Singen klotzt. Baustellen, wohin man schaut, und das zeitigt aberwitzige Folgen. Im Windschatten von Großprojekten wie dem am Bahnhof und auf dem Herz-Jesu-Platz gerät die Erweiterung des Museums Art & Cars (MAC) aus dem Blick – zu Unrecht, was sich allein aus dem voraussichtlichen Investitionsvolumen von zehn bis 15 Millionen Euro ergibt. Inzwischen steht der Rohbau, was sich der Standortmarketing-Verein "Singen aktiv" nicht entgehen ließ. Dessen Chef Gerd Springe sowie die Geschäftsführerin Claudia Kessler-Franzen wählten die Baustelle zum Treffpunkt ihres alljährlich veranstalteten Business-Talks mit etwa 100 Gästen.

Wenn's nach Gerd Springe geht, dann werden sie sämtlich zu Botschaftern der Stadt. So wie er beim Business-Talk zu verstehen war, unterscheidet er nicht zwischen weichen und harten Standortfaktoren – für den Mann zählt einzig das Gesamtbild der Stadt. Nur dann beispielsweise könnten die Unternehmen im Wettbewerb um Arbeitskräfte mithalten, wobei das MAC auf seine Weise einen Beitrag leistet. Gerd Springe hat sich dazu mit der Altersstruktur von Museumsbesuchern beschäftigt und festgestellt, dass diese im MAC deutlich unter dem Altersdurchschnitt anderer Museen liegt. Ganz nebenbei profitiert davon die Kultur: Über die automobilen Oldtimer kommen junge Menschen in Kontakt mit zeitgenössischer Kunst. Wo sonst gelinge das?

Tatsächlich allerdings geht vom MAC ein dreifacher Reiz aus. Neben den Autos und der Kunst sorgt das Gebäude mit seiner Architektur und als gastronomischer Treffpunkt für Akzente in der Stadt. Das wird bei der Erweiterung nicht anders sein, wobei die Bezeichnung als Erweiterung ein Witz ist. Laut Hermann Maier, seines Zeichens Initiator des Museums und Vorstandsmitglied der MAC-Stiftung, wird das MAC II rund drei Mal so groß wie der benachbarte Bau und entspricht von der Kubatur etwa 35 Einfamilienhäusern.

Das bietet Möglichkeiten, wie sie einem Architekten nur selten geboten werden. Daniel Binder nimmt dabei die Ideen des ebenfalls von ihm entworfenen älteren Geschwisterchens auf und variiert sie. Im Zentrum steht für ihn der Bezug zum Hegau und insbesondere zum Hohentwiel, wobei das MAC I diesen in einer architektonisch weichen Formensprache umsetze. Beim MAC II nun soll sich die Härte der Landschaft in der Anmutung des Gebäudes spiegeln. Erkennbar werde dies im Rohbau durch die doppelturmartige Gestaltung (Süd- und Nordturm) mit einem Zwischenraum, der wegen seiner Höhe und schrägen Wände an eine Kathedrale erinnere. Die Architektur als künstlerischer Reflex auf die Besonderheiten des Hegaus soll sich auch im dieser Tage beginnenden Verputz der Außenwände durch entsprechende Brechungen wiederfinden.

In der launigen Moderation brachte Kurator Christoph Karle die Ziele der Architektur auf den Punkt: "Die krummen Wände sind Absicht." In jedem Fall sind sie einmalig und das wiederum dient den Ausstellungszielen. Laut Hermann Maier werden zwei Etagen des MAC II für Oldtimer mit Wechselausstellungen reserviert, die es in dieser Form nur in Singen zu sehen geben werde. Zu den Besonderheiten wird ferner die Präsentationsform zählen. Bis auf die Sky-Lounge mit einer Raumkapazität für bis zu 400 Besuchern kommt das Museum weitgehend ohne natürliches Licht aus, die Exponate werden (nach dem Vorbild des mittigen Raums im MAC I) durch den Lichtkünstler Markus Brenner ausgeleuchtet. Das dürfte zur variablen Darstellung der Objekte beitragen – und so ungefähr ab Mai 2019 zugleich den Standort Singen im Sinne von Gerd Springe immer wieder neu ins Licht setzen.