Frau Bauer, seit dem 13. März ist die Gems geschlossen. Wie ist die momentane Situation?

Ja, es hat uns wirklich mit aller Wucht getroffen. Wir haben nach dem Beschluss der Landesregierung in einer Hau-Ruck-Aktion und mitten im Soundcheck unseren Künstler von der Bühne geholt. Ab dem Tag war klar, dass wir alle Termine bis auf Weiteres absagen und verschieben müssen. Anschließend haben wir sämtliche Agenturen angerufen und es hieß, neue Termine zu organisieren. Da noch nicht klar ist, ab wann wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen und unter welchen Bedingungen, ist die Terminkoordination eine besonders große Herausforderung.

Wie planen Sie jetzt?

Voraussichtlich sollen Veranstaltungen ab September möglich sein, doch niemand weiß aktuell in welchem Rahmen. Viele Events mussten in das Jahr 2021 verschoben werden, da das Herbstprogramm 2020 ja bereits gebucht war und es deshalb kaum Spielraum gibt. Für die Künstler, die in der Stadthalle auftreten, ist es noch schwieriger einen Alternativtermin zu finden, denn die Stadthalle ist das ganze Jahr über voll belegt. Ich rechne damit, dass Veranstaltungen nur mit deutlich weniger Besuchern erlaubt sein werden und die ursprünglichen Verträge mit den Künstlern daher nachverhandelt werden müssen. Weniger Besucher heißt weniger Einnahmen und weniger Gage für den Künstler.

Ist es für Künstler, deren Auftritte abgesagt wurden, existenziell bedrohend?

Ja, das ist ganz tragisch. Seit dem 13. März verdienen viele „Null“.

Profitieren Sie nicht auch von der Corona-Soforthilfe des Bundes?

Der wird nur bezahlt, wenn sie Betriebskosten gegenrechnen können. Musiker rechnen vielleicht noch einen Probenraum ab, die meisten Künstler können das aber eben nicht. Bayern und Baden-Württemberg zahlen für drei Monate eine Soforthilfe in Höhe von 1180 Euro monatlich zahlen, unabhängig von den Betriebskosten. Aber: Die Prüfung geht zuerst zur IHK, dann zur Landesbank und es dauert lange, bis die Hilfe gewährt wird. Und die Sonderkredite bei der KfW helfen auch nicht wirklich weiter.

Wie regeln das andere Bundesländer?

Die prüfen die Betriebskosten und dadurch fallen die meisten Künstler gleich durch das Raster und ihnen wird empfohlen, das von Frau Grütters [Kulturbeauftragte des Bundes, Anm. der Redaktion] angepriesene Sozialhilfe-Paket zu beantragen, das nichts anderes als Arbeitslosengeld 2 bedeutet. Hier fehlt die Wertschätzung, wie ich finde, und hinzu kommt sicherlich noch eine große Hemmschwelle bei den Künstlern.

Die Tübinger Improcomedy-Crew Tauschrausch war regelmäßig in der Gems und sendet jetzt montags um 20.15 Uhr einen Livestream auf Youtube. Was machen andere Künstler?

Ach, da gibt es momentan viele Aktionen. Beispielsweise sendet Kabarettist Matthias Egersdörfer täglich „Nachrichten aus dem Hinterhaus“ und zeigt mit wüst wachsenden Haaren Alltagsgeschichten unter Corona. Frank Goosen und Jochen Malmsheimer lassen nach 20 Jahren „Tresenlesen“ wieder auferstehen – jetzt mit viel Abstand am Tisch sitzend. Die A-Capella-Gruppe LaLeLu hat einen Podcast „Kratzen im Hals“. Viel Geld bringt das sicherlich nicht, aber ich denke, sie machen das auch, damit sie Präsenz zeigen.

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Wie sichern Sie das Gems-Überleben?

Natürlich haben wir Soforthilfe vom Land beantragt sowie Kurzarbeit für uns, damit haben wir uns finanziell schon einmal ein wenig Luft verschafft. Außerdem habe ich unsere Besucher angeschrieben und ihnen sogenannte Gems-Retter-Gutscheine zum Kauf angeboten. Der Erfolg war überwältigend! Es wurden für rund 7000 Euro Gutscheine verkauft. Außerdem haben sich viele Besucher gemeldet, die auf eine Stornierung verzichten und ihre bereits gekauften Tickets behalten, um mit ihnen zu den verschobenen Veranstaltungen zu kommen. Oder sie können den Ersatztermin nicht wahrnehmen und verzichten ebenfalls auf die Rückerstattung, um uns den Ticketpreis zu spenden. Auch unser Förderverein hat Zuwendungen erhalten. Insgesamt erfahren wir eine unglaublich große Solidarität durch Spenden und nicht zuletzt durch aufmunternde Gespräche. Das ist wirklich toll zu erleben, wie wichtig unseren Besuchern der Fortbestand der Gems ist.

Was ist als nächstes geplant?

Auf Initiative von Michael Brauch (Acoustical South) und Önder Tekik (Soulmachine) ist ein Benefizkonzert zu Gunsten der Gems geplant. Verschiedene Musiker aus der Region werden an einem Konzerttag die Gems rocken.

Wann?

Sobald man wieder ungefährdet zusammen tanzen und Musik hören kann. Und darauf freue ich mich!

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