Es ist eine der prominentesten Baustellen der Stadt, die Kräne sind weithin sichtbar: Die Bauarbeiten auf dem ehemaligen Grundstück der Stadtgärtnerei, das direkt neben dem Krankenhaus liegt, laufen. Doch in die Höhe wachsen dort derzeit nur die Mehrfamilienhäuser, die Investor Bernd Schuler an der Hangkante errichtet. Von dem Ärztehaus, das ebenfalls auf diesem Grundstück geplant ist und auf das bereits seit dem Frühjahr ein Bauschild hinweist, ist noch nichts zu sehen.

Petra Reinhard, die im Winter als Investorin für das Ärztehaus auf Bernd Schuler gefolgt ist, erklärt die Hintergründe aus ihrer Sicht. Diese kann man grob so zusammenfassen, dass sich das Projekt inzwischen in eine andere Richtung entwickele als ursprünglich gedacht. So sei ihre Information bei der Übernahme des Projekts gewesen, dass einige Ärzte bereits verbindlich zugesagt hätten, in das neue Gebäude zu ziehen. Von diesen Mietern sei inzwischen allerdings keiner mehr übrig geblieben: „Ich musste ganz neue Mieter suchen“, erzählt sie, und diese Suche sei auch nicht erfolglos geblieben.

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Große Teile des Gebäudes seien nun vergeben – unterschriebene Mietverträge gebe es allerdings nicht, sagt Reinhard. Namen gibt sie daher auch nicht heraus, lässt aber durchblicken, dass keine Stockacher Ärzte in das Gebäude einziehen werden. Auch die Gebäudepläne hätten inzwischen erneut geändert werden müssen. Und neben Arztpraxen dürften auch andere gesundheitsnahe Dienstleister einziehen. Ob das Gebäude am Ende noch Ärztehaus heißt oder vielleicht eher Gesundheitszentrum, sei daher noch nicht klar.

Gegen den Vorwurf, hier würde ein städtisch subventioniertes Grundstück für normale Gewerbeflächen genutzt, wehrt sich Petra Reinhard. Dieser Vorwurf war gegenüber der Redaktion geäußert worden. Sie habe den Grund zum Marktpreis gekauft, sagt sie, was Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz bestätigt. Auch für eine Reihe von Parkplätzen im benachbarten Parkdeck, das die Stadt errichtet, zahle sie eine Ablöse in sechsstelliger Höhe, um die geforderte Stellplatzzahl zu erreichen. Auch für die Stadt wäre es also ein Problem, sollte das Ärztehaus scheitern, so Reinhard. Den Auftrag für den Bau des Parkdecks hatte der Gemeinderat an ein Unternehmen von Bernd Schuler als günstigstem Bieter vergeben.

Die Investorin hält an dem Projekt fest

Die neue Marschrichtung für das Ärztehaus lautet nun, es als Einheit mit dem Krankenhaus zu betrachten. Das neue Konzept baue auf einem Operationssaal für ambulante Eingriffe auf, sagt Petra Reinhard. Daran ist offenbar auch das Stockacher Krankenhaus interessiert. Dessen Geschäftsführer Michael Hanke sagt, dass am Krankenhaus chronischer Platzmangel herrsche. Und vor allem fehle ein Ambulanz-OP. Mit der Folge, dass ambulante Operationen in den Operationssälen für stationäre Eingriffe erfolgen würden. Das sei weder für den Patienten noch für die Bilanz optimal, signalisiert Hanke. Einen Ambulanz-OP im Ärztehaus würde man gerne mitnutzen. Auch Verwaltungsbüros könnten aus dem Krankenhaus ausziehen, um Platz für Medizin zu machen.

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Petra Reinhard hält in jedem Fall an dem Projekt fest. Es sei in die Zukunft gerichtet, sagt sie, denn die Entwicklung gehe immer mehr in Richtung ambulanter Eingriffe. Dabei schauen Reinhard und Hanke auch auf das Bundesgesundheitsministerium. Tatsächlich plant Minister Jens Spahn laut Medienberichten integrierte Notfallzentren, die an Krankenhäusern angesiedelt sein sollen und von einem Krankenhaus zusammen mit der kassenärztlichen Vereinigung, also der Organisation der niedergelassenen Ärzte, betrieben werden sollen. Darin soll entschieden werden, ob ein Patient in der Notfallaufnahme des Krankenhauses oder in der Praxis eines niedergelassenen Mediziners weiter versorgt werde. Das würde die Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ein wenig durchlässiger machen.

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