Die Mooser Wasserpozession fand zum zweiten Mal in deutlich reduzierter Form statt. Nachdem sie bereits 2020 wegen der Pandemie mit deutlich weniger Teilnehmern und Beobachtern stattfand, musste dieser Modus ein weiteres Mal aufrecht erhalten werden. Das hieß konkret: In Moos bestiegen weniger Wallfahrer die Boote, um über den See zu rudern und in Radolfzell wurden sie von einer überschaubaren Anzahl von Beobachtern empfangen. Die feierliche Stimmung, die seit vielen Jahrzehnten die Wallfahrt über den See und seinen Empfang charakterisiert, fiel entsprechend reduzierter aus. Auch der Gesang, den die Radolfzeller normalerweise anstimmen, wenn die Ruderboote das Ufer erreichen, fehlte.

Video: Jarausch, Gerald

Seuche damals, Pandemie heute

Bereits vor der Abfahrt im Mooser Hafen stellte Bürgermeister Patrick Krauss die Parallele zwischen der historischen Viehseuche und der Corona-Pandemie her. „Wie auch damals werden wir diese Seuche überwinden“, sagte er mit Überzeugung. Zunächst einmal machte der aktuell hohe Wasserstand es nicht einfach, den See zu queren. Er verhinderte, dass die Wallfahrer im Mooser Hafen die MS Seestern besteigen konnten. Das konnte erst im Ortsteil Iznang stattfinden.

Warten auf die Abfahrt im Mooser Hafen: Die blumegeschmückten Ruderboote der Mooser Wasserprozession
Warten auf die Abfahrt im Mooser Hafen: Die blumegeschmückten Ruderboote der Mooser Wasserprozession | Bild: Jarausch, Gerald

Immerhin acht blumengeschmückte Ruderboote und die Solarfähre traten im Hafen ihre Pilgerfahrt an. Auf dem See herrschte dank des schönen Sommermorgens die gewohnt feierliche Stimmung. Einzig die Ruderschläge durchbrachen die Stille des Morgens mit aufgehender Sonne.

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In Radolfzell landeten die Boote rechts neben der Mole an. Von dort aus ging es für alle geladenen Gäste auf die MS Seestern, die zeitgleich im Radolfzeller Hafen angekommen war. Dort begrüßten Münsterpfarrer Heinz Vogel und Oberbürgermeister Martin Staab den Höri-Pfarrer Stefan Hutterer, Bürgermeister Patrick Krauss und alle anderen Pilger. Ähnlich wie sein Amtskollege stellte OB Martin Staab die unglücklichen Begleitumstände der Wasserprozession in das Zentrum seiner Betrachtung.

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Ein Anker als Symbol des festen Halts: Die Pilgerfahrer aus Moos (links Pfarrer Stefan Hutterer und Bürgermeister Patrick Krauss) brachten einen Anker über den See und überreichten ihn OB Martin Staab (Zweiter von rechts) und Münsterpfarrer Heinz Vogel.
Ein Anker als Symbol des festen Halts: Die Pilgerfahrer aus Moos (links Pfarrer Stefan Hutterer und Bürgermeister Patrick Krauss) brachten einen Anker über den See und überreichten ihn OB Martin Staab (Zweiter von rechts) und Münsterpfarrer Heinz Vogel. | Bild: Jarausch, Gerald

Immer noch nicht das gewohnte Fest

„Noch immer ist es nicht, wie es sein soll“, sagte er. „Wir vermissen die große Prozession.“ In der Tat ging es anschließend auf dem kürzesten Weg in das Radolfzeller Münster, wo das traditionelle Mooser Hochamt abgehalten wurde. Durch die Bahnunterführung zog der überschaubare Tross der Teilnehmer, um über den Seetorplatz in das Münster zu gelangen. Dort verloren sich die wenigen Pilger förmlich in dem großen Kirchenbau.