Sandra Baindl

Wenige Themen werden aktuell so heiß diskutiert wie die Versorgung mit Energie. Der Krieg in der Ukraine führt der westlichen Welt vor Augen, wie abhängig man von fossiler Energie ist, die noch dazu vielfach aus Ländern importiert werden muss, von denen man lieber unabhängig wäre. Und mit der Vorgabe, bis 2040 klimaneutral zu werden, hat sich die Regierung des Landes Baden-Württemberg ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Durch die angestrebte Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen wird sich der Strombedarf in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Dies passiert durch den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen zur Wärmeversorgung, der E-Mobilität und den Einsatz von grünem Wasserstoff zur Energiegewinnung.

Die Mittelstandsvereinigung im Kreisverband Konstanz hat daher nun zum Vortrag „Erneuerbare Energien und Fördermittel“ eingeladen. Mit Bene Müller und Peter Schürmann traten zwei ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet bei der Veranstaltung auf. Zunächst präsentierte Müller, Solarcomplex-Vorstandsmitglied, einen Überblick über die aktuelle und zukünftige Situation der Stromversorgung sowie die Vorteile der Nutzung von Solarenergie. Anschließend informierte Peter Schürmann, Umweltberater bei der Handwerkskammer Konstanz, über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten für Gewerbetreibende.

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Bene Müller erklärte, dass bereits heute die Versorgungssituation in Baden-Württemberg besonders kritisch sei, da mehr als ein Drittel des Strombedarfs im Südwesten durch Strom aus anderen Bundesländern sowie Frankreich und der Schweiz gedeckt werde. Wenn bis zum Jahresende das Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 als letztes in Baden-Württemberg vom Netz gehe, werde der Importanteil auf über 50 Prozent steigen, so Müller. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit sei dies nicht sinnvoll. Denn bei einer leider nicht mehr unwahrscheinlichen Stromknappheit würde natürlich jedes Land zunächst an seine eigenen Bürger denken.

Energiewende hat auch einen wirtschaftlichen Aspekt

Wichtig war es Müller zudem, die Energiewende nicht nur unter ökologischen, sondern auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Denn eine Verdreifachung der Börsenstrompreise wie im März dieses Jahres habe natürlich gravierende Folgen für die Wirtschaft. Für Müller liegt die Lösung eindeutig darin, sich durch den Einsatz von Photovoltaik unabhängig zu machen. Die Kosten für PV-Anlagen seien in den letzten 20 Jahren um fast 90 Prozent gesunken. Je nach Anlagengröße liege der Preis pro produzierter Kilowattstunde zwischen fünf und zehn Cent.

Gewerbebetriebe seien grundsätzlich für Solarstromanlagen sogar besser geeignet als private Haushalte, da sie den Strom dann benötigten, wenn er produziert werde, nämlich tagsüber. Mittlerweile sei es auch wirtschaftlich sinnvoll, Gebäudefassaden mit Solarmodulen zu verkleiden, auch wenn der Ertrag dort deutlich geringer als bei Dachflächen sei, so Müller. Außerdem würden inzwischen auch verstärkt Flächen in Ost-West-Richtung für Solaranlagen genutzt, während sich dies früher nur bei einer Südausrichtung lohnte.

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Einen zusätzlichen Nutzen brächten Fotovoltaik-Anlagen beim Thema Kühlen. Bedingt durch den Klimawandel werde auch in unseren Breitengraden der Kühlbedarf stärker als der Heizbedarf steigen. PV-Anlagen böten hier zwei Vorteile: sie lieferten Strom für eine Klimatisierung von Gebäuden und verschatteten diese gleichzeitig, wodurch passiv gekühlt werde. Und von Verbrauchskosten in Höhe von einem Euro pro 100 gefahrener Kilometer im Fall eines E-Fahrzeugs bei Nutzung einer Fotovoltaik-Anlage können Fahrer eines Wagens mit Verbrennungsmotor nur träumen. Einen Nachteil gebe es allerdings aktuell: die Liefersituation. In der Branche herrsche daher eine große Verunsicherung. Selbst der deutsche Hersteller, der Solarcomplex beliefert, könne momentan weder sagen, wann er liefern könne, noch, welche Mengen zu welchem Preis. Bene Müller hegt die Hoffnung, dass sich spätestens 2023 die Situation wieder bessert.

Unter dem Stichwort „Förderlandschaft Klimaschutz“ informierte im Anschluss Peter Schürmann über mögliche Fördermittel. Sage und schreibe 20 verschiedene Förderprogramme für Energiesparmaßnahmen und den Einsatz erneuerbarer Energien für Gewerbebetriebe stellte der Umweltberater der Handwerkskammer vor. Ob Zuschüsse bis zu 80 Prozent oder zinsvergünstigte Darlehen, die Möglichkeiten seien vielfältig.