Die Firma hatte dazu etwa acht Wochen lang alles vorbereitet. Die Kirche bekommt die neuen Glocken, da die alten von 1925 in einem schlechten Zustand sind. Der Erzbischöfliche Glockeninspekteur Johannes Wittekind hatte erhebliche Schadstellen entdeckt, wie der Pfarrer und Leiter der Seelsorgeeinheit Stockach, Michael Lienhard im April erzählt hatte.

Die große Glocke weise aufgrund der minderwertigen Gussqualität kraterartige Hohlräume im Metall auf. Zudem seien die Glocken „musikalisch undiskutabel“ und „der genaue Zeitpunkt der Zerstörung der Glocken infolge von Materialermüdung nicht vorhersehbar“.

Aufgrund dieser Einschätzungen berieten das Gemeindeteam Zizenhausen und der Stiftungsrat der Seelsorgeeinheit Stockach über die Zukunft der Glocken. In Absprache mit der Erzdiözese Freiburg und dem Erzbischöflichen Bauamt Konstanz wurde schließlich die Erneuerung beschlossen. Laut einem zurückliegenden Pfarrbrief stehen bereits die Namen der zukünftigen Glocken fest. So soll die größte von ihnen mit einem Gewicht von rund 380 Kilogramm auf den Namen Herz-Jesu und die 240 Kilogramm schwere Glocke auf den Namen Maria getauft werden. Die kleinste Glocke, die rund 190 Kilogramm wiegen wird, soll den Namen Schwester Ulrika tragen. Neben den Glocken lässt die Seelsorgeeinheit auch den Glockenstuhl aus Massivholz erneuern.

Lehm-Schablonen-Formverfahren

Wie die Firma Rincker erklärte, werde für die Herstellung das sogenannte Lehm-Schablonen-Formverfahren verwendet, das schon im 12. Jahrhundert entwickelt wurde. Hierbei stellen die Arbeiter den Kern der Glocke zunächst aus Lehm her. Nachdem dieser Kern feuergetrocknet ist, wird darüber eine weitere Lehmschicht aufgebaut, die „Falsche Glocke“ heißt und Form und Größe der späteren Glocke hat.

Nach ca. 8 wöchigen Vorbereitungen der Firma Rincker in Sinn (nördlich von Frankfurt) wurden die Glocken für die Kirche in Zizenhausen gegossen.
Nach ca. 8 wöchigen Vorbereitungen der Firma Rincker in Sinn (nördlich von Frankfurt) wurden die Glocken für die Kirche in Zizenhausen gegossen. | Bild: Luzia Bühler

Auch über dieser wird eine Lehmschicht aufgetragen, der Mantel. Ist dieser ebenfalls getrocknet, entfernen die Hersteller die „Falsche Glocke“, sodass ein Hohlraum zwischen Glockenkern und Mantel entsteht. In diesen wird das Metall der Glocke gegossen. Nach einigen Tagen kann der fertige Guss schließlich unter dem Lehm hervorgeholt, gereinigt und überprüft werden.

Nach ca. 8 wöchigen Vorbereitungen der Firma Rincker in Sinn (nördlich von Frankfurt) wurden die Glocken für die Kirche in Zizenhausen gegossen.
Nach ca. 8 wöchigen Vorbereitungen der Firma Rincker in Sinn (nördlich von Frankfurt) wurden die Glocken für die Kirche in Zizenhausen gegossen. | Bild: Luzia Bühler

Die Anfertigung der Zizenhausener Glocken und die Renovierung des Glockenstuhls sollen nach bisherigem Stand rund 54 000 Euro kosten. Hierzu zählt auch die Anschaffung eines Antriebsmotors für jede Glocke. Rund ein Drittel der Kosten wird von der Erzdiözese Freiburg übernommen. Auch städtisches Geld wird verwendet. Zudem ist die Seelsorgeeinheit auf der Suche nach Spenden. Eine der neuen Glocken habe durch die Hilfe zweier Spender bereits finanziert werden können, so Michael Lienhard.

Glockenweihe im September

Geweiht werden sollen die neuen Zizenhausener Glocken am Sonntag, 22. September, von Weihbischof Paul Wehrle. „Die Glocken werden dann unten am Turm stehen und bald darauf in den Glockenturm eingesetzt werden“, informiert Lienhard. Die Montage im Turm soll die Schonacher Firma Schneider Turmuhren und Glockentechnik übernehmen, die von der Seelsorgeeinheit auch für die Reparatur der defekten Kirchturmuhr in der Kirche St. Oswald in Stockach engagiert wurde. Sollten die derzeitigen Glocken nicht vorzeitig ausfallen, bleiben sie bis zur Montage der neuen Exemplare weiterhin im Einsatz.

Interessierte waren dabei, als die Glocken für Zizenhausen gegossen wurden.
Interessierte waren dabei, als die Glocken für Zizenhausen gegossen wurden. | Bild: Luzia Bühler