Für Verwunderung sorgte die jüngste Ortschaftssitzung in Wahlwies unter den 14 Gästen. Denn die erwarte Diskussion um den geplanten Bau eines zweiten Gewächshauses der Pestalozzi Gärtnerei gGmbH blieb aus. Ortsvorsteher Udo Pelkner wollte nicht näher darauf eingehen. Die Stellungsnahme des Ortschaftsrats sei schon abgegeben worden. Er werde dieses am Folgetag dem Planungsausschuss der Stadt Stockach darstellen und bei der nächsten Ortschaftsratssitzung berichten. Auf Nachfrage einiger Anwesender gab er dennoch kurz Auskunft.

An diesem Kreisverkehr liegt das erste Gewächshaus der Pestalozzi Gärtnerei gGmbH. Rechts davon soll später eine Abpackhalle entstehen. Der Rauch im Hintergrund kommt aus der Hackschnitzel-Heizanlage. Bild: Claudia Ladwig
An diesem Kreisverkehr liegt das erste Gewächshaus der Pestalozzi Gärtnerei gGmbH. Rechts davon soll später eine Abpackhalle entstehen. Der Rauch im Hintergrund kommt aus der Hackschnitzel-Heizanlage. | Bild: Claudia Ladwig

Die in Wahlwies ausgebliebene Diskussion verlagerte sich in den Planungsausschuss und sorgte dort für eine kontrovers geführte Debatte. Das Gremium sprach sich nach ausführlicher Darstellung durch Bernd Löhle, Geschäftsführer des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfs und Mitglied im Vorstand der neu gegründeten Stiftung „Pestalozzi macht bio“, gegen das Bauvorhaben im Gewann Scheibenwiesen direkt an der Aach aus. Auch Birger Richter, Geschäftsführer der neu gegründeten Pestalozzi Gärtnerei gGmbH, bezog im Gremium Stellung.

Verkehr stellte Gefahr für Kinder dar

Bernd Löhle hatte zuvor ausgeführt, man habe lange einen passenden Standort gesucht. Ein Bau im Bereich Winterried sei finanziell nicht abbildbar gewesen. Dadurch seien nur zwei Flächen in Frage gekommen: neben dem 2011 erbauten Glashaus im Bereich Faulbrunnen und im Bereich Scheibenwiesen. Auf der ersten könne im Bedarfsfall nicht erweitert werden. So sei die Entscheidung auf die Fläche an der Aach gefallen. Die Entfernung zum bestehenden Gewächshaus stelle für ihn keine Zersiedelung der Landschaft da. Die Zufahrt solle weiterhin über die Straße „Am Maisenbühl“ erfolgen. Durch das neue Gewächshaus kämen nur wenige Lastwagen-Fahrten hinzu – die im Verhältnis zum normalen Verkehr eine marginale Rolle spielten. Birger Richter ergänzte, aus Befragungen ihrer Mitglieder sei klar geworden, dass der Weg Richtung Erlenhof hoch frequentiert sei und zusätzlicher Staplerverkehr eine Gefahr vor allem für Kinder bedeute. Auch diese Verkehrssituation spreche gegen den Standort Faulbrunnen.

Sozialer Frieden in Gefahr?

Das neue Gewächshaus stellte für Udo Pelkner nicht das Problem dar. Vielmehr lehne der Ortschaftsrat mit großer Mehrheit aus ökologischen und ökonomischen Gründen den geplanten Standort ab. Dieser sei ein unnötiger, massiver Eingriff in das Landschaftsbild und das Naherholungsgebiet. Außerdem halte der Ortschaftsrat es für inakzeptabel, dass das jetzt schon hohe Verkehrsaufkommen durch Lastwagen entlang des Wohngebiets und der Waldorfschule in der Straße „Am Maisenbühl“ künftig deutlich zunehmen werde.

Ortsvorsteher Udo Pelkner: „Wenn das Kinderdorf oder dessen Untergesellschaften auch künftige Interessen so rücksichtslos durchsetzen, wird das den sozialen Frieden im Dorf nicht stärken.“ Bild: Sk
Ortsvorsteher Udo Pelkner: „Wenn das Kinderdorf oder dessen Untergesellschaften auch künftige Interessen so rücksichtslos durchsetzen, wird das den sozialen Frieden im Dorf nicht stärken.“ | Bild: SK

Für Pelkner sei nicht nachvollziehbar, dass das Kinderdorf trotz einer Ablehnung durch Ortschafts- und Gemeinderat 2018 wieder ein Baugesuch für diesen Standort einreiche. Auch damals war das Gewann Scheibenwiesen im Gespräch. Die Grundstücke dort gehörten dem Kinderdorf allerdings nicht. Inzwischen wurden Grundstücke getauscht. Pelkner verwies auf einen Plan vom April 2018, in dem ein weiteres Gewächshaus von knapp 1,6 Hektar im Gewann Faulbrunnen eingezeichnet war. So hätte man die Infrastruktur sowie das Heizkraftwerk nutzen können. Weitere Entwicklungsschritte hätten auf dem gegenüberliegenden Grundstück umgesetzt werden können. Dort besitzt das Kinderdorf eine Fläche von 1,2 Hektar. Vor dem Grundstückstausch waren es 1,9 Hektar.

Verkehr ist problematisch

Ortsvorsteher Pelkner wies auch darauf hin, dass unter dem bestehenden Feldweg, der zu dem potentiellen Bauplatz führt, eine Ferngasleitung verläuft. „Vor Baubeginn gehört die Verkehrssituation geklärt. Auch zum Erlenhof gibt es keine öffentliche Zufahrt.“ Man müsse über eine vernünftige Zufahrt über die K6165, Winterriedhof und Erlenhof zu den Gewächshäusern nachdenken, forderte er und betonte: „Wenn das Kinderdorf oder dessen Untergesellschaften auch künftige Interessen so rücksichtslos durchsetzen, wird das den sozialen Frieden im Dorf nicht stärken.“

Gemeinderäte sind verärgert

Für Verärgerung sorgte das Vorhaben auch bei den Mitgliedern des Planungsausschusses. Roland Fiedler (Freie Wähler) sagte, seine Fraktion sei nach wie vor gegen den Standort. „Keines unserer Bedenken wurde in irgendeiner Form berücksichtigt. Der Vorschlag im Bereich Faulbrunnen wurde mit dem Schachzug des Grundstückstauschs verhindert. Die Art und Weise des Vorgehens passen mir und dem Gremium nicht“, ergänzte Martin Bosch von der CDU. Joachim Kramer (SPD) störte sich ebenfalls daran, dass Argumente ignoriert worden seien.

Vor der Abstimmung erläuterte Bürgermeister Rainer Stolz, dass Bauvorhaben im Rahmen der Landwirtschaft privilegiert seien. „Nach Rechtsmeinung kann es dort beantragt werden, wo immer es für sinnvoll erachtet wird. Dass wir uns städtebaulich was anderes vorstellen, ist eine andere Nummer.“ Er werde dem Baurechtsamt den Beschluss weiterleiten.