Es war schon alles für das Silvesterfest Ende 1965/66 vorbereitet. Viele Vorräte waren im Haus. Doch dann endete das Jahr nicht mit einer Feier, sondern mit Feuer. Nachts zog plötzlich Qualm aus den Ritzen. Die Mutter der heutigen Seniorchefin Gerta Nagel bemerkte das, weckte alle und Besitzer Josef Gassner rief die Feuerwehr.

"Wir hatten einen selbstgebauten Abwurf für Zigaretten", erzählt Gerta Nagel. Das Personal sei angewiesen gewesen, keine Servietten hineinzuwerfen aber es geschah wohl genau das: "Wahrscheinlich war das Rohr mit Servietten verstopft."

Die Betreiberfamilie Hahn-Gassner wohnte im ersten Stock des Gebäudes über der damaligen Metzgerei und im zweiten Stock war das Personal untergebracht. Familie, Angestellte und Gäste konnten in der Brandnacht das Haus rechtzeitig verlassen. Aufmerksame Nachbarn und Feuerwehrleute brachten sie wegen der Rauchentwicklung über Leitern in Sicherheit, beschrieb ein SÜDKURIER-Artikel vom 2. Januar 1966. Die Löscharbeiten seien schwierig gewesen, weil der Brandherd nicht erkennbar gewesen sei. Neben mehreren Feuerwehr-Abteilungen war auch die Werksfeuerwehr der Firma Fahr im Einsatz. Es gab bei den Löscharbeiten dramatische Momente als das Feuer durchs Dach brach: "Ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt versagte die Wasserzufuhr aus dem Marktbrunnen, der von zwei Hydranten gespeist wurde", heißt es im Artikel. Als das Wasser wieder lief, retteten die Feuerwehrleute den linken Gebäudeteil mit Metzgerei und Privatwohnungen.

Die Feuerwehr war am Morgen nach dem Brand des Goldenen Ochsen noch im Einsatz. Dieses Foto erschien am Montag, 2. Januar 1966, im SÜDKURIER. Bild: SK-Archiv
Die Feuerwehr war am Morgen nach dem Brand des Goldenen Ochsen noch im Einsatz. Dieses Foto erschien am Montag, 2. Januar 1966, im SÜDKURIER. Bild: SK-Archiv | Bild: SK-Archiv

"Es wurde niemand verletzt, aber das Hotel war zerstört", erinnert sich Gerta Nagel. Die Familie habe die Löscharbeiten verfolgt und mitgebangt. "Mir sind die Tränen gekommen, weil wir vorher alles so schön gemacht hatten." Sie erinnert sich auch noch an viele Gaffer die später durch den ausgebrannten Gastraum gelaufen seien. Erst acht Monate zuvor hatte die Familie umgebaut und 450 000 D-Mark investiert. Der Schaden betrug rund 500 000 D-Mark. Die Versicherung habe nach dem Brand zwar gezahlt, aber der Umbau sei noch nicht abbezahlt gewesen. Rund 200 000 D-Mark fehlten noch.

Aus den Wohnungen sei nicht mehr viel verwendbar gewesen, erzählt Gerta Nagel. Brauchbare Matratzen aus dem Hotel seien in die Turnhalle gebracht und dort belüftet worden. "Die ersten zwei, drei Nächte nach dem Feuer haben wir gegenüber in der Weinstube Bohl geschlafen", weiß die Seniorchefin noch. Sie, ihre Mutter, ihr Ehemann und die zwei Kinder kamen bis August bei einer Familie Buch unter. Dann konnten sie in ihre Wohnung zurück. Dieser Teil sei schnell wieder bewohnbar gewesen.

Gerta Nagel und ihr Sohn Philipp Gassner haben in den Familienfotoalben noch viele Fotos aus der Zeit des Brandes und des Wiederaufbaus des Goldenen Ochsen. Philipp Gassner war gerade acht Monate alt, als der Ochsen brannte. Weil seine Mutter bis spät in die Nacht arbeitete, war er im Stubenwagen bei seiner Oma, als das Feuer ausbrach. Wie Familie, Angestellte und Gäste wurde das achte Monate alte Baby über eine Leiter gerettet und aus dem brennenden Hotel gebracht, beschreibt ein SÜDKURIER-Artikel vom 2. Januar 1966. Bild: Isabelle Arndt
Gerta Nagel und ihr Sohn Philipp Gassner haben in den Familienfotoalben noch viele Fotos aus der Zeit des Brandes und des Wiederaufbaus des Goldenen Ochsen. Philipp Gassner war gerade acht Monate alt, als der Ochsen brannte. Weil seine Mutter bis spät in die Nacht arbeitete, war er im Stubenwagen bei seiner Oma, als das Feuer ausbrach. Wie Familie, Angestellte und Gäste wurde das achte Monate alte Baby über eine Leiter gerettet und aus dem brennenden Hotel gebracht, beschreibt ein SÜDKURIER-Artikel vom 2. Januar 1966. Bild: Isabelle Arndt | Bild: Arndt, Isabelle

Bereits am 3. Januar 1966 begann der Abbruch der ausgebrannten Gebäudeteile bei grimmiger Kälte. Dabei stemmte die Familie viel in Eigenleistung. Gerta Nagels erster Mann stammte aus Liptingen und von dort kamen viele zur Unterstützung. "Wir haben überlegt, wie es weitergehen soll und uns entschieden weiterzumachen." Beim Wiederaufbau waren dann Baufirmen im Einsatz. Das Richtfest fand im August desselben Jahres statt. Die Behörden unterstützten die Familie Hahn-Gassner, damit alles schnell lief.

Die Familie plante das Haus größer: Das vorherige Dachgeschoss wurde ein Vollgeschoss mit Dachgeschoss obendrauf. Nach eineinviertel Jahren war alles fertig. "Ostern 1967 haben wir wiedereröffnet", sagt Gerta Nagel. Die Metzgerei war aber bereits seit März 1966 wieder in Betrieb. Der Wiederaufbau sei nicht leicht gewesen. Die Familie habe viel privates Geld reingesteckt. "Als wir wiedereröffnet haben, hatten wir ein bombastisches Geschäft. Wir mussten schauen, dass wir alles gestemmt bekamen", erinnert sie sich.

So sieht der Goldene Ochsen heute aus. Vor allem rechts und am Eck mit Türmchen sind die Unterschiede an der Hausform zu sehen. Das Gebäude ist außerdem höher als früher. Bild: Ramona Löffler
So sieht der Goldene Ochsen heute aus. Vor allem rechts und am Eck mit Türmchen sind die Unterschiede an der Hausform zu sehen. Das Gebäude ist außerdem höher als früher. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

Vor dem Brand hatte das Haus rund 25 Betten in Doppel- oder Dreibettzimmer. Später waren es 45 Betten, verteilt auf 26 Zimmer. Zwei Jahre später habe sich gezeigt, dass in Hotels Zimmer mit Duschen gefragt seien. Dehalb begann dann im "Goldenen Ochsen" der Einbau von Bädern. Die Metzgerei im linken Teil des Gebäudes gab es noch bis 1975, erzählt Gerta Nagel. Dann sei sie ausgelagert und verpachtet worden.