Der Umgang mit dem Gefallenendenkmal auf dem Luisenplatz fällt schwer. Seit mehreren Jahren wird eine Umgestaltung der martialisch anmutenden Soldaten mit den Gewehren in der Hand erwogen. Nun ist eine Entscheidung gefallen. Das Monument soll durch die Pflanzung von weißen Sophie-Scholl-Rosen in seiner kriegerischen Ausstrahlung gemildert werden.

Im Kulturausschuss standen drei Varianten der Umgestaltung des Denkmals sowie eines veränderten Umgangs mit dem Platz zur Diskussion. Zunächst war vorgeschlagen, das Standbild zu begrünen. Mit wildem Wein, weißen Strauchrosen oder immergrünen Schnittgehölzen, direkt am Sockel des Denkmals oder im Hochbeet. Angedacht wurde auch die Pflanzung einzelner Eiben auf der gesamten Fläche des Platzes. Wilder Wein wäre laut Kalkulation der Abteilung Stadtgeschichte mit 700 Euro die günstigste Lösung gewesen, ein Hochbeet aus Cortenstahl mit weißen Rosen hätte mit 13 500 Euro zu Buche geschlagen. Gisela Kögel-Hensen brachte zusätzlich den Antrag ein, ein Gerüst um das Denkmal mit Efeu beranken zu lassen.

Diese Optionen sind vom Tisch: Das Denkmal soll nicht gedreht werden und dem Luisenplatz seinen Rücken zuwenden. Auch Efeu kam für den Gemeinderat als Bepflanzung des Denkmals nicht in Frage, weil er den Naturstein beschädigen würde. Bild: Natalie Reiser
Diese Optionen sind vom Tisch: Das Denkmal soll nicht gedreht werden und dem Luisenplatz seinen Rücken zuwenden. Auch Efeu kam für den Gemeinderat als Bepflanzung des Denkmals nicht in Frage, weil er den Naturstein beschädigen würde. | Bild: Natalie Reiser

Das Denkmal in Richtung Fürstenbergstraße zu versetzen oder es um 180 Grad zu drehen, sodass die Soldaten dem Luisenplatz den Rücken zuwenden würden, lehnte der Gemeinderat einstimmig ab. Laut Gutachten eines Statikers und eines Steinmetzes wäre eine Versetzung des Denkmals schwierig und teuer. Die Statue bestehe aus acht Einzelteilen, die zusammengefügt und mittlerweile des Öfteren ausgebessert wurden. Es sei nicht sicher, dass der brüchige Naturstein eine Umsetzung unbeschadet überstehe.

Meinungen der Gemeinderäte gehen weit auseinander

Abgelehnt wurde der von Richard Atkinson (FDP) eingebrachte Antrag, das Denkmal zu entfernen. Norbert Lumbe (SPD) sprach sich dafür aus, die Kriegerstatue für nachkommende Generationen zu erhalten, gerade weil sie die Schwierigkeiten spiegele, die Radolfzell in der Auseinandersetzung mit seiner Rolle in der NS-Zeit habe. Helmut Villinger (CDU) schloss sich diesem Urteil an. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass Menschen, die in den Kriegsjahren Schicksalsschläge erlitten hätten, seit Jahren an diesem Platz ihrer Angehörigen gedächten. Hermann Leiz (CDU) brachte den Vorschlag ein, die Soldaten zu entwaffnen.

Dietmar Baumgartner (FW) vertrat den Standpunkt, die Diskussion um das Denkmal dauere bereits so lange an, dass sie bei den Bürgern kein Verständnis mehr finde. Er sprach sich dafür aus, das Denkmal im jetzigen Zustand zu belassen und den Luisenplatz umzubenennen. Beispielsweise in einen Platz des Friedens. Angesichts der Höchstwerte, die die AfD derzeit erreicht, plädierte auch Derya Yildirim (SPD) dafür, den Platz in einen Friedensplatz umzutaufen.

Bernhard Diehl (CDU) sah es als verfehlt an, „vor der AfD zu kuschen“. Besonders um Jugendlichen den Schrecken des Krieges vor Augen zu führen, sei Erinnerung mit Blick auf Statuen dieser Art wichtig. Das Kriegerdenkmal in Böhringen bliebe das ganze Jahr über unbeachtet, am Volkstrauertag jedoch sei es „einen Tag in Betrieb“ und erfülle eine wichtige Funktion.

Mit sechs Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und einer Enthaltung entschied sich der Gemeinderat für die weißen Strauchrosen.

Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag weiterhin am Luisenplatz

Der dritte Vorschlag betraf den Volkstrauertag. Es wurde darüber abgestimmt, ob der Kriegstoten am Volkstrauertag künftig an anderer Stätte gedacht werden sollte. Nina Breimaier (FGL) hielt es für passender, die Gedenkveranstaltung auf den Waldfriedhof oder an einen zentralen Ort wie den Bürgersaal zu verlegen. Der Luisenplatz sollte ausschließlich ein Mahnort gegen den Krieg sein. Die Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder stimmte jedoch dagegen.