Bei der Veranstaltung "Gehört" des CDU-Stadtverbands wurde einmal mehr deutlich, wie unzufrieden die Anwohner und Nutzer der Konstanzer Straße mit dem Ausbau der wichtigen Zugangsstraße sind. Insbesondere die Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn sorgt für viel Unmut. Auf der Konstanzer Straße dürfen Autos 50 Stundenkilometer schnell fahren, was in der Praxis vermutlich eher selten der Fall sein wird. Das zumindest stellten einige der Bürger am Samstag vor Ort fest. Sie sehen schon jetzt, bevor der Endbelag mit den Markierungen und dem Schutzstreifen für Radfahrer aufgetragen ist, die Probleme heraufziehen: "Die Fahrbahn für Autos und Radfahrer ist zu schmal. Die Fahrzeuge können die Radfahrer nicht ohne eine Gefährdung überholen", sagte eine der Bürgerinnen.

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Das sieht auch die CDU-Fraktion so: "Es kann nicht sein, dass die Radfahrer als Verkehrsbremse genutzt werden", befand Stadtrat Christof Stadler. Das Konzept mit den Verkehrsinseln auf der Fahrbahnmitte, die gleichzeitig als Hilfe zur Fahrbahnüberquerung und Standort für Bäume dienen soll, erntete daher einige böse Kommentare. "Wenn ich das sehe, schäme ich mich ein Radolfzeller zu sein", entfuhr es einem Mann. Viele Chancen auf eine Verbesserung hat die Konstanzer Straße zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr. Denn die Planungen sind längst abgeschlossen und die Maßnahmen beinahe alle umgesetzt. Eine Alternative könnte aus Sicht der Anwohner die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer sein. Sie würde zumindest verhindert, dass die Autofahrer verärgert hinter den den langsameren Radfahrern herfahren müssten oder sogar riskante Überholmanöver starten.

CDU wirft OB Staab Wortbruch vor

Aber es gibt an der Konstanzer Straße gleich noch eine nächste Baumaßnahme, die für Kritik sorgt. Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat dazu jetzt einen offenen Brief an Oberbürgermeister Martin Staab formuliert, in der sie ihn des "Wortbruchs" bezichtigt. Man bezieht sich dabei auf eine Sitzung des Ausschusses für Planung, Umwelt und Technik (PUT) am 5. Dezember 2018. Darin hatte die CDU-Fraktion die Planung der Verwaltung hinsichtlich der Brückensanierung an der Konstanzer Straße kritisiert und Alternativen eingefordert. Vor allem die geplante Verlegung des Radweges auf die Fahrbahn hatte dabei für Gesprächsstoff gesorgt.

Fakten geschaffen: Die Bäume entlang der Brücke an der Konstanzer Brücke sind bereits gefällt. Bild:Gerald Jarausch
Fakten geschaffen: Die Bäume entlang der Brücke an der Konstanzer Brücke sind bereits gefällt. Bild:Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

In der CDU-Fraktion ist man der Meinung, dass ein separater Radweg im Bereich der Brücke für deutlich mehr Sicherheit der Radfahrer sorgt. Viele Radolfzeller können sich noch an die Zeit erinnern, als selbst Schüler mit den Rad auf der Straße fahren mussten und dann an den Steigungen der Brücke von Autos und Bussen bedrängt wurden. Um solche Zustände zu verhindern, stellte die CDU den Antrag auf eben diesen separaten Radweg. Allerdings bat OB Staab in der Sitzung um eine Zurückstellung des Antrages, indem er zusicherte, dass im ersten Quartal 2019 die Planungen beraten werden. Mit Verwunderung musste die CDU dann aus der Presse erfahren, dass die Arbeiten an der Konstanzer Brücke bereits im Januar ausgeschrieben wurden, ohne vorherige Beratung.

Diehl: "Wir fühlen uns getäuscht"

Auch sonst hat man in der Verwaltung schnell Fakten geschaffen. Sämtliche Bäume entlang der Brücke wurde bereits gefällt. "Wir halten diesen Vorgang für einen Wortbruch, da die Zustimmung unter Versprechungen nur provisorisch erfolgte", heißt es dazu in dem offenen Brief an OB Staab. Und Fraktionssprecher Bernhard Diehl ergänzte am Samstag: "Wir fühlen uns getäuscht." Seine Fraktion fordert den Oberbürgermeister deshalb dazu auf, die "Planung einschließlich einer Abwägung der bereits in der Öffentlichkeit vorgebrachten Kritikpunkte vorzustellen und rechtskonform zu beschließen".