„Ich schaff‘s“ – das klingt positiv, fröhlich, anpackend. Kindern zu vermitteln, dass es Lösungen für Probleme gibt, ist der Ansatz des finnischen Psychiaters und Autors Ben Furmann.

Das Pestalozzi-Kinderdorf hat den international bekannten Psychiater in Kooperation mit der Tegginger-Schule und dem SÜDKURIER ins Milchwerk eingeladen. In einem humorvollen Vortrag stellte Furmann vor etwa 400 Besuchern sein Programm vor.

Sie hatten gemeinsam mit dem SÜDKURIER zu dem informativen Abend zum Thema Kindererziehung eingeladen: Norbert Schaible, Rektor der Tegginger-Schule (links) und Bernd Löhle, Geschäftsführer des Pestalozzi-Kinderdorfs.
Sie hatten gemeinsam mit dem SÜDKURIER zu dem informativen Abend zum Thema Kindererziehung eingeladen: Norbert Schaible, Rektor der Tegginger-Schule (links) und Bernd Löhle, Geschäftsführer des Pestalozzi-Kinderdorfs. | Bild: Natalie Reiser

Statt eines Fachvortrags wolle er Geschichten erzählen, meinte der finnische Autor. Mit viel Gestik untermalte er seine Worte. Sein Vortrag bekam streckenweise kabarettistische Züge, wodurch er das Publikum zum Lachen brachte.

Die Schwierigkeiten, denen Eltern sich gegenübersehen unterschieden sich in Europa, in Nordamerika, Asien und im Nahen Osten kaum voneinander, meinte Furmann. Überall dort ist der Erziehungsexperte unterwegs, um sein Programm zu empfehlen.

Niemand spricht gerne über Probleme

Kinder hätten Ängste, Aufmerksamkeitsstörungen, Wutanfälle und manchmal schlechte Angewohnheiten, so Furmann. In Gesprächen mit Betroffenen habe er festgestellt, dass niemand gerne über Probleme spreche. Weder Eltern noch Kinder.

Das führte ihn zu der Idee, dass zu jedem Problem eine Lösung gehöre, für die man eine bestimmte Fähigkeit benötige. Ein Kind, das oft wütend reagiert, müsse lernen, sich zu beruhigen. Auf die Frage „Kannst du das?“, erhalte er meist positive Antworten. Auf eine Fähigkeit angesprochen, selbst, wenn sie noch eingeübt werden muss, erlebe das Kind sich als stark.

Auf das Positive konzentrieren

Dieses positive Empfinden gelte es zu vertiefen, so der Psychiater. Eltern und Erzieher sollten lernen, sich auf „Goldkörnchen im Verhalten“ zu konzentrieren. Das sei nicht kompliziert, aber es erfordere ein Umdenken und eine andere Art der Kommunikation.

Der Autor legte Eltern ans Herz, den Zeigefinger durch eine Prise Humor zu ersetzen. Kaut ein Kind seine Nägel, bringe es wenig, zu fragen: „Warum tust du das?“ oder zu sagen: „Hör auf damit.“

Das könnte Sie auch interessieren

Besser sei die Frage: „Willst du lernen, deinen Nagel wachsen zu lassen?“ Alle Nägel auf einmal in Ruhe zu lassen, sei natürlich schwierig. Also: „Welchen Nagel zuerst?“ Wählt das überraschte Kind den Daumen aus, habe man es geschafft, eine Vereinbarung zu schließen.

15-Punkte-Programm

In seinem Buch „Ich schaff‘s“ beschreibt der Autor ein 15-Punkte-Programm, das es Eltern und Kindern ermöglichen soll, eine Fähigkeit so einzuüben, dass sie nicht verloren geht. Dabei spiele Motivation eine große Rolle. Kinder sollten erkennen, warum der neue Weg gut für sie ist.

„Kinder haben Träume. Helfen Sie ihnen, sie zu realisieren“, meinte der Erziehungsexperte. Einige Schritte in Furmanns Programm sind: Coole Namen für Fähigkeiten zu finden, eine Kraftfigur zu wählen, ein Fest für Eingeübtes zu feiern, das Kind vorführen zu lassen, was es gelernt hat und es zu loben.

So lerne es, Dankbarkeit zu spüren. Positive Empfindungen, Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob, seien mehr wert als Geschenke. Furmann ermutigte: „Sagen Sie ihrem Kind: Wir sind stolz auf dich.“