Um sich auf einem Streifzug durch Singen beeindrucken zu lassen, vom Ästhetischen, vom Historischen und Künstlerischen, darf der Flaneur nicht auf der Straße bleiben. Er muss hinein in die Galerien, Museen und Veranstaltungen, auf die die Stadt und genauso das Umland in der letzten Zeit so stolz sind. Eine Altstadt gibt es nicht mehr, Kultur ist die Strategie für ein Alleinstellungsmerkmal.

Provinziell will man nicht sein, und "Von wegen Provinz" betitelte die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger ihre Diskussion im Kunstmuseum, zu der sie die Staatssekretärin Petra Olschowski eingeladen hatte. Es ging um baden-württembergische Kulturpolitik der Zukunft und künftige Förderung von Kultur. Kultur ist für Wehinger mehr als Prestige.

Auseinandersetzung mit der Digitalisierung

"Kunst bedeutet immer Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie dient der Integration und auch Identifikation, davon profitiert die Gesamtheit der Stadt".

Die Welt der Kunst und Kultur müsse auf die Digitalisierung eingehen, meinte Petra Olschowski. Die zwangsläufig resultierenden Veränderungen sieht sie mit gemischten Gefühlen: "Ich habe auch Sorgen, aber zum Teil ist das auch gut so", erklärte sie zu den Entwicklungen. Angst habe sie aber auf keinen Fall.

Keine falsche Nostalgie

Nostalgischen Gefühlen über unzeitgemäße Ausstellungsformen hängt auch Kunstmuseumsleiter Christoph Bauer nicht nach: "Früher war nicht alles besser, nur eben anders", betonte er. "Mein Traum wäre, dass hier die 80-jährigen neben den 20-jährigen stehen."

Zurzeit sammle man Ideen, gemeinsam mit den Kulturpräsentierenden. "Von uns gibt es ja vielleicht auch Geld", sagte Olschowki lachend. Eine Bestandsgarantie für die Kultur im ländlichen Raum könne man aber nicht geben, allerdings durch Vernetzung den Wegfall von Institutionen abmildern. In dieser Legislaturperiode sei die Kunstförderung in besonderer Weise unter Beschuss: von Seiten der AfD. "Da sehen wir, was wir zu verlieren haben", fand sie, "wir reden ja oft genug von der Freiheit".