen, stelle dies für die Wildtiere eine Stresssituation dar. "Rehkitze und junge Hasen laufen nicht weg. Sie ducken sich und bleiben ruhig liegen, um nicht gesehen zu werden", erklärt Rüdiger Lempp. Auch schwangere Rehe könnten nicht schnell genug flüchten.

Grundsätzlich sollten die Hunde nicht auf landwirtschaftlichen Flächen laufen

Grundsätzlich, erklärt Rüdiger Lempp, unterliegen landwirtschaftliche Flächen nach dem Landesnaturschutzgesetz einem gesetzlichen Betretungsverbot. Danach dürfen Äcker in der Zeit zwischen Saat oder Feldbestellung und Ernte nicht betreten werden. Gleiches gilt für Grünland (Wiesen und Weiden) in der Zeit des Aufwuchses und der Beweidung, also ab dem Einsetzen der Vegetation im Frühjahr bis zur Winterruhe im Herbst.

Sonderkulturen wie Obst oder Reben sind während des ganzen Jahres für Spaziergänger und Hunde tabu. Das Betretungsverbot gilt unabhängig davon, ob der Landwirt seine Fläche eingezäunt hat oder nicht.

Hundehalter müssen sorgfältig hinter ihrem Vierbeiner herräumen

Hundebesitzer sollten außerdem den Kot ihres Hundes einsammeln, betont Rüdiger Lempp. Bleibt der Kot im erntereifen Gras liegen, kann er in das Futter der Nutztiere gelangen und darin Schimmelbefall auslösen oder Krankheitserreger übertragen.

Sabrina Molkenthin, Leiterin des Umweltzentrums Stockach, stimmt dieser Aufforderung zu. Allerdings stellt sie häufig fest, dass Menschen den Kot zwar einsammeln, die gefüllten Plastiktüten dann jedoch in der Landschaft liegen lassen. Möglicherweise würden zusätzliche Mülleimer an den beliebtesten Laufwegen dafür sorgen, dass die Beutel mitgenommen und richtig entsorgt werden, vermutet Sabrina Molkenthin.

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Leinenpflicht und Schonzeit

  • Regelungen zur Leinenpflicht: Im Gebiet von Baden-Württemberg gibt es keine geregelte Verpflichtung für Hundehalter, die eigenen Tiere an der Leine zu führen. So hat das Bundesland die Regelungen den Städten und Kommunen überlassen. In der Polizeiverordnung der Stadt Stockach heißt es: "Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass niemand gefährdet wird. Im Innenbereich sind auf öffentlichen Straßen und Gehwegen Hunde an der Leine zu führen. Die Leinenpflicht gilt auch im Bereich des Naherholungsgebiets Osterholz." Auch in ausgewiesenen Landschafts- und Naturschutzgebieten und Biotopen müssen Hunde an die Leine, bestätigt Sabrina Molkenthin vom Umweltzentrum Stockach.
  • Rücksichtnahme in der Brut- und Setzzeit: Zum Schutz des Jungwildes und der Bodenbrüter bittet die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes Konstanz die Bevölkerung, während der Setz- und Brutzeit (bis ca. Mitte Juni) in der Natur nur die ausgewiesenen Wege zu nutzen und Hunde an der Leine zu führen. Dies teilt die Behörde in einer Pressemeldung mit. Damit sollen Störungen und Übergriffe von freilaufenden und stöbernden Hunden auf Wildtiere verringert werden. Diesen dienen Dickungen und großflächige Wiesengebiete als Rückzugsort.
  • Welche Tierarten gefährdet sind: Gerade zu dieser Zeit sind am Boden brütende Vögel in besonderer Art und Weise gefährdet. Viele Vogelarten bauen ihre Nester in Wiesen, Feldern, auf dem Waldboden oder auch im Schilfrohr. Dadurch werden sie oftmals Opfer von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär, Marder und Dachs sowie der Krähe. Ebenso sind Menschen, insbesondere Spaziergänger mit freilaufenden Hunden, ein großer Störfaktor für diese Vögel. Auch einige freilebende Säugetiere (z.B. Rehe und Hasen) setzen ihren Nachwuchs im Mai/Juni in deckungsreichen Biotopen in Feld und Wald.
  • Probleme mit Hundekot: Die Jagdbehörde ruft Hundebesitzer außerdem dazu auf, den Kot ihres Hundes einzusammeln. Bleibt der Kot im erntereifen Gras liegen, kann er in das Futter der Nutztiere gelangen und darin Schimmelbefall auslösen oder Krankheiterreger übertragen.(wig/pm)