Dominik Dilger macht sich keine Illusionen: „Wir werden die letzten sein, die öffnen dürfen“, sagt der Betriebsleiter der Diskothek Top10 im Singener Industriegebiet. Wo sonst mehrmals pro Woche hunderte Menschen feiern und Platz ist für über 3000, sind die Türen seit einem Jahr geschlossen. Wobei: Zwischendurch gab es einen Barbetrieb, doch mit dem zweiten Lockdown musste auch der schließen. Aber Dominik Dilger will nicht aufgeben und Alternativen für sein Team schaffen: Ab Samstag wird das Top10 zum Schnelltest-Zentrum. „Wir wechseln in den medizinischen Bereich, um es zu beschleunigen, damit man bald endlich wieder feiern kann“, sagt Dilger.

Dafür plant er auch mit den Poppele voraus: Die beiden Bälle der Poppele, die bisher am Samstag vor dem Schmotzigen sowie mitten in der Fasnachts-Hochphase in der Scheffelhalle stattfanden, könnten zur Fasnacht 2022 in der Diskothek Platz finden. Zunftmeister Stephan Glunk bestätigt auf SÜDKURIER-Anfrage, dass es entsprechende Gespräche gegeben hat.

In 10 Tagen zum Testzentrum

Knapp zwei Wochen braucht es, um aus der Diskothek ein Schnelltest-Zentrum zu machen. Nachdem ein Bekannter ihm von ähnlichen Zentren in Ulm erzählt hatte, kontaktierte Dilger den dortigen Organisator. Zehn Tage später war alles auf die Beine gestellt: Medizinisch geschulte Mitarbeiter gesucht und rasch gefunden, eine Webseite mit Terminbuchungssystem geschaffen und den Parkplatz zum Testzentrum umgestaltet. Am Freitag sollen die Mitarbeiter unterwiesen werden, am Samstag können dann die ersten Kunden kommen.

Auf dem Top10-Parkplatz können sich Menschen ab Samstag auf Corona testen lassen und dafür zwischen einem Schnell- und dem genaueren PCR-Test wählen.
Auf dem Top10-Parkplatz können sich Menschen ab Samstag auf Corona testen lassen und dafür zwischen einem Schnell- und dem genaueren PCR-Test wählen. | Bild: Arndt, Isabelle

Wie sich Menschen am Top10 testen lassen können

Geplant ist ein Drive-through-System: In einem Einbahnstraßen-Prinzip kommen die zu testenden Personen mit dem Auto auf den Top10-Parkplatz. Dort gibt es ein Zelt, wo ein Top10-Mitarbeiter die vorher nötige Online-Registrierung überprüft. Anschließend macht ein medizinisch fachkundiger Mitarbeiter den Test und der Kunde kann weiterfahren. „Das Ganze dauert pro Person zwei Minuten“, sagt Dilger. Er rechnet bald mit bis zu 150 bis 200 Autos täglich. „Wir starten mit vier Öffnungstagen. Mir wären aber sieben Tage pro Woche am liebsten.“ Denn seine Mitarbeiter seien seit einem Jahr in Kurzarbeit. Das Testzentrum soll eine Perspektive bieten.

Warum eine Diskothek zum Schnelltest-Zentrum wird?

„Wir wollen schon einmal üben“, erklärt Dominik Dilger. Denn es sei möglich, dass in einer Übergangsphase das Feiern nur mit negativem Schnelltest erlaubt sein wird. Aber das sei eine Vermutung, Gespräche mit Politikern habe es bislang nicht gegeben. „Wir haben Stand jetzt noch keine Öffnungsperspektive. Die Politik spricht nicht mit oder über uns“, bedauert der Betriebsleiter. Zwölf festangestellte Mitarbeiter sind seit einem Jahr in Kurzarbeit und sollen nun mit dem Testzentrum neue Beschäftigung finden.

Auch dutzenden Aushilfen fehlt die Arbeit. Einige haben sich zwischenzeitlich eine andere Beschäftigung gesucht, von insgesamt 120 Mitarbeitern sind daher laut Dilger nur noch 60 bis 70 übrig. Die Aushilfen bräuchten ja das Geld und würden keine staatliche Unterstützung bekommen, zeigt sich der Betriebsleiter verständnisvoll. Einige hätten aber zugesagt, dass sie zurückkehren werden, sobald das Top10 wieder öffnen darf.

Bar statt Tanzfläche: Das Top10-Team versuchte, damit Leben in die Disko zu bringen. Doch mit dem Lockdown seit November endete auch diese Möglichkeit.
Bar statt Tanzfläche: Das Top10-Team versuchte, damit Leben in die Disko zu bringen. Doch mit dem Lockdown seit November endete auch diese Möglichkeit. | Bild: Arndt, Isabelle

Wann das sein wird, ist jedoch unklar. Im September 2020 hatte Dominik Dilger noch gehofft, dass ab März 2021 wieder gefeiert werden kann. Den Sommer überbrückte die Diskothek mit einem Barbetrieb unter freiem Himmel, im September und Oktober war auch die Tanzfläche bestuhlt. Jetzt ist es März und der Betriebsleiter tut sich schwerer mit einer Prognose. Vielleicht im Sommer? Dann könnten die Gäste den großen Außenbereich an der frischen Luft nutzen. Oder im September? Auch dann wären sie mit einem Testsystem vorbereitet.

Auch Kreisimpfzentrum war eine Option

„Das ist auch für uns etwas ganz Neues, aber wir freuen uns drauf.“ Vereinzelt habe es zwar negative Rückmeldungen von Corona-Skeptikern gegeben, dass mehr Tests auch höhere Infektionszahlen ergeben würden. Aber das sieht der Betriebsleiter anders: „Ich finde, das ist eine gute Sache. Ziel ist, dass man mit einem besseren Gefühl seine Oma und seinen Opa besuchen kann.“ Deshalb sehe er es auch nicht als Konkurrenz, wenn die Stadt Singen vermehrt Testmöglichkeiten anbiete.

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Teams könnten bald auch Firmen testen

Auch Dilger kann sich vorstellen, das Angebot auszuweiten: „Wir haben uns auch für das Impfzentrum beworben, aber leider keinen Zuschlag bekommen.“ Nachdem das vom Tisch ist, könnten seine Teams aber zum Beispiel auch in Firmen vor Ort testen. Auch andere Standorte, also das Top10 in Balingen und das Berry‘s in Konstanz, sollen zum Testzentrum werden.

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Der Verlust bleibt enorm. Doch der Betriebsleiter räumt mit Gerüchten auf

Trotz Corona-Hilfen mache das Top10 einen enormen Verlust. Doch Dominik Dilger bleibt positiv: „Uns wird es auch nach Corona noch geben.“ An Gerüchten, dass das Top10 insolvent sei, sei nichts dran. Und auch die Diskothek Erdbeermund, die von den gleichen Machern betrieben wird, solle weiter in ihren Räumen oberhalb des Obi-Marktes bleiben. „Ich bin mir sicher: Wenn es wieder losgeht, dann richtig. Denn viele Menschen bedauern, dass wir schon so lange geschlossen haben müssen.“

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