Die katholischen Christen in der Erzdiözese Freiburg stehen vor großen Veränderungen. Mit dem Kirchentwicklungskonzept „Pastoral 2030“, das bereits 2018 angekündigt wurde, soll die Kirchenarbeit neu strukturiert werden. Im Anschluss an den Fronleichnamsgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche Singen stellte Pfarrer Jörg Lichtenberg das neue Konzept vor. „Wir haben längst unter zehn Prozent Gottesdienstteilnehmer“, umriss Lichtenberg eines der Probleme.

Verwaltungseinheiten werden größer

Die Zahl der Priester und der Gläubigen geht zurück, der Verwaltungsaufwand bleibt hoch. Dazu wird über die Anbindung an die Lebenswelt der Menschen diskutiert. All dies führt zu radikal erscheinenden Schritten. So sollen die derzeit 224 Seelsorgeeinheiten auf 40 reduziert werden. Die Einteilung werde nicht zwingend territorial erfolgen: „Es kann sein, dass Hegau, Radolfzell und Stockach zu einer Pfarrei zusammengelegt werden“, verdeutlichte Lichtenberg. Jede Pfarrei werde mit einem eigenen pastoralen Zentrum ausgestattet.

Verkauf von Gebäuden und Flächen

Ein harter Einschnitt werde auch der Verkauf von Gebäuden sein. „Der pastoralen Gebäudekonzeption wird daher bei anstehenden Reduzierungen von Gebäuden und Gebäudeflächen, aber auch von Kapellen und Kirchen, eine große Rolle zukommen“, so der Plan. Für die Neuorganisation von Verwaltung, Kommunikation, dem pastoralen Personal, von Räten und Gremien gibt es verschiedene Vorschläge, die noch auszuarbeiten sind.

Pfarrer Bernhard Knobelspies sieht in „Pastoral 2030“ eine „große Chance, alte kirchliche Strukturen aufzubrechen“ und zugleich Eigenverantwortung einzufordern. „Die kirchliche Gemeinschaft lebt von der Mitverantwortung“. Bereits in der Fronleichnamspredigt hatte er deutliche Worte gefunden: „Aus der Sorge um die Zugangswege zum Priesterberuf und zur Spende der Sakramente mögen sich neue Wege ergeben. Dass sich die südamerikanische Priesterschaft vom Zölibat löst, ist nicht nur ein Hoffnungsschimmer, sondern ein Weg in die Zukunft“. Auch Erzbischof Stefan Burger fordert im „Pastoral-Entwurf“ einen Mentalitätswandel: „Es geht um den Abschied vom Modell einer vorwiegend von Hauptberuflichen getragenen und verantworteten Kirche, das einer Versorgungs- und Mitmachlogik folgt“.

Neue Strukturen als Entwicklungschance

In der Gemeinde stößt das Konzept auf überwiegend positive Resonanz: „Es ist sehr wichtig, dass man sich Gedanken macht. Wir müssen die jungen Menschen erreichen“, sagt Bernhard Siegel aus Singen. Gemeindereferentin Susanne Ploberger sieht in der Neustrukturierung eine große Chance: „In das Pastoralteam könnten unterschiedliche Berufsgruppen einbezogen werden und das Diakonat für Frauen muss kommen“. Die Größe der künftigen Pfarreien gebe allerdings zu denken: „Die Kirche muss für die Leute ein Gesicht haben, darf nicht anonym sein“. Melanie Hug aus Hilzingen sieht im „Pastoral 2030“ eine Möglichkeit, den Zugang zur Kirche leichter zu machen. Das Konzept ist Thema ihrer mündlichen Abiturprüfung. „Die Rolle der Frauen in der Kirche sollte gestärkt werden“, sagt Hug. Jörg Lichtenberg sieht in der Diözese den richtigen Zeitpunkt für Veränderungen gekommen: „Als das Konzept in der Synode vorgestellt wurde, gab es kaum Protest. Viele haben schon gemeinsam in diese Richtung gedacht“.“