21,6 Prozent der Wahlberechtigten, 7814 Personen, stimmten für das Projekt am Bahnhof der Stadt. 15,2 Prozent wollten dies nicht. Damit hatten die Gegner des Vorhabens das rechtlich nötige Quorum nicht erreicht, wohl aber die Befürworter. Diese Hürde hatte bei 20 Prozent der Wahlberechtigten oder 7245 Stimmen gelegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 36,8 Prozent. Seit Dezember 2015 gilt dieses Quorum. Davor lag es bei 25 Prozent. Stimmberechtigt waren alle Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit oder Staatsangehörigkeit eines EU-Staats ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz seit mindestens drei Monaten innerhalb der Gemeinde Singen.

Oberbürgermeister Bernd Häusler (CDU) zeigte sich nach der Entscheidung zufrieden: „Das ist ein sehr eindeutiges Ergebnis.“ Auch die Vertreter des Investors ECE waren merklich erleichtert. „Das ist sensationell. Mit dieser Deutlichkeit bei der Unterstützung hatten wir nicht gerechnet“, erklärte Marcus Janko, der Chefplaner von ECE, das zum Otto-Konzern aus Hamburg gehört. Die Gegner trugen die Niederlage mit Fassung. Sie hatten 5506 Stimmen erzielt. Sprecherin Regina Henke erklärte, ihre Gruppe habe „mit unseren Argumenten die Mehrheit der Singener Bevölkerung nicht erreicht“.


Seit mehr als zwei Jahren war das Einkaufszentrum in Singen in der Diskussion. Es hatte einen regelrechten Wahlkampf um das Projekt gegeben. Gebaut wird die fünfstöckige Mall direkt an der Fußgängerzone, gegenüber des Bahnhofs. Sie soll mit einer Verkaufsfläche von rund 16 000 Quadratmetern größer werden als die bisherige Nummer eins am Bodensee, das Konstanzer Lago-Center. Hinzu kommen Flächen für Gastronomie und Dienstleistungen. 400 Parkplätze sollen entstehen. Baubeginn könnte nächstes Frühjahr sein und Fertigstellung in gut zwei Jahren, im Herbst 2018. 20 000 Kunden sollen täglich ins Center strömen, viele davon aus der grenznahen Schweiz, erhoffen sich die Investoren. Sie finanzieren das Projekt komplett aus privaten Mitteln.


Die Wahl der Bürger ist bindend. Der Gemeinderat wird das Votum nicht mehr diskutieren. Er hatte die Bürgerabstimmung von sich aus in die Wege geleitet und vorab festgelegt, dass bei einem Nichterreichen des Quorums der Gegner automatisch die ursprüngliche Zustimmung des Gemeinderates greift. Dieser hatte vor sechs Wochen klar mit 26:3 Stimmen grünes Licht für das Projekt gegeben. Auch im Singener Umland war die Entscheidung mit Spannung verfolgt worden. Viele Umlandstädte sehen besorgt auf das Riesencenter, das ihnen Kundschaft absaugen dürfte. Das Freiburger Regierungspräsidium hatte allerdings die negativen Auswirkungen als nicht so gravierend eingeschätzt und Ja zum Singener Plan gesagt.